Der Grünfik (Carduelis chloris)

 

 

In Mitteleuropa und in Deutschland ist der Grünfink Brutvogel und auch ganzjährig zu sehen. Auffallend ist seine grüne und gelbe Erscheinung, mit der er von uns schnell entdeckt wird. Grünfinken besuchen gerne von Menschen angebotene Fütterungen (auch ganzjärhig) und sind häufige Brutvögel in Gartenanlagen, Innenhöfen und Hinterhöfen mit Grünanlagen, wo dichte Sträucher, Hecken, Bäume und auch dichte Koniferen und Ziersträuche zu finden sind.

 

In Deutschland wird die Brutpopulation des Grünfinken auf 1,45-2,05 Millionen Brutpaare geschätzt. Obwohl der Populationstrend (Bestandstrend) abnehmend ist (-18%) gilt der Grünfink noch als häufig und nicht gefährdet. Der europäische Brutbestand wird auf ca. 14-32 Millionen Brutpaare geschätzt. Die größten Brutpopulationen gibt es in Frankreich, Spanien, Deutschland, Russland und Polen.

 

 

 

gruenfink sitzend
Grünfink
gruenfink sitzend
Grünfink

 

Steckbrief: Grünfink

 

Brutzeit – Alter – Gewicht – Fortpflanzung – Lebensraum – Nahrung

 

Systematische Einordnung:

Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Familie: Finkenvögel (Fringillidae)

Gattung: Stieglitze (Carduelis)

Art: Grünfink

 

Beschreibung:

Wissenschaftlicher Name: Carduelis [chloris] chloris

Artname Englisch: European Greenfinch

Artname Französisch: Verdier d‘Europe

Artname Niederländisch: Groenling

Artname Finnisch: Viherpeippo

Artname Dänisch: Grønirisk

Artname Schwedisch: Grönfink

Artname Polnisch: Dzwoniec

 

Vorkommen / Verbreitung: Der Grünfink ist ein Brutvogel der borealen, gemäßigten, der mediterranen und der West-Paläarktis und der Steppenzonen der Südwest-Paläarktis. Das Verbreitungsgebiet beginnt an den Westküsten des Europäischen Festlandes und erstreckt sich ostwärts zum Ural. Südlich verläuft die Verbreitungsgrenze in Nordafrika entlang der Südgrenze des Maghreb und von dort an die Nordküsten des Mittelmeeres, einschließlich die Küste der Türkei, Syrien und Israels und bis in den Nord-Sinai; weiter östlich bis in den Nord-Iran und den Kaukasus. Isolierte Populationen existieren in Turkestan und in Süd-Kasachstan.

 

Wanderungen: Je nach Brutpopulation ist der Grünfink Standvogel, Teilzieher oder Zugvogel. In Mitteleuropa sind die überwiegende Zahl der Brutpopulationen Standvögel bzw. Nichtzieher, dies betrifft vor allem die Stadtpopulationen, bei ausreichend gutem Futterangebot.

 

Überwinterung: Die Hauptüberwinterungsgebiete liegen überwiegend im Brutareal Kontinentaleuropas und darüber hinaus auf den atlantischen Inseln, Nord-Afrika, südliches Vorderasien und bis an den Nordrand der Arabischen Halbinsel, Persischer Golf, Süd-Ukraine und Iran.

 

Lebensraum - Biotop: Der Grünfink ist ein Brutvogel halboffener, parkähnlicher Landschaften, die mit Baumbeständen, Baumgruppen- und Baumreihen, Feldgehölzen, Gebüschen und Heckenreihen aufgelockert sind. Dazu kommen lichte Mischwälder, Auwälder, Waldränder und Lichtungen, Parkanlagen, Gärten und Alleen. Der Grünfink schließt sich der menschlichen Besiedlung an und ist in Hinterhöfen, Grünanlagen von Wohnanlagen, auf Garagenhöfen mit Grünbepflanzung, zu finden. Grünfinken besuchen die angebotenen Fütterungen und erscheinen dann auch auf Balkonen und Terrassen. Als Kulturfolger erschließt sich der Grünfink auch städtische Wohnbezirke und geht sogar in die Ballungsräume und dort bis in die Innenstädte von Großstädten. Außerhalb der Brutzeit ist der Buchfink auch auf allen Freiflächen mit ausreichendem Nahrungsangebot zu finden, auf Feldern, Wegrändern, Bahndämmen. Im Winter zieht sich der Grünfink in besiedelte Areale zurück.

 

Verhalten: Der Grünfink ist tagaktiv und zieht auch tagsüber. Die Nahrungsaufnahme erfolgt überwiegend am Boden, aber auch auf Zweigen in Sträuchern und Bäumen. Außerhalb der Brutzeit übernachten Grünlinge in Gemeinschaftsschlafplätzen und schließen sich zu geselligen Trupps zusammen. Zur Brutzeit ist der Grünling strikt territorial. Grünfinken besuchen regelmäßig angebotene Futterstellen.

 

Kennzeichen: Im Größenvergleich ähnelt der Grünfink dem Haussperling; der Kopf ist relativ groß und hat einen kräftigen konischen Schnabel. Der Schwanz ist am Ende eingekerbt. Oberseite moosgrün mit überwiegend gelber Handschwinge. Das gelb der Handschwinge ist als gelber Streifen am unteren Rand des zusammengelegten Flügels zu erkennen (beachten!!). Unterseite gelbgrün (wichtig!!). Äußere Schwanzfedern überwiegend gelb mit dunkler Endbinde. Die ♀ sind bräunlicher als die ♂. Juv. Grünfinken ähneln dem ♀ haben aber zusätzlich eine gefleckte Unterseite.

 

Schnabel: hell fleischfarben, Spitze dunkler.

Beine und Füße: hell fleischfarben.

Iris: braun

 

Größe: 15 cm

Gewicht (Brutzeit):

♂: 23-32 g, Ø 27,7 g

♀: 24-37 g, Ø 29,0 g

Spannweite: 24,5-27,5 cm

Flügellänge:

♂: 86-93 mm; Ø 89,8 mm

♀: 83-90 mm; Ø 86,5 mm

 

Stimme und Ruf: Fängt teilweise schon im Januar an zu singen. Gesang von hohen Warten oder im Singflug. Gesang hält bis in den Hochsommer und vereinzelt auch bis in den Herbst an. Lockruf „giek“ oder „djü“; auch „gigigi“ oder nasales „dschwüd“; Aggressionslaut „tsrr“ oder „tschrr“. Gesang ist eine Folge von Trillern und Einflechtung von Tonelementen, die schnell vorgetragen werden, in die Tonfolgen werden „tschui“-Elemente eingefügt.

 

Geschlechtsreife: Grünlinge erreichen die Geschlechtsreife schon im ersten Jahr.

 

Paarung und Paarungszeit: Monogame Saisonverbindung, allerdings kommen durchaus Wiederverpaarungen im Folgejahr vor. Die Paarbildung erfolgt bereits im Winterschwarm.

 

Reviergründung: Die Brutpaare besetzen die Brutquartiere bereits ab Februar bis Anfang März. Bei kurzfristigen Kälteeinbrüchen werden die Brutreviere jedoch wieder aufgegeben. Die Endgültige Besetzung des Brutreviers erfolgt dann ab Ende März bis Anfang Februar.

 

Bruten: In Mitteleuropa 2 Jahresbruten; es sind auch Drittbruten bekannt.

Legebeginn: Der früheste Legebeginn erfolgt ab der ersten Märzhälfte, wobei der Höhepunkt zwischen Mitte/Ende April und Anfang Mai liegt. Auf Friedhöfen wird i.d.R. 5 Tage vor dem Legebeginn in den Städten begonnen.

Brutzeit: erste Märzhälfte bis August, spätestens noch bis Ende September

 

Nest: Das Nest ist ein Geflecht aus trockenen Reisern von Bäumen und Sträuchern aus der Umgebung, sowie aus Halmen von Kräutern und Gräser. Die Nestmulde wird mit feinem Material, Moos, feinen Halmen, Tierhaaren und Federn ausgekleidet.

 

Neststandort: Nester werden in der Deckung von Bäumen und Sträuchern angelegt; im Siedlungsbereich auch in der Deckung von Kletterpflanzen an Mauern, Baumstämmen und Grabsteinen; auch in Blumenkästen auf Balkonen. In Gartenanlagen auch in Koniferen und immergrünen Ziersträuchern. Die Nesthöhe liegt bei 1 – 15 m; mit fortlaufender Brutzeit werden neue Nester an höheren Standorten angelegt.

 

gruenfink beim fressen
Grünfink beim Fressen
gruenfink beim fressen
Grünfink beim Fressen an der Fütterung
gruenfink sitzend
Grünfink sitzt am Boden

gruenfik ei museum wiesbaden common license
Ei des Grünfinken - Attribution: Von Klaus Rassinger und Gerhard Cammerer, Museum Wiesbaden - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35837256 - siehe Bildnachweise

 

Gelege: 3-7 Eier, meistens 5 Eier

Eier: Ovale Eier mit spitzen Enden; Schale weißlich bis blauweiß, Fleckung spärlich rostbraun und violettgrau.

Eimasse und Eigewichte:

Länge: 17,7-22 mm

Breite: 13,6-15,5 mm; Ø: 20,4x14,7 mm

Schalengewicht: 0,088-0,145 g; Ø: 0,118 g

 

Nachgelege: Ersatzgelege sind bei Brutverlust möglich.

Legeabstand: 1 Tag

Brutbeginn: mit Ablage des vorletzten Ei.

Brutdauer: 12-14 Tage, es brütet das ♀ und wird vom ♂ versorgt.

 

Nestlingsdauer: Nesthocker, die noch in den ersten vier Tag gehudert werden, 14-18 Tage

 

Füttern: Es füttern beide Altvögel

 

Flügge: Nach dem Verlassen des Nestes werden die jungen Grünfinken noch bis zu 14 Tage von den Altvögeln betreut.

 

gruenfink sitzend
Grünfink sitzend

 

Nahrung: Überwiegend vegetarische Nahrung; nur während der Brutzeit werden die Nestlinge anfangs überwiegend mit Kleininsekten gefüttert und erst später auch mit aufgeweichten Sämereien. Abhängig von lokalem Angebot und der Jahreszeit verzehren Grünfinken Blatt- und Blütenknospen, Samenanlagen, Fruchtknoten, halbreife und reife Sämereien von Gräsern, Kräutern und Bäumen, sowie weiche und fleischige Früchte. Im Herbst wird gerne auf den fleischlichen Kern von Hagebutten zurückgegriffen.

 

Lebensdauer: Der älteste bekannte Ringvogel eines Grünfinken erreichte ein Alter von 12 Jahren und 7 Monaten. Überwiegend sind Lebensalter >11 Jahren möglich.

 

Mortalität - Sterblichkeit: Im ersten Jahr liegt die Sterblichkeit mindestens bei 50%, und sinkt auch in den Folgejahren nicht weiter ab.

 

Feinde: Prädatoren: Sperber, Elster, Eichelhäher, Dohle, Krähen

 

 

gruenfik sitzend
Grünfink
gruenfink sitzend
Grünfink - mit Ansicht der Oberseite
gruenfink sitzend
Grünfink mit Seitenansicht

 

Quellennachweise

 

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 1+2, Sonderausgabe 2012, Aula Verlag, Wiebelsheim

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 3, Literatur und Anhang, Aula Verlag Wiebelsheim, 2. vollständig überarbeitete Auflage 1993

Bezzel, Einhard, Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeriformes, Band 2, AULA-Verlag Wiesbaden, 1993

Bruun/Singer/König/Der Kosmos Vogelführer, Franck'sche Verlagshandlung Stuttgart, 5. Auflage 1982

Glutz von Blotzheim, Urs et. al (HG), Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 14/II, Passeriformes (5. Teil), 2. Fringillidae, AULA Verlag GmbH Wiesbaden, 1997

Svenson, Lars et. al, Der Kosmos Vogelführer, Franck-Kosmos Verlag GmbH & Co. KG, Stuttgart, 2. Auflage 2011

 

Bundesamt für Naturschutz: Nationaler Vogelschutzbericht 2019 gemäß Artikel 12 Vogelschutzrichtlinie, Berichtsdaten aus dem Abschnitt Gr...Ha Brutvögel + Verbreitungskarten (pdf download)

 

 

Bildnachweise

 

Ei des Grünfiknen - Attribution: Von Klaus Rassinger und Gerhard Cammerer, Museum Wiesbaden - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35837256; File URL: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/16/Carduelis_chloris_MWNH_2347.JPG; Page URL: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Carduelis_chloris_MWNH_2347.JPG

 

 

 


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