Der Bartgeier (Gypaetus barbatus)

 

 

 

Der Bartgeier ist in Europa ein seltener Brutvogel. Seine Hauptverbreitungsgebiete liegen in Portugal und Spanien, in den Pyrenäen, im Alpenraum, teilweise im Balkan und in der Türkei. Die Wiederansiedlung des Bartgeiers im Alpenraum gelang dank eines Wiederansiedlungsprogrammes, das in Österreich im Jahr 1986 seinen Anfang nahm, wo im Nationalpark Hohe Tauern die ersten Vögel wieder ausgewildert wurden. Danach wurden Bartgeier auch in der Schweiz und in den französischen Pyrenäen ausgewildert.

 

 

 

 

Steckbrief: Bartgeier

 

Brutzeit – Gelege – Größe – Gewicht – Nahrung – Biotop – Alter

 

Systematische Einordnung:

Ordnung: Greifvögel (Accipitriformes)

Familie: Habichtverwandte (Accipitridae)

Gattung: Bartgeier (Gypaetus)

Art: Bartgeier

 

Beschreibung:

Wissenschaftlicher Name: Gypaetus barbatus

Artname in Englisch: Bearded Vulture

Artname in Französisch: Gypaète barbu

Artname in Niederländisch: Lammergier

Artname in Finnisch: Partakorppikotka

Artname in Dänisch: Lammergib

Artname in Schwedisch: Lammgam

Artname in Polnisch: Orlosęp

Artname in Russisch: Krassny korschun

 

Vorkommen / Verbreitung: Der Bartgeier ist über großes Areal verbreitet, welches Europa, Nordafrika sowie Vorderasien und Zentral-Asien umfasst. In Nordafrika siedelt der Bartgeier in den Gebirgsgegenden von Marokko und Algerien und in Ägypten; in Europa siedelt der Bartgeier in Süd-Spanien, den Pyrenäen, im Alpenraum, auf Korsika, in Griechenland und der Türkei. In Vorderasien finden wir Brutpopulationen des Bartgeiers in Israel, im Südwesten der arabischen Halbinsel. In Zentralasien brütet der Bartgeier überwiegend im Himalaya. Eine Unterart des Bartgeiers brütet in Ost- und Südafrika.

 

Wanderungen: In seinen Brutarealen ist der Bartgeier Standvogel. Junge Bartgeier gehen auf Zerstreuungswanderungen. Bei Verknappung von Aas kann es zu Ausweichbewegungen kommen. Besonders die in den Alpen wiedereingebürgerten Bartgeier tendieren zu Streifwanderungen auch weit außerhalb des Brutareals.

 

Lebensraum – Biotop: Der Bartgeier ist in gebirgigen und schluchtenreichen Gebieten zu finden, insbesondere im Hochgebirge und dort bis in die alpine Stufe. Ein entsprechendes Angebot an Säugetieren ist notwendig (z.B. Schafe).

 

Verhalten Der Bartgeier ist nicht auf gutes Wetter und somit auf gute Thermik angewiesen und beginnt seine Suchflüge daher schon früh am Morgen und fliegt auch bei schlechtem Wetter. Übernachtungsplätze werden immer an geschützten Orten eingenommen. Sehr guter Gleitflieger. Im Ruderflug werden die Flügel kräftig und tief durchgeschlagen. Im Gleitflug werden die Flügel gesenkt gehalten, mit aufgebogenen Handschwingen. Der Suchflug führt meist dicht an Felswänden entlang, allerdings wird auch dicht über dem Boden suchend geflogen. Der Bartgeier ist in der Lage, im Sturzflug anzugreifen und kann damit, in Felswänden, Beutetiere zum Absturz bringen. Kann auch Menschen angreifen. Spezialist im Verarbeiten von Knochen.

 

Der Bartgeier gehört zu den Abfallsammlern, diese sind nicht so stark von der Thermik abhängig wie die größeren Mönchsgeier und Gänsegeier. Seine täglichen Suchflüge beginnt der Bartgeier daher schon kurz nach Sonnenaufgang. Im Sommer sind z.B. mazedonische Bartgeier 12-14 Stunden unterwegs, während es im Winter nur noch 5-9 Stunden sind.

 

Kennzeichen Im Flugbild fallen die langen und spitzen Flügel auf, sowie der lange Schwanz, der ab der Mitte spitz zuläuft. Dieses Flugbild ist wegen seiner ausgeprägten Charakteristik sofort wiederzuerkennen (!!!).

 

Adultes Kleid: Heller Kopf mit schwarzem Bart und Augenstreif. Körperunterseite ist weißlich bis rostrot. Oberseite, Schwanz und Flügelunterseite braunschwarz.

 

Juveniles Kleid: Der juvenile Bartgeier ist einheitlich dunkel, der immature zeigt eine aufgehellte Unterseite, schwarzen Kopf, wobei auf der Oberseite der Rücken und die Flügeldecken teilweise aufgehellt sind. Die Ausfärbung in das adulte Kleid findet im 4-5. Lebensjahr statt.

 

Schnabel: dunkelgrau; Schnabelspitze und Schnabelbasis sind gelblich.

Wachshaut: hellgrau und mit schwarzen Borstenfedern bedeckt.

 

Füße: ad. = blaugrau.

 

Iris: ad. = zwischen gelbbraun und schwefelgelb mit leuchtend rotem Scleralring; Lidring = rot; juv. = braun.

 

Größe: 100-115 cm

Gewicht:

4500-7100 g

Spannweite: 250-282 cm

Flügellänge:

♂: 72,5-86,0 cm

♀: 71,5-87,5 cm

 

Stimme - Ruf: Nicht besonders ruffreudig. Rufe klingen ähnlich „pie“, dazu kommen Erregungslaute als pfeifendes „fiiij“.

 

Geschlechtsreife: Beim Bartgeier tritt die Geschlechtsreife zwischen dem 6. und 8. Lebensjahr ein.

Paarungszeit: monogame Dauerverbindung. Die Partner finden schon vor Erreichen der Brutreife zusammen. Balz findet ab Ende November statt.

 

Bruten1 Jahresbrut

Eiablage: In den Pyrenäen beginnt die Eiablage zwischen dem 11. Dezember und dem 12. Februar; im Mittel erfolgt die Eiablage um den 6. Januar. In den Alpen erfolgt die Eiablage zwischen Ende Januar und Anfang Februar.

Brutzeit: abhängig vom Brutareal. In Mitteleuropa zwischen Ende Januar und bis Mitte April.

 

Nest: Das Nest besteht aus Ästen und Zweigen, in diese Nestkonstruktion werden auch Fellstücke und Wolle eingebaut, die aus der Umgebung aufgesammelt wurden.

Neststandort - Brutrevier: Das Nest wird in Felswänden und teilweise auch in Halbhöhlen gebaut, die vor Schlechtwetter geschützt sind.

 

Ei des Bartgeier - Attribution: Von Didier Descouens - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17082101 - siehe Bildnachweise
Ei des Bartgeier - Attribution: Von Didier Descouens - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17082101 - siehe Bildnachweise

Gelege: Das Gelege besteht beim Bartgeier meistens aus zwei Eiern. Das zuerst gelegte Ei ist immer größer und stärker pigmentiert.

Eier: Breitovale Eier mit gelblicher Schale, die überwiegend braun bis rotbraun gefleckt sind.

Nachgelege: ??.

 

Legeabstand: 4-6 Tage.

Brutbeginn: Nach Ablage des ersten Ei.

Brutdauer: 52-56 Tage, es brüten beide Altvögel

Schlüpfen: Die Jungen schlüpfen im Abstand des Legeintervals.

 

Nestlingsdauer - Führungszeit: bedunte Nesthocker. Das erste Junge wird von Anbeginn an mit Fleisch gefüttert und entwickelt sich daher schon früh entsprechend gut. Das zweite Junge wird meistens vom älteren Geschwister totgebissen und dann verfüttert. Der Junggeier verlässt den Horst nach 103-133 Tagen; im Mittel nach 123 Tagen.

 

Flügge: Das Ausfliegen der Jungen findet zwischen Ende Mai und Ende Juli statt und ist spätestens im September selbständig. Teilweise halten sich die jungen Bartgeier noch eine Weile im Revier der Altvögel auf, ohne vertrieben zu werden.

 


 

Nahrung: Knochen und Fleisch von frisch verendeten Säugetieren, Schildkröten und Vögeln; alte Knochen, Abfälle und Aas. Der Bartgeier ist in der Lage sogar große Knochenstücke zu verdauen. Kot mit hohem Knochenanteil ist trocken und ähnelt dem Gewölle von Greifvögeln.

 

Lebensdauer: als Höchstalter sind bisher 45 Jahre bekannt, die in der Gefangenschaft erreicht werden können (Vogel aus dem Zuchtprogramm des Wiener Zoos).

 

Mortalität - Sterblichkeit: In den ersten vier Lebensjahren wurde bei Bartgeiern in Südafrika eine Überlebensrate von nur 13% ermittelt. Danach beträgt die Überlebensrate bei den adulten Bartgeiern 94% pro Jahr.

 

Feinde und Gefährdungen: .

 

Jagdbares Wild: Nein

Jagdzeit: Nein, Naturschutz

 

 

 

Quellennachweise

 

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 1+2, Sonderausgabe 2012, Aula Verlag, Wiebelsheim

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 3, Literatur und Anhang, Aula Verlag Wiebelsheim, 2. vollständig überarbeitete Auflage 1993

Baumgart, Wolfgang, Europas Geier, Flugriesen im Aufwind, AULA-Verlag Wiebelsheim, 2001

Bezzel, Einhard, Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Non-Passeriformes, Band 1, AULA-Verlag Wiesbaden, 1985

Bruun/Singer/König/Der Kosmos Vogelführer, Franck'sche Verlagshandlung Stuttgart, 5. Auflage 1982

Glutz von Blotzheim, Urs et. al (HG), Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 4, Falconiformes, AULA-Verlag Wiesbaden, 2. durchgesehene Auflage 1989

Mebs, Theodor et. al, Die Greifvögel Europas, Franck-Kosmos Verlags GmbH, 2. Auflage 2014

Svenson, Lars et. al, Der Kosmos Vogelführer, Franck-Kosmos Verlag GmbH & Co. KG, Stuttgart, 2. Auflage 2011

 

 

Bildnachweise

 

Ei des Bartgeier: Attribution: Von Didier Descouens - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17082101; Muséum de Toulouse, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons; File URL: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/30/Gypa%C3%A8te_barbu_MHNT.jpg; Page URL: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gypa%C3%A8te_barbu_MHNT.jpg

 

 


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