Der Bruchwasserläufer (Tringa glareola)

 

Was ist ein Bruchwasserläufer?

 

In Mitteleuropa ist der Bruchwasserläufer ein sehr seltener, und nur vereinzelt lokal vorkommender Brutvogel. Als Durchzügler und Rastvogel kann der Bruchwasserläufer in Mitteleuropa beim Wegzug und beim Heimzug beobachtet werden.

 

Das Brutareal des Bruchwasserläufers sind die gemäßigten borealen und subarktischen Tundrenzonen in Eurasien und das Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom Nordsosten Schottlands bis nach Ostsibirien, unter Einschluß der Halbinsel Kamtschatka und der Pribylow-Inseln.

 

 

 

 

Wanderungen und Zugbewegungen des Bruchwasserläufers

 

Die Winterquartiere des Bruchwasserläufers in der westlichen Paläarktis umfassen außerhalb der europäischen Brutareale fast ganz Kontinentaleuropa. Als Nord- bis Nordwestliche Grenze ist eine Linie norwegische Südküste – Großbritannien – französische Atlantikküste – Südost-Spanien – Marokko zu ziehen; während die südliche Grenze von Nordafrika über das Nildelta das südliche Vorderasien, die Türkei und südlich des Schwarzen Meeres bis an das Kaspigebiet heranreicht.

 

In Afrika wird im gesamten Südteil der Sahara überwintert. Wichtige Rastplätze befinden sich in Südeuropa (Nordrand des Mittelmeeres) in der italienischen Po-Ebene und in der Carmargue (Südfrankreich). Der Wegzug in die Winterquartiere erfolgt als Breitfrontzug in Süd-Süd-West und in Südrichtung (bevorzugt) über Mittel- und Westeuropa über das Mittelmeer in die Zielgebiete in Senegal, Mali, Niger und Ghana und beginnt in den Brutgebieten schon ab Juni bis Juli und erreicht sein Ende in der ersten Augustdekade, während die Jungvögel erst ab September abziehen.

 

Durchzügler und Brutvögel erreichen zwischen Oktober und November die Niederlande, Belgien, Südfrankreich, Spanien und Italien und treffen in den westafrikanischen Gebieten ab Dezember bis Januar ein. Frühzieher erreichen das tropische Afrika bereits Ende Juli bis Anfang August, und die ersten Jungvögel (juv.) ab September.

 

Mit dem Heimzug wird ab Ende März bis Anfang April begonnen, der Höhepunkt des Heimzuges wird Anfang bis Mitte Mai erreicht. Bis Ende Mai / Anfang Juni ist der Heimzug abgeschlossen. Mit der Ankunft an den Brutplätzen ist in den südlichen Regionen des Brutareals ab Ende April zu rechnen, im Norden erst ab Ende Mai.

 

 

 

Steckbrief: Bruchwasserläufer

 

Brutzeit - Gelege - Größe - Gewicht - Nahrung - Biotop - Alter

 

Systematische Einordnung:

Ordnung: Schnepfen-, Möwen- und Alkenvögel (Charadriiformes)

Familie: Regenpfeiferverwandte (Charadriidae)

Gattung: Wasserläufer (Tringa)

Art: Bruchwasserläufer

 

Beschreibung:

Wissenschaftlicher Name: Tringa glareola

Artname in Englisch: Little Wood Sandpiper

Artname in Französisch: Chevalier sylvain

Artname in Niederländisch: Bosruiter

Artname in Schwedisch: Grönbena

Artname in Dänisch: Tinksmed

Artname in Polnisch: Leczak

 

Vorkommen / Verbreitung: Der Lebensraum des Bruchwasserläufers sind boreale bis subarktische Tundrenzonen und erstreckt sich auf der eurasischen Landmasse von Nordeuropa (GB) bis nach Ostsibirien einschließlich der Halbinsel Kamtschatka und den Pribylow-Inseln. Das Brutgebiet liegt meist nördlich des 55. Breitengrades. .

 

Die europäischen Brutvorkommen sind in Nordost-Schottland (GB), Dänemark, Norwegen, Fennoskandinavien, Baltikum und der Nordosten Russlands.

 

Wanderungen: Der Bruchwasserläufer ist hauptsächlich ein Langstreckenzieher.

 

Überwinterung: Die Winterquartiere des Bruchwasserläufers in der westlichen Paläarktis umfassen außerhalb der europäischen Brutareale fast ganz Kontinentaleuropa. Als Nord- bis Nordwestliche Grenze ist eine Linie norwegische Südküste – Großbritannien – französische Atlantikküste – Südost-Spanien – Marokko zu ziehen; während die südliche Grenze von Nordafrika über das Nildelta das südliche Vorderasien, die Türkei und südlich des Schwarzen Meeres bis an das Kaspigebiet heranreicht.

 

In Afrika wird im gesamten Südteil der Sahara überwintert. Wichtige Rastplätze befinden sich in Südeuropa (Nordrand des Mittelmeeres) in der italienischen Po-Ebene und in der Carmargue (Südfrankreich). Der Wegzug in die Winterquartiere erfolgt als Breitfrontzug in Süd-Süd-West und in Südrichtung (bevorzugt) über Mittel- und Westeuropa über das Mittelmeer in die Zielgebiete in Senegal, Mali, Niger und Ghana und beginnt in den Brutgebieten schon ab Juni bis Juli und erreicht sein Ende in der ersten Augustdekade, während die Jungvögel erst ab September abziehen.

 

Durchzügler und Brutvögel erreichen zwischen Oktober und November die Niederlande, Belgien, Südfrankreich, Spanien und Italien und treffen in den westafrikanischen Gebieten ab Dezember bis Januar ein. Frühzieher erreichen das tropische Afrika bereits Ende Juli bis Anfang August, und die ersten Jungvögel (juv.) ab September.

 

Mit dem Heimzug wird ab Ende März bis Anfang April begonnen, der Höhepunkt des Heimzuges wird Anfang bis Mitte Mai erreicht. Bis Ende Mai / Anfang Juni ist der Heimzug abgeschlossen. Mit der Ankunft an den Brutplätzen ist in den südlichen Regionen des Brutareals ab Ende April zu rechnen, im Norden erst ab Ende Mai.

Brutvögel aus Osteuropa ziehen offenbar sogar bis nach Kenia.

 

Lebensraum – Biotop: Der Bruchwasserläufer brütet in Taiga und Tundra in Hochmooren mit geringem Baumbestand, offenen Wasserstellen und Sümpfen. Im östlichen Verbreitungsgebiet werden sogar dichte Baumbestände in Wassernähe angenommen. Als Durchzügler auch gerne an Süßgewässern und nahrungsreichen Flachwasserzonen, Schlammflächen, überschwemmten Wiesen, Altflussarmen und dergleichen.

 

Verhalten: Bruchwasserläufer sind tagaktiv und ziehen nachts. Während der Brutzeit territorial, jedoch gesellig auf während des Zuges und im Winterquartier.

 

Kennzeichen: Der Bruchwasserläufer ähnelt in der Gestalt dem Rotschenkel ist jedoch erheblich kleiner, auch der Schnabel ist kürzer. Nächste Vergleichsmöglichkeit ist der Waldwasserläufer, gegen den der Bruchwasserläufer graziler, kleiner und langbeiniger wirkt.

 

Allgemein: Kurzer Schnabel, länger als der Kopf; lange Beine, Beine länger als beim Waldwasserläufer; Beine und Füße in allen Kleidern hell oliv bis fast gelblich. Beine werden beim Flug nach hinten gestreckt, die Füße reichen deutlich über das Schwanzende hinaus. Graubraune Oberseite mit wenig Kontrast zur hellen Unterseite, weißer Bürzel ist im Flug deutlich abgesetzt gegen den dunklen Rücken und den gebänderten Schwanz. Flügelunterseite hell, Flügeloberseite dunkel. Kopfzeichnung: dunkler Zügel und Augenstreif, heller Überaugenstreif und dunkler Scheitel.

 

Kinn, Wangen, Hals und bis auf die Vorderbrust fein gestreift.

 

Brutkleid: Oberseite mit dichter dunkler Fleckung, Kopf und Hals fein gestreift; deutliche Ausprägung des Überaugenstreif.

 

Juvenil: rostbraune Federsäume auf der Oberseite

 

Schnabel: ad. = schwärzlich mit olivfarbener Basis; juv. = grau bis oliv

 

Iris: dunkelbraun

 

Größe: 18,5-23 cm

Gewicht: bis 98 g (Zugvögel)

Spannweite: 35-39 cm

 

Stimme - Ruf: Stimmfühlungslaute am Boden „djib“; beim Auffliegen oder im Flug mehrsilbiges „djib djib djib“.

 

Geschlechtsreife: unbekannt.

Paarungszeit: monogame Saisonverbindung, mögliche Wiederverpaarung durch hohe Brutplatztreue. Die Verpaarung beginnt entweder schon auf der letzten Phase des Heimzuges oder erst nach der Ankunft am Brutplatz.

 

Eiablage: in Mitteleuropa frühestens in den letzten Apriltagen bis Anfang Mai, weiter östlich nicht vor Anfang Juni.

Brutzeit: Ende April bis Ende Juni / Anfang Juli

 

Nest: Bodennest.

Neststandort - Brutrevier: versteckt in der Vegetation, in Fennoskandinavien auch Nutzung von Amselnestern und anderen Singvögeln.

Gelege: (mindestens 3) regelmäßig 4 Eier.

Eier: kreiselförmige Form; Grundfarbe variiert von hellbräunlich bis grünlich, dunkelrote bis rotbraune Fleckung und kleine Farbspritzer.

Nachgelege: unbekannt, aufgrund der nur kurzen Brutperiode eher unwahrscheinlich, insbesondere da die ersten ♀ bereits Ende Juni mit dem Wegzug beginnen.

 

Legeabstand: 24-48 Stunden.

Brutbeginn: mit Ablage des letzten Eies.

Brutdauer: 22-23 Tage, ♂ und ♀ brüten.

Schlüpfen: Alle Jungen des Geleges schlüpfen am gleichen Tag innerhalb weniger Stunden.

 

Nestlingsdauer - Führungszeit: bedunte Nestflüchter; werden anfangs von beiden Altvögeln betreut; das ♂ verlässt die Familie noch vor dem Flüggewerden der Jungen.

Flügge: Junge Bruchwasserläufer sind meistens nach 28-30 Tagen flügge

 

Nahrung: Land- und Süßwasserinsekten, kleine Crustaceen und Süßwassermollusken.

 

Lebensdauer: Der älteste bekannte Ringvogel eines Bruchwasserläufers erreichte ein Alter von 11 Jahren und 7 Monaten.

 

Mortalität - Sterblichkeit: unbekannt, vermutlich aber hohe Sterblichkeit.

 

Feinde und Gefährdungen: Die Hauptursachen des Rückgangs liegen in der Zerstörung der Hochmoore, Torfabbau, Entwässerung und Kultivierung von Moor- und Sumpfgebieten. Somit ist der Mensch indirekt für das Aussterben des Bruchwasserläufers verantwortlich. Die Zerstörung von Flussauen in den Wintergebieten spielen ebenfalls eine große Rolle beim Rückgang der Art.

 

Jagdbares Wild: Nein

Jagdzeit: Nein. Naturschutz

 

 

Quellennachweise

 

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 1+2, Sonderausgabe 2012, Aula Verlag, Wiebelsheim

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 3, Literatur und Anhang, Aula Verlag Wiebelsheim, 2. vollständig überarbeitete Auflage 1993

Bezzel, Einhard, Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Non-Passeriformes, Band 1, Aula Verlag Wiesbaden, 1985

Bruun/Singer/König/Der Kosmos Vogelführer, Franck'sche Verlagshandlung Stuttgart, 5. Auflage 1982

Glutz von Blotzheim, Urs et. al (HG), Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 7, Charadriiformes (2. Teil), Akademische Verlagsgesellschaft, Wiesbaden, 1975

Svenson, Lars et. al, Der Kosmos Vogelführer, Franck-Kosmos Verlag GmbH & Co. KG, Stuttgart, 2. Auflage 2011

 

Bundesamt für Naturschutz: Nationaler Vogelschutzbericht 2019 gemäß Artikel 12 Vogelschutzrichtlinie, Berichtsdaten aus dem Abschnitt Bl...E Durchzügler (pdf download)

 

 


All rights reserved. Content, if not otherwise mentioned, ©Loyal Photography. Images and graphics, if not otherwise mentioned, ©raymond loyal.

No usage of our content without express written consent!