Der Graue Kranich

 

Kraniche gehören zur Familie der Kraniche (Gruidae) und sind große graue, stattliche Vögel mit langen Beinen und einem langen Hals. Den Kranichen ist eine majestätische Erscheinung eigen, die sie in der Bewegung und im Flug zeigen. Kraniche treten gerne in größeren Trupps auf und sind gesellige Vögel. Zu Menschen halten Kraniche jedoch einen großen Abstand.

 

 

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Grauer Kranich auf abgeerntetem Maisfeld
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Grauer Kranich (Grus grus)
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Grauer Kranich auf abgeerntetem Maisfeld
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Juv. Grauer Kranich vor dem Wegzug in die Überwinterungsgebiete

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Kranichfamilie mit einem Jungvogel
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Kraniche auf einem Stoppelfeld
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Adulter Grauer Kranich auf einem Stoppelfeld im Landkreis Diepholz
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Kraniche auf einem Feld. Wenn gerade nicht gefuttert wird, dann ist Gefiederpflege angesagt.
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Kraniche bei der Gefiederpflege. Auch dass wird außerhalb der Brutzeit in der Gruppe erledigt

 

Der Kranich in Europa

 

Der Kranich (Grus grus), auch Grauer Kranich genannt, ist in Europa der einzige Vertreter aus der Familie der Kraniche überhaupt.

 

Grundsätzlich ist der Kranich ein majestätischer Vogel, der den Menschen seit Jahrtausenden fasziniert. Daher wundert es wenig, daß der Kranich seinen Platz in der Mythologie der antiken Völker gefunden hat. So galt der Kranich den Ägyptern als Sonnenvogel.

 

In der griechischen Mythologie war der Kranich den Göttern Apollon und Hermes (der Götterbote) zugeordnet. Außerdem war der Kranich auch das Symbol der Wachsamkeit und Klugheit. Die sprichwörtliche Wachsamkeit leitet schon über zum Verhalten der Vögel: der Kranich ist ein absolut scheuer und sehr wachsamer Vogel. Wer Kraniche beobachtet weiß das, denn die Vögel halten einen hohen Sicherheitsabstand zum Menschen.

 

Dazu ist der Kranich ein Wappentier und gilt in der Heraldik als das Symbol für Vorsicht und schlaflose Wachsamkeit. Das liegt, auch ganz offensichtlich, an der Vorsicht und Umsicht der Kraniche. Der Kranich ist das Wappentier der Deutschen Lufthansa und ist in stilisierter Form auf den Heckflossen aller Flugzeuge der Lufthansa zu sehen.

 

 

Wo brüten Kraniche? Kraniche brüten in aufgelockerten Sumpfwäldern und Feuchtgebieten mit Gewässern, Tümpeln und Gräben.

 

Sind Kraniche gesellig? Außerhalb der Brutzeit versammeln Kraniche sich in großen Flügen auf den Feldern. In Deutschland sind Kraniche zur Zugzeit sehr häufig auf Stoppelfeldern zu finden, wo sie teilweise recht große Trupps bilden. Kraniche stören sich zum Beispiel nicht an anderen Arten, wie z.B. einem Sprung Rehe, daß ebenfalls auf dem Stoppelfeld unterwegs ist.

 

Trompeten Kraniche? Allgemein kann gesagt werden, daß Kraniche ziemlich laut sind. In Gesellschaft stoßen sie trompetenartige Laute aus. Das machen sie auch, wenn Kraniche zum Trupp dazustoßen, diese Ankömmlinge werden dann lauthals begrüßt. Der Ruf der Kraniche klingt ähnlich "kruu". Kraniche rufen auch im Flug.

 

Tanzen Kraniche? Kraniche tanzen tatsächlich, wobei sie auch mit den Flügeln schlagen. Das Tanzen gehört teilweise zur Begrüßung der Artgenossen dazu.

 

Wie scheu sind Kraniche? Kraniche sind allgemein sehr scheu, das gilt zu allen Zeiten, im Brutgeschäft und auch außerhalb der Brutzeit. Der graue Kranich gilt allgemein als sehr scheu und auch sehr wachsam. Ähnlich den Gänsen, gibt es auch bei den Kranichen Tiere, die im Trupp aufpassen, was in der Nähe passiert. Wenn alle Kraniche in einem Trupp die Köpfe heben, gilt das als sicheres Zeichen, daß die Vögel beunruhigt sind. Mit einem Abflug der ganzen Gruppe ist dann auch kurzfristig zu rechnen. Dieses Verhalten ist sehr ähnlich den Gänsen. Eine sichere Entfernung für die Beobachtung des Grauen Kranichs ist eine Entfernung von 200-300 Meter. Diese Entfernung sollte nicht unterschritten werden. 

 

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Grauer Kranich auf abgeerntetem Maisfeld - aufgenommen im November, kurz vor dem Herbstzug in die Überwinterungsgebiete

 

Wann ziehen die Kraniche?

 

Der Zug der Kraniche aus den Winterquartieren in die Brutquartiere erfolgt ab Ende Februar bis Anfang März. Die ersten Vortrupps der Kraniche erreichen die Rastplätze in Mitteleuropa ab Ende Februar, während die Hauptrupps im März an den Rastplätzen eintreffen. Mitteleuropäische Brutpopulationen treffen bis Mitte März ein, während die nordischen Brutpopulationen auch noch später durchziehen.

 

Vor dem Wegzug aus den Sommerquartieren suchen Kraniche regelmäßig Sammelplätze auf, von wo aus der Rückzug gemeinsam in großen Flügen nach Süden angetreten wird. Dabei treffen an den Sammelplätzen ab Juli bis Mitte August zuerst die nicht brütenden "Übersommerer" ein. Der wichtigste Sammelplatz für die nordeuropäischen Kraniche ist der Hornborga See in Südschweden. Etwas später folgen dann die Brutvögel, welche noch ihre Jungvögel begleiten. Die Hauptdurchzugszeit in Mitteleuropa liegt zwischen Oktober und Anfang November. Danach erfolgt der Abzug in mehreren Wellen.

 

Die ersten Zugvögel erreichen den Maghreb ab Mitte bis Ende Oktober.

 

 

grauer kranich grus grus
Kranich marschiert über ein abgeerntetes Feld
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Drei Kraniche auf einem Stoppelfeld
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Drei Kraniche auf einem Stoppelfeld

 

Wo überwintern Kraniche?

 

Allgemein lässt sich feststellen, daß der Graue Kranich zwei große Regionen für die Überwinterung nutzt. Die Brutpopulationen die jenseits des Ural, bis in den Westen Ostsibiriens brüten, ziehen in südliche Winterquartiere in Mittel- und Oberindien sowie im Südchina (Vergleiche S. & B. Karlsson, Der Zug der Kraniche, S. 89, 1974).

 

Bei den europäischen Brutbeständen ist die Situation dagegen viel diffiziler. Das bedeutendste Winterquartier der Kraniche ist im Maghreb und dehnt sich auch bis nach Lybien aus. Die meisten Kraniche gelangen über die Südwest-Route nach Nordafrika, allerdings bleiben auch zunehmend Kraniche bereits in Südfrankreich und in Spanien im Winterquartier. Bedingt durch die milden Winter gibt es auch in Nordwestdeutschland Überwinterer. Weiter im Osten Russlands brütende Kraniche ziehen über die Ostküste des Schwarzen Meeres in Winterquartiere in Vorderasien (Irak, Iran, Türkei) und nach Äthiopien. Brutvögel aus Westsibirien ziehen über die Südostküste des Kaspischen Meeres bis nach Vorderasien und darüber hinaus bis nach Äthiopien.

 

grauer kranich grus grus
Junger Kranich auf Stoppelfeld
grauer kranich flug
Graue Kraniche im Flug

 

Zugwege und Sammelplätze des Grauen Kranichs in Europa

 

Die Wahl des Zugweges, die genutzten Sammelplätze und das Überwinterungsgebiet stehen im Zusammenhang mit der Lage des Brutreviers. Grundsätzlich kann festgestellt werden, dass der Graue Kranich drei große Hauptrouten benutzt. Die beiden Hauptrouten sind die Südwest-Route (oder Westeuropäischer Zugweg) und die Süd-/Südost-Route (oder Baltisch-Ungarischer Zugweg); die dritte Route ist die Ostroute (Osteuropäischer Zugweg).

 

Welche Kraniche nutzen die Südwest-Route? Generell nutzen die Brutpopulationen Skandinaviens (Norwegen und Schweden), aus dem Westen Finnlands, die deutschen Brutpopulationen aus Mitteleuropa (Darß-Zingser-Boddenkette und Rügen), Duvenstedter Brook, aus der Diepholzer Moorniederung aus Polen und dem Baltikum (nur bis zum westlichen Estland), Tcheschische Republik die Südwest-Route.

 

Vorsammelplätze gibt es in Schweden am  Kvismaren See, Takern See und dem größten Sammelplatz, dem Hornborga See (Västergötland). West-Finnische Populationen ziehen über Vaasa im Westen Finnlands und über SüdFinnland nach Schweden. Die Baltischen Brutpopulationen beginnen ihren Zug entlang der Ostseeküste der sie über Rügen und die Darß-Zingser-Boddenkette führt; polnische Brutpopulationen ziehen über das Gebiet Rhin-Havelluch ebenfalls zuerst nach Westen. Die Zugroute folgt in etwa der Linie Ostseeküste und Brandenburg über die Linie Lübeck-Niedersachsen (Diepholzer Moorniederung auch Überwinterung)-Antwerpen-Lille- Rouen- über die Rastplätze und Überwinterungsplätze Lac du Der Chantecoq (FR), Arjuzanx (FR), Laguna de Gallocanta (ES) und Extremadura (ES) bis nach Nordafrika in den Maghreb (Marokko, Algerien, Tunesien und Westsahara).

 

Allerdings ziehen die Nordwestdeutschen Brutpopulationen inzwischen nicht mehr vollständig in den Süden ab, sondern es verbleiben bereits nicht unerhebliche Teile der Brutopulationen zumindest in der Nähe der Brutreviere. Bei weiterhin milden Wintern dürfte dieser Trend sogar noch anhalten. Bei strengen Wintern mit tiefen Kältegraden dürfte dagegen mit einem höheren Kontingent an Wegzüglern zu rechnen sein.

 

Der Südostzug der Kraniche zieht ab Südfinnland über die polnische Westgrenze (wobei der Korridor bis zur Weichsel reicht) über die Ost-Slowakei und über Ost-Ungarn unter Nutzung des Sammelplatzes in Hortobagy danach über den Balkan und über Sizilen nach Tunesien und Algerien auf den Maghreb. Ein Teil der Kraniche schwenkt nach Westen ab, um sich dem Hauptzug nach Südfrankreich und Spanien anzuschließen, während ein weiterer Teil der Kraniche auch über die Slowakei (mehrere kleinere Rastplätze) zieht, in einem westlichen Bogen durch Nordost-Italien, entlang der italienischen Adriaküste, durch Unteritalien wo wieder auf die Hauptzugsroute eingeschwenkt wird, um dann über Sizilien auf den Maghreb zu fliegen.

 

Die Ost-Slowakei queren die Kraniche im September, dieser Zug stoppt abrupt Ende Oktober, Ungarn wird zwischen Ende September und Anfang Novembr passiert, die Ankuft in Tunesien ereignet sich zwischen Anfang September bis Anfang November. Der Heimzug über die Südost-Route beginnt Anfang März.

 

Die Ost-Route der Kraniche ist der Zugweg der Ostfinnischen, sowie der Populationen aus Russland, Weissrussland und der Ukraine. Dieser Zugweg orientiert sich einerseits an der Westküste des Schwarzen Meeres und weiter über Griechenland die Ägäis. Ein weitere Teil des Ostzuges zieht über entlang der Linie Krim-Nordtürkei in Richtung Vorderasien und in das Nildelta bis in den Sudan.

 

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Kraniche im Diepholzer Moor
kranich flug diepholzer moor
Kraniche im Diepholzer Moor
kranich flug diepholzer moor
Kraniche im Diepholzer Moor

 

Den Kranich beobachten

 

Kraniche sind in Deutschland selten. Die Tiere wirken in ihrem ganzen Verhalten sehr majestätisch und bewegen sich mit einer gewissen Grazie. In Deutschland können wir Kraniche während der Zugzeit am Besten zu Gesicht bekommen: Im Frühjahr auf dem Frühjahrszug in die Brutquartiere und im Herbst auf dem Herbstzug in die Winterquartiere.

 

Kraniche brüten in Waldmooren, Sumpfgebieten und Bruchwäldern. Gebrütet wird auf einem Bodennest aus aufgehäuften Pflanzenteilen.

 

Überwinterung in: Mittelmeerraum, z.Teil in Spanien, Portugal und Frankreich, Nordafrika (Maghreb, Äthiopien); östliches Mittelmeer und Schwarzmeergebiet; Irak, Vorderindien, Südchina.

 

Brutgebiete: Nordosteuropa, Ostseestaaten (Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Baltikum, Weißrussland, Russland). 

 

Über einen schmalen Flugkorridor ziehen die Kraniche durch Deutschland und gelangen über die Vorpommersche Boddenlandschaft in die Brutgebiete in Skandinavien, Polen, Baltikum Weißrussland und Russland.  Es bleiben auch kleine Brutpopulationen in Deutschland, z.B. in Pommern oder im Duvenstedter Brook (Hamburg). Das Duvenstedter Brook wird inzwischen auch als Raststation während der Zugzeit genutzt. Seit der Renaturierung der der Diepholzer Moorniederung gibt es auch dort inzwischen Brutvorkommen. 

 

beobachtungsturm rehdener geestmoor
Beobachtungsturm im Rehdener Geestmoor
rehdener geestmoor
Rehdener Geestmoor

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Rehdener Geestmoor
rehdener geestmoor
Beobachtungsturm im Rehdener Geestmoor

 

Beobachtungsmöglichkeiten für den Kranich

 

Gute Beobachtungsmöglichkeiten während der Zugzeiten sind die Diepholzer Moorniederung, dasa Duvenstedter Brook (Hamburg), Groß Mohrdorf, Kargow, Zingst in der Vorpommerschen Boddenlandschaft, die Insel Rügen und auch in Brandenburg im Großraum Angermünde / Schwedt. Dazu kommt noch das Naturschutzgebiet Rhin-Havelluch, nördlich von Berlin zwischen Nauen und Neuruppin gelegen. Die Rastplätze auf Rügen und Ummanz (auch Rügen) zählen zu den größten Rastplätzen in Deutschland wo sich regelmäßig bis zu 70.000 Kraniche versammeln.

 

Ein weiterer großer Sammelplatz für Kraniche ist die Diepholzer Moorniederung im Landkreis Diepholz. In der Diepholzer Moorniederung gibt es mehrere feste Beobachtungspunkte (Aussichtsturm), von denen aus Kraniche ungestört beobachtet werden können:

  • Arkeburger Str. 22, 49424 Goldenstedt - Großes Moor bei Barnstorf loc
  • Moordamm 7-10, 49453 Hemsloh - Rehdener Geestmoor loc
  • Hochmoorweg 10, 49419 Wagenfeld - Neustädter Moor loc
  • Salle, 31066 Wamsen (Uchte) loc
  • Darlaten 55, 31600 Wamsen (Uchte) loc
  • Moor 17, 32351 Oppenwehe - Oppenweher Moor loc
  • Deckertau, 27259 Freistatt - Mittlere Wietingsmoor loc

 

Der Link Maps Location (loc) verbindet mit der externen Seite Google Maps und zeigt die ungefähre Position des Gebietes.

 

Die meisten Beobachtungsmöglichkeiten bieten sich im Rehdener Geestmoor. Tagsüber können Kraniche auf den Stoppelfeldern und auf den Wiesen beobachtet werden. Das Auto ist hierbei auch gleich das mobile Tarnzelt. Steigt nicht aus, sondern beobachtet die Vögel aus dem Fahrzeug heraus. Das gilt auch für Naturfotografen. Da die Tiere sehr scheu sind, liegt die sichere Beobachtungsentfernung bei 300 Metern.

 

Zum Fotografieren eignen sich auch Bridgekameras mit Brennweiten bis 1200 mm, besser sind DSLR oder DSLM mit lichtstarken Festbrennweiten ab 500 mm. Bei Bridgekameras solltet Ihr auf manuellen Modus gehen und den Blitz ausschalten. Bitte überhaupt nicht blitzen, da das die Tiere erschreckt und zum Abflug bewegt. 

 

In den Aussichtstürmen liegt in der Regel auch ein Infoblatt zum Beobachtungsgebiet zum Mitnehmen aus.

 

Der BUND unterhält im Bereich Diepholzer Moorniederung einen mobilen Beobachtungsstand. Dieser Beobachtungsstand steht während der Zugzeit an den jeweils besten Orten für Beobachtungen. Der aktuelle Ort ist der BUND-Mitteilung im Web zu entnehmen. Der Link führt zur externen Seite des BUND.

 

 

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Rehdener Geestmoor
grauer kranich vogel feld
Grauer Kranich am Rande des Rehdener Geestmoores im Landkreis Diepholz
grauer kranich vogel feld
Graue Kraniche auf einem abgeernteten Maisfeld im Spätherbst im Landkreis Diepholz
kraniche diepholzer moorniederung
Kraniche in der Diepholzer Moorniederung
kraniche diepholzer moorniederung
Kraniche in der Diepholzer Moorniederung

 

Regeln für die Kranichbeobachtung

 

Wenn Ihr die Kraniche beim Flug zu den Schlafplätzen beobachten wollt, dann seid mindestens 1 Stunde vor Sonnenuntergang am Beobachtungspunkt. Die Zeit für den Fußweg zum Beobachtungspunkt müsst Ihr in die Zeitplanung einrechnen.

 

  1. Nutzt die festen Beobachtungseinrichtungen, um die Kraniche beim Einflug in die Vorsammelplätze und Schlafplätze zu beobachten.
  2. Ruhe bewahren und warten.
  3. Zur Beobachtung eignen sich lichtstarke Ferngläser 8x56 (Nachtglas) oder auch 10x42 eventuell auch 15x42. Es ist empfehlenswert, ein Spektiv (30x80) zu benutzen; am Besten das Spektiv auf ein Stativ setzen, weil das stabiler ist.
  4. Fotografieren ist nur mit sehr lichtstarken Festbrennweiten möglich, solange die Belichtungszeit eine Aufnahme noch möglich macht. Über ISO 1600 sind die Aufnahmen bereits unbrauchbar. Dann beschränkt Euch lieber auf das Beobachten.
  5. Immer Abstand halten. Die Fluchtdistanz ist sehr hoch. Im Regelfall mindestens 200 bis 300 Meter.
  6. Alle Köpfe hoch bei den Kranichen bedeutet: Die Tiere fühlen sich erheblich gestört. Mit einem Abflug der ganzen Gruppe ist zu rechnen. Also stört die Tiere nicht.
  7. Tagüber Beobachtung aus dem Auto heraus. Dann sind die Kraniche auf den Feldern bei der Nahrungssuche.

 

 

Kranichbeobachtung am Oppenweher Moor

 

kranich oppenweher moor
Kraniche über dem Oppenweher Moor
beobachtungsstand oppenweher moor
Beobachtungsstand am Oppenweher Moor
kranich oppenweher moor
Kraniche über dem Oppenweher Moor

oppenweher moor
Das Oppenweher Moor nach einem Regenschauer
beobachtungsstand oppenweher moor
Beobachtungsstand am Oppenweher Moor

grauer kranich tanz vogel feld
Grauer Kranich beginnt seinen Tanz. Aufgenommen im Gegenlicht eines frühen Morgens im Spätherbst
grauer kranich vogel feld tanz
Der Tanz der Kraniche - aufgenommen im Gegenlicht an einem frühen Morgen im Spätherbst.

 

Der Tanz der Kraniche

 

Können Vögel tanzen? Besser noch, können Kraniche überhaupt tanzen? Tatsächlich können Kraniche tanzen. Das machen sie eigentlich zu jeder Zeit. Der Tanz ist natürlich ein Balzgeschehen und während dieser Zeit zu sehen und wird häufig nach dem Eintreffen im Brutrevier gezeigt. Dabei führen die ♂ einen sogenannten Parade- und Prahlmarsch auf, wobei der Schnabel vom ♂ schräg nach oben gehalten wird. Der Tanz wird aber auch von beiden Geschlechtern ausgeführt. Häufig tanzen die Kraniche zu beinahe jeder Gelegenheit. So tanzen Kraniche auch, wenn sie sich begrüßen. Der Tanz der Kraniche ist also kein reines Balzgeschehen sondern eher ein Ausdruck der Erregung, wobei es zu schnellem Laufen und eben auch dem Hochspringen kommen kann.

 

An den großen Sammelplätzen, an denen sich Kraniche vor dem Herbstzug sammeln, um später gemeinsam in die Winterquartiere zu ziehen, lässt sich dieses Geschehen regelmäßig beobachten. So fangen Kraniche an zu tanzen, wenn ein Trupp auf einem Feld gelandet ist, auf dem bereits Kraniche stehen. Dann kommt es zu diesen Tanzszenen, wobei die Vögel, in aufrechter Haltung, zuerst die Flügel ausstrecken (siehe voriges Bild), um dann mit ausgestreckten Flügeln, wie beim Tanz, zu bewegen. Dabei wird teilweise auch in die Luft gesprungen. Dabei werden teilweise auch die trompetenartige Rufe der Kraniche ausgestoßen. Dieses Schauspiel hat etwas erhabenes an sich und es ist eine reine Freude die Kraniche dabei zu beobachten.

 

 

grauer kranich tanz vogel
Grauer Kranich beim Tanz
grauer kranich tanz vogel
Grauer Kranich beim Tanz
grauer kranich tanz vogel
Grauer Kranich beim Tanz

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Grauer Kranich (Altvogel) mit ausgewachsenem Jungvogel auf einem abgeernteten Maisfeld im Landkreis Diepholz im Spätherbst, vor dem Herbstzug in die Winterquartiere
grauer kranich vogel feld
Juveniler Grauer Kranich kurz vor dem Abflug - Aufnahme im Spätherbst im Landkreis Diepholz

 

Der Graue Kranich - Flügge und was nun?

 

Kraniche legen bis zu drei Eier im Durchschnitt sind es aber zwei Eier, die nach 28 bis 31 ausgebrütet sind. Die jungen schlüpfen in einem Abstand von 1-2 Tagen und sind bedunte Nestflüchter, das sie nach 24 Stunden verlassen. Ein Elternteil führt dann ein Junges, wobei die Familie weiterhin zusammenbleibt. Nach 9 Wochen können die jungen Kraniche schon über kurze Strecken fliegen. Danach wird die Flugfähigkeit regelmäßig besser. Spätestens Anfang Oktober ziehen die jungen Kraniche mit den Eltern in die Winterquartiere.

 

An den Rastplätzen, vor dem endgültigen Wegzug der Kraniche lassen sich die Kranichfamilien noch sehr gut beobachten. Am Himmel lassen sich kleine Gruppen von drei, meistens vier und ganz selten sogar mit fünf Kranichen beobachten, die dann, bei näherer Betrachtung tatsächlich Famlien mit 1-3 Jungen sind.

 

Die Jungen sind tatsächlich noch nicht vollkommen ausgewachsen, sind also kleiner als die Altvögel und zeigen auch eine eigene Gefiederfärbung. So ist die Grundfärbung eher ein bräunliches grau, und auch die Ellenbogenfedern sind noch nicht so groß wie bei den Altvögeln, was dazu führt, daß der Federbusch noch nur angedeutet wird.

 

Der Schnabel ist noch orange-gelblich mit bräunlicher Spitze. Im Unterschied zu den Altvögeln sind Hals, Kopf und Scheitelplatte ein rostbraun.

 

Die jungen Kraniche werden auf dem Zug noch immer von den Altvögeln geführt und betreut. Die Nahrung nehmen sie längst selbst auf, trotten aber willig hinter den Elternvögeln her. Die Familienbande halten noch bis in das Winterquartier und lösen sich dann spätestens vor dem Rückzug in die Sommerquartiere auf.

 

Bei den grauen Kranichen tritt die Geschlechstsreife erst zwischen dem vierten und sechsten Lebensjahr ein. Danach gehen sie eine monogame Dauerehe ein.

 

 

Die Mauser der Kraniche

 

Die erste Jugendmauser der jungen Kraniche ist eine Teilmauser und verläuft zwischen August und Oktober. Danach folgt eine Ruhemauser (auch als Teilmauser) zwischen Dezember und Mai, also noch im ersten Lebensjahr. Die erste Jahresmauser erfolgt im Sommer des zweiten Lebensjahres und ist eine Vollmauser wobei synchron die Schwingen erneuert werden, was zu einer fünf- bis sechswöchigen Flughunfähigkeit führt. Danach durchlaufen die Kraniche alle 2-3 Jahre eine Vollmauser. Im höheren Alter wird die Vollmauser dann nur noch alle 3-4 Jahre durchlaufen.

 

 

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Zwei junge Kraniche folgen den beiden Eltern über ein abgeerntetes Maisfeld. Aufgenommen im Spätherbst vor dem Herbstzug in die Winterquartiere
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Zwei junge Kraniche auf einem Feld bei der Nahrungssuche
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Zwei junge Kraniche mit einem Altvogel auf einem Feld bei der Nahrungssuche - aufgenommen im Landkreis Diepholz

 


 

Artensteckbrief Grauer Kranich

 

Verbreitung Lebensraum Kennzeichen Fortpflanzung Nahrung

 

 

Systematische Einordnung:

Ordnung: Kranichvögel (Gruiformes)

Familie: Kraniche (Gruidae)

Unterfamilie: Echte Kraniche (Gruinae)

Gattung: Graue Kraniche (Grus)

Art: Kranich 

 

Beschreibung

Wissenschaftlicher Name: Grus grus

Artname in Englisch: Common crane

Artname in Französisch: Grue cendree.

 

Vorkommen / Verbreitung: Nordosteuropa, Ostseestaaten (DK, NO, SE, Fl, Baltikum, Weissrussland, Russland.

 

Wanderungen: Überwiegend Sommervogel / Langstreckenzieher aber auch Stand- und Strichvogel. Der Graue Kranich ist ein sogenannter "Schmalfrontzieher", d.h. auf dem Zug in die Winterquartiere und im Frühjahr auf dem Zug in die Sommerquartiere werden nur schmale Korridore für den Zug genutzt.

 

Überwinterung: Mittelmeerraum, z.Teil in Spanien und Frankreich, Nordafrika, östliches Mittelmeer und Schwarzmeergebiet.

  

Lebensraum: aufgelockerte Sumpfwälder mit Gewässern, Tümpeln, Gräben, Kleine Gewässer mit Inseln

 

Außerhalb der Brutzeit ist der Kranich auf Wiesen, Weiden und abgeernteten Feldern (in Norddeutschland meistens abgeerntete Maisfelder) anzutreffen.

 

Verhalten: tagaktiv, Zug durch auch in der Nacht. Der Kranich zeigt einen Ruderflug. Größere Strecken legen die Kraniche meist in großen Flügen zurück wobei Flugformationen in Keilform, als Hufeisen oder auch nur als lange Reihe eingenommen werden.

 

Besondere Eigenschaften: Kraniche tanzen und begrüßen sich mit hoch erhobenem Kopf. Diese Balzrituale werden auch außerhalb der Brutzeit durchgeführt und können auch bei großen Gruppen von Kranichen beobachtet werden. Außerhalb der Brutzeit ist der Kranich sehr gesellig und versammelt sich gern in größeren Flügen von teilweise mehreren hundert Tieren.

 

Der Kranich ist extrem scheu. Die Fluchtdistanz zum Menschen beträgt durchschnittlich ca. 300 m. Gegenüber anderem Wild, wie z.B. Rehen, zeigen die Kraniche überhaupt keine Berührungsängste. Rehe stehen beim Äsen teilweise direkt neben den Kranichen.

 

Kennzeichen: Sichtbar größer als ein Storch. Farbe ist überwiegend grau (Körper und Flügel). Eine Besonderheit sind die sichelartig über den Schwanz herunterhängenden Schirmfedern (innere Armschwingen).

 

Kopf und Hals mit schwarzer Frontpartie, Stirn schwarz, weißer Streifen zieht sich vom Auge seitlich abwärts über den Halsrücken. Der Scheitel ist rot, dahinter beginnt ein kurzer schwarzer Streifen bis an den Hinterkopf.

 

Im Flug werden die langen Beine über den Schwanz hinausgestreckt.

 

Juvenile sind einfarbig grau mit graubraunem Kopf

 

Größe: 96-119 cm; Körper alleine 55-65cm

Gewicht: ca. 6 kg

Spannweite: 180-222 cm

 

Stimme: trompetenartige Rufe, Kraniche sind sehr ruffreudig, besonders in Gesellschaft. Die Rufe sind laut und über weite Entfernung zu hören. Stimme kling so ähnlich wie „krruuu“

 

Geschlechtsreife: drittes bis fünftes Lebensjahr, dann auch erste Brut. Es sind auch Fälle bekannt, wo sich Kraniche schon im zweiten Lebensjahr verpaarten; möglicherweise dann auch schon ein Brutrevier besetzten.

 

Paarungszeit: Kraniche balzen das ganze Jahr über. Das Balzverhalten nimmt allerdings ab März zu; monogam, lebenslange Verbindung

 

Nestbau: April-Mai

Bruten: 1 Jahresbrut

 

Brutzeit/Legezeit: (Anfang März) meist Anfang/Mitte April – Ende Juli (August), 

 

Nest: Bodenbrüter. Das Nest selbst ist der Mittelpunkt des Brutreviers. Zum Nestbau werden die Pflanzen im direkten Umfeld des Nestes verwendet (Radius von ca. 10 m). Als Nistmaterial kommen Schilf, Röhricht, Binsen, Riedgräser etc. zur Verwendung. Entscheidend ist der Bewuchs um den Nistplatz.

 

Nistplatz: Nest am Boden im feuchten, meistsens sumpfigen Gelände. In Deutschland werden bevorzugt Wälder bzw. Waldränder genutzt.  

 

Gelege: 2-(3) Eier. 

 

Nachgelege: möglich bei Gelegeverlust

Eiablage: März-Mitte April

Legeabstand: 2-3 Tage

Brutbeginn: mit Ablage des letzen Ei,

 

Bebrütung: Die Bebrütung ist durch Brutpausen gekennzeichnet. Durchgehend wird zwischen 1,5 bis 4,5 Stunden gebrütet; abhängig von Wetterbedingungen und Temperaturen. Die Altvögel wechseln sich beim Brüten ab. Tägliche Bebrütung über ca. 12 Stunden.

 

Brutdauer: 29-31 Tage, beide Altvögel brüten 

 

Gelegeverluste: in der Regel 20-30%; Ursachen sind meistens fallendes Niveau des Wasserpegels, Räuber wie Fuchs, Marder

 

Nestlingsdauer: bedunter Nestflüchter. Jungvögel können nach 1 Tag sicher stehen und selbständig gehen. Spätestens nach dem zweiten Tag werden die Jungtiere vom Nest weggeführt. Beide Altvögel kümmern sich um die Jungen und füttern auch gemeinsam.

 

Ernährung der Jungvögel: die Altvögel füttern die Jungen anfangs mit Insekten, Larven, Würmer oder Schnecken.

 

Flügge: nach ca. 10 Wochen.

 

Nahrung: Samen, Insekten, Würmer, Kleinsäuger, Nagetiere, Amphibien (Frösche), Kartoffeln, Mais

 

Lebensdauer: Graue Kraniche können ein Alter von über 37 Jahren erreichen. In Gefangeschaft wurden 42 Jahre und 10 Monate festgestellt.

 

Feinde: Fuchs, Sauen, Krähen, Seeadler, Mensch

 

Jagdzeit: Nein. Naturschutz

 

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Grauer Kranich im Herbst im Rehdener Geestmoor (Landkreis Diepholz)
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