Der Austernfischer (Haematopus ostralegus)

 

Was ist ein Austernfischer?

 

Der Austernfischer ist ein Watvogel aus der Gattung Haematopus der als Küstenvogel überwiegend die Küsten bewohnt und auch im küstennahen Binnenland vorkommt. Besonders auffällig ist der Austernfischer einerseits durch seine schwarz und weiße Gefiederfärbung und, bei den adulten Vögeln, den roten Schnabel und korallenrote Beine sowie seine rote Iris. Auch stimmlich ist der Austernfischer bereits über größere Entfernungen, an seinem markanten schrillen und getragenen Rufen "biik" oder "kip kip kip" zu erkennen. 

 

austernfischer haematopus ostralegus strand wasser
Austernfischer mit Jungen am Spülsaum des Strandes

 

 

Steckbrief: Austernfischer (Haematopus ostralegus)

 

Brutzeit - Gelege - Größe - Gewicht - Nahrung - Biotop - Alter

 

Systematische Einordnung:

Ordnung: Watvögel (Charadriiformes)

Familie: Austernfischer (Haematopodidae)

Gattung: Austernfischer (Haematopus)

Art: Austernfischer 

 

Beschreibung:

Wissenschaftlicher Name: Haematopus ostralegus

Artname Englisch: Eurasian Oystercatcher

Artname Französisch: Huîtrier pie

Artname Niederländisch: Scholekster

 

Vorkommen / Verbreitung:  In Europa ist der Austernfischer häufiger Brutvogel an der Küste und im küstennahen Binnenland. Häufiger Gast im Wattenmeer. Nordküste des Mittelmeeeres, sowie Vorderasien, Osteuropa und bis nach Mittelsibirien.

 

Auch Vorkommen bis zu 300 km entfernt von der Küste sind möglich.

 

Wanderungen: Teilzieher

 

Überwinterung: Europäische Atlantikküste, vereinzelt bis nach Afrika. Großes Mauser- und Überwinterungsgebiet des Austernfischers ist das gesamte Gebiet des Wattenmeeres.

 

Lebensraum: Der Austernfischer ist ein Küstenvogel. Vom Austernfischer wird offenes Gelände bevorzug, meistens ohne Vegetation, kurzgrasig; Fels-, Kiesel- und Sandstrände, findet sich in Dünen, Wattwiesen und auf Weideland. Im Binnenland meistens in Wassernähe.  

 

Verhalten: An der Küste ist das Verhalten der Austernfischer an die Tide angepasst, wobei es zu Tag- und Nachtaktivität kommt. Austernfischer ziehen vermutlich meistens in der Nacht.

 

Kennzeichen: Großer Vogel mit breiter Brust und schwarz-weißem Gefieder, ähnelt in der Größe dem Kiebitz.

 

Austernfischer haben eine schwarze Oberseite sowie eine weiße Unterseite. Adulte Austernfischer haben zudem einen langen roten Schnabel, seitlich eher flach und zusammengedrückt, sowie rote Beine. Die Iris der adulten Austernfischer ist leuchtend rot.

 

Das Brutkleid des Austernfischers zeigt schwarz an Kopf, Brust, Flügeldecken und Schulterfedern, Arm und Handschwingen, sowie ein schwarzes Endband am Schwanz. Das Körpergefieder mit dem Bauch ist weiß; im Flug zeigt der Austernfischer eine breite weite Flügelbinde (auffällig).

 

Das adulte Ruhekleid des Austernfischers wirkt matter, mit einem schwachen weißen Kehlband.

 

Juvenile Austernfischer zeigen helle bräunliche Federsäume; Schnabel ist noch dunkelbraun, jedoch mit rötlicher Basis mit grau-fleischfarbenen Füssen. Die Iris der juvenilen Austernfischer ist noch braun.

 

Größe: 39-44 cm (einschließlich Schnabellänge von ca. 6,5-9 cm)

Gewicht: 480 g

Spannweite: 72-83 cm

 

Stimme und Ruf: Der Austernfischer ist ein lauter Vogel, der sehr häufig sein weit hörbares gedehntes schrilles „biik“ hören lässt. Dazu kommen auch Rufe wie „kliklikli …..“ oder „kip-kip-kip“

 

Geschlechtsreife: Austernfischer werden zwischen dem dritten und fünften Lebensjahr geschlechtsreif, meistens im vierten Lebensjahr.

 

Paarungszeit: ab April; monogam, langanhaltende Partnertreue, es wird sogar eine lebenslange Partnertreue vermutet (nachgewiesen bis zu 20 Jahre).

 

Nestbau: ab März

Bruten: 1 Jahresbrut der Austernfischer

Legezeit: ab Mitte März (GB) – April (Mitteleuropa)/Mai bis Ende Mai/Juni. Ausnahmebruten auch noch im Juli.

Brutzeit: März bis Juni

 

Nest: Bodenbrüter, das Nest besteht aus einer flachen Mulde, die mit Nistmaterial aus der Umgebung ausgekleidet sein kann (keine Regel). Dabei kann es zu sogenannten Muschelnestern kommen

Nistplatz: Nest auf Sandstränden, in Dünen, Kiesboden

 

Gelege: (1) 3-4(5-7) Eier.

Eier: Die Eier des Austernfischers sind lang-oval mit heller bis olivbrauner Grundfarbe und braunschwarzer oder rotbrauner oder schwarzer geschnörkelter Zeichnung.

Nachgelege: häufig Ersatzgelege bei Gelegeverlust

Legeabstand: mindestens 24 Stunden, oftmals 36-48 Stunden

Brutbeginn: überwiegend mit Ablage des letzten Ei, teilweise auch früher.

Brutdauer: 24-27 Tage, beide Altvögel brüten, bei der Brutablösung bringt der wechselnde Partner regelmäßig neues Nestmaterial mit.  

 

Schlüpfen: meistens synchrones Schlüpfen der Jungen an einem Tag.  

 

Nestlingsdauer: Austernfischer sind Nestflüchter; die Jungen der Austernfischer verlassen das Nest meistens innerhalb der ersten 6-6 Stunden, halten sich allerdings noch 2-3 Tage in Nestnähe auf und werden noch bis zu 4 Wochen gehudert. Die Altvögel führen die Jungen meistens in separate Nahrungsreviere bzw. in das Watt. Junge Austernfischer werden fünf bis sechs Wochen gefüttert, danach nimmt die Fütterung durch die Altvögel ab, wobei die Fütterungsperiode vom Nahrungsangebot abhängig ist.

 

Flügge: Austernfischer unternehmen ihre ersten Flugversuche im Alter von 28-31 Tagen und werden mit 32-35 Tagen flugfähig. Mit dem Flüggewerden löst sich meistens die Familie auf.

 

Nahrung: Zur Nahrung der Austernfischer zählen an der Küste Mollusken, Muscheln, Schnecken und Krebse, Regenwürmer (im Binnenland), Ringelwürmer und Stachelhäuter. Bei Insekten werden überwiegend Larven gefressen. Im Sommer beträgt die Nahrungsaufnahme 23-36 g Trockengewicht Muschelfleisch.

 

Nahrungsaufnahme: Die Nahrung wird durch Stochern mit dem langen Schnabel aus dem Boden geholt, wobei der Austernfischer den Boden mit leicht geöffnetem und schräg in den Sand gesteckten Schnabel durchpflügt. Durch den sehr spitzen Schnabel kann der Austernfischer auch Muscheln öffnen.

 

Lebensdauer: Die durchschnittliche Lebenserwartung der Austernfischer liegt bei 14 Jahren, die ältesten Ringfunde hatten ein Alter von 35 Jahren und 11 Monaten, weitere Ringfunde bestätigten ein Lebensalter zwischen 28-30 Jahren.

 

Mortalität: bis zur Geschlechtsreife liegt die Mortalität bei Austernfischern bei 714-80%.

 

Feinde: Mensch, Greife, Möwen

 

Jagdbar: Nein

Jagdzeit: Nein