Der Kapgeier (Gyps coprotheres)

 

 

Der Kapgeier gehört zu den Altweltgeiern aus der Gattung Gyps. Mit Spannweiten von 228-250 cm und Gewichten von bis zu 9,5 kg gehört er zu den großen Geiern. Adulte Kapgeier haben ein cremefarbenes, hellbraunes Gefieder, Hand und Armschwingen sind dagegen dunkel. 

 

Der Kapgeier ist ein Bewohner des südlichen Afrikas. Auch in Afrika haben Änderungen in der Nutztierhaltung dazu geführt, dass weniger Kadaver verfügbar sind, was einer der Gründe für die Gefährdung des Kapgeiers ist.

 

 

 

kapgeier hedrus istock
Kapgeier kurz vor der Landung (Source Hedrus Agentur iStock)

 

Wie sieht der Kapgeier aus?

 

Der Kapgeier ist ein großer Geier, und nach seinem Aussehen, ein typischer Vertreter der Gattung Gyps. Das bedeutet fünf Elemente sind obligatorisch anzutreffen:

  • lange brettartige Flügel
  • langer Hals, nur spärlich mit Dunen bewachsen,
  • Halskrause am Halsansatz
  • langer Schwanz
  • großer breiter Schnabel

Der Körper ist beim adulten Vogel insgesamt cremefarben hellbraun, inklusive des Bürzels und der Laufbefiederung. Hand- und Armschwingen sind dunkel. Die mittleren und dorsalen Handschwingen haben helle Außenfahnen und die mittleren Handschwingen sind zudem länger, was zu einer Ausbuchtung am Flügelhinterrand führt. Bei geschlossenen Flügeln wird der Schwanz fast vollständig abgedeckt.

Unter- und Oberflügeldecken zeigen die gleiche Gefiederfärbung wie der Korpus. Hals und Kopf sind mit einem leichten Flaum aus Dunen bewachsen. Weißer Federkragen am Halsansatz.

Juvenile Kapgeier zeigen insgesamt eine dunkelbraune Färbung. Die Färbung von Hand- und Armschwingen entspricht dem der Adultvögel. Jedoch sind fast durchgehend alle Außenfahnen heller als die Innenfahnen. Der Federkragen am Halsansatz ist noch mittelbraun und wird mit zunehmenden Alter Heller.

 

 

Steckbrief: Kapgeier

 

Brutzeit – Gelege – Größe – Gewicht – Nahrung – Biotop – Alter

 

Systematische Einordnung:

Ordnung: Greifvögel (Accipitriformes)

Familie: Habichtverwandte (Accipitridae)

Gattung: Gänsegeier (Gyps)

Art: Kapgeier

 

Beschreibung:

Wissenschaftlicher Name: Gyps coprotheres

 

Namen und Synonyme des Kapgeiers

 

Englisch: Cape Vulture

Französisch: Vautour chassefiente

Niederländisch: Kapsegier

Italienisch: Grifone del Capo

Finnisch: Kapinkorppikotka

Schwedisch: Kapgam

Polnisch: Sęp przylądkowy

Russisch: Капский гриф

 

Vorkommen - Wanderungen- Biotop - Verhalten

 

Vorkommen / Verbreitung: Südafrika, vor allem in der Kapregion, Lesotho, Botswana, nördliches Namibia, südliches Zimbabwe

 

Wanderungen: Wahrscheinlich nur Zerstreuungswanderungen der Jungvögel.

 

Lebensraum – Biotop: Cliffs, Gebirge, Grünland, Savannen mit Dornbüschen, Wüsten. Kommt in Höhen von bis zu 3.000 m vor.

 

Verhalten: Kapgeier gehen in Gruppen auf Suchflüge und legen dabei große Distanzen zurück. Am Aas sind sie gesellig mit anderen Geierarten. Mit seinem langen Hals kann der Kapgeier tief in das Innere von großen Kadavern vordringen. Auch wenn Kapgeier am Aas als Gruppe erscheinen, wird innerhalb der Gruppe eine Rangordnung eingehalten, die auch aggressiv verteidigt wird.

 

Nach dem Fressen wird regelmäßig ein Wasserbad genommen, wobei auch die nackten Stellen an Hals und Kopf gereinigt werden. Die Geselligkeit führt zur Gründung von Brutkolonien von bis zu 100 Brutpaaren. Bei den Suchflügen werden vom Horst aus Entfernungen von bis zu 100 km zurückgelegt. Die Junggeier schließen sich außerhalb der Brutkolonien an eigenen Nahrungsplätzen zusammen.

 

Kennzeichen und Stimme

 

Kennzeichen: Großer heller Geier mit dunklen Handschwingen, und hellbraunen Armschwingen. Ober- und Unterflügeldecken sind hellbraun. Unterseite fahlgelblich-weiß; Rücken hell-fahlbraun; Halskrause ist fahlgelblich-weiß. Hals und Kopf sind dünn befiedert. Nackte Haut befindet sich an der Halsvorderseite und den Wangen. Kropfschild ist braun.

 

Schnabel: hellgrün bis hornfarben, mit dunkler Spitze.

Wachshaut: dunkel

 

Läufe: helles blaugrau.

 

Iris: dunkel.

 

Stimme: meistens still, bei Erregung zischende und grunzende Laute, wie auch bei den anderen großen Geiern der Gattung Gyps.

 

Masse und Gewichte

 

Größe: 95-105 cm

Schwanzlänge: 30-35 cm

Gewicht: 7.000-9.500 g

Spannweite: 228-250 cm

Flügellängen: 685-760 mm

 

Fortpflanzung - Brut

 

Geschlechtsreife: wahrscheinlich nicht vor dem 3.-4. Jahr, lebenslange monogame Verbindung.

Paarungszeit: Balz fällt mit dem Horstbau und Horstbezug zusammen, der vor der Eiablage stattfindet.

 

Bruten1 Jahresbrut

Eiablage: ab April

Brutzeit: April bis Juli.

 

Nest: Der Palmgeier baut eine kleine Horstplattform aus Reisig.

Neststandort: Der Palmgeier ist gesellig und daher Koloniebrüter, der überwiegend seine Horste in Felswänden anlegt.

 

ei des kapgeiers didier descouens museum de toulouse common license
Ei des Kapgeiers - Attribution: Von Didier Descouens - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16999451 - siehe Bildnachweise

 

Gelege: 1 Ei

Eier: Elliptisches Ei mit weißer Grundfarbe und rötlich-brauner bis brauner Fleckung.

 

Eimasse und Eigewichte

Länge x Breite: 90,8x68,8 mm

Gewicht: ≈ ??? g

 

Nachgelege: Der Kappengeier zeitigt keine Nachgelege, auch nicht bei frühem Verlust des Eies (Balsac, zitiert in W. Fischer).

 

Brutdauer: ≃ 55 Tage, es brüten beide Altvögel abwechselnd.

 

Nestlingsdauer - Führungszeit: bedunter Nesthocker, der anfangs gehudert wird. Nach 140 Tagen verlässt der junge Kapgeier den Horst.

 

Flügge: wahrscheinlich wird der junge Kappengeier nach dem Ausfliegen noch eine längere Zeit von den Altvögeln betreut.

 

 

Nahrung - Lebensdauer - Mortalität - Gefährdungen

 

Nahrung: Der Kapgeier gehört zu den Kadaververwertern und versorgt sich an großen Kadavern und Aas. Von den Kadavern werden Muskelfleisch wie auch Innereien genommen, selbst Teile von Knochen werden verwertet.

 

Lebensdauer: unbekannt.

 

Mortalität - Sterblichkeit: Junggeier der Gattung Gyps sind in den ersten 2 Monaten noch sehr gefährdet. In dieser Zeit kommen die meisten der ausgeflogenen Individuen um. Wenn der Junggeier die ersten 2 Monate überlebt hat, steigen seine Chancen, die Brutreife zu erreichen. Nur 50% der Junggeier erreichen überhaupt das Ende des ersten Lebensjahres. Nur 8% erreichen noch die Brutreife.

 

Feinde und Gefährdungen: Der Kapgeier ist eine seltene Art. Mehrere Faktoren sind für seine Gefährdung verantwortlich. Einerseits haben Änderungen in der Farmtierhaltung dafür gesorgt, daß nur noch wenige Kadaver zur Verfügung stehen. Andererseits wird der Kapgeier Opfer von Überlandleitungen (Freileitungen), sowie Opfer von Vergiftung und Verfolgung. Traditionelle Heilmethoden beruhen auf der Gabe von Geiergehirn, weswegen die Kapgeier auch getötet werden.

 

 

 

Quellennachweise

 

Brown, Leslie, Die Greifvögel, Ihre Biologie und Ökologie, Paul Parey Verlag Hamburg und Berlin, 1979

Ferguson-Lees, James, Christie, David, Raptors of the World, Houghton Mifflin Company Boston New York, 2001

Ferguson-Lees, James, Christie, David, Raptors of the World, A Field Guide, Christopher Helm London, 2005, reprinted 2019

Fischer, Wolfgang, Die Geier, Die Neue Brehm-Bücherei, A. Ziemsen Verlag Lutherstadt Wittenberg, 1963

Glutz von Blotzheim, Urs et. al (HG), Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 4, Falconiformes, AULA-Verlag Wiesbaden, 2. durchgesehene Auflage 1989

Grzimek, Bernhard et al (HG), Grzimeks Tierleben, Band VII, Vögel 1, Kindler Verlag AG Zürich, 1968

Mebs, Theodor, Die Greifvögel Europas Nordafrikas und Vorderasiens, Franchk-Kosmos Verlags GmbH & Co. KG, 2. Auflage 2014

Weick, Friedhelm, Die Greifvögel der Welt, Verlag Paul Parey Hamburg und Berlin, 1980

 

 

Links

 

Cape Vulture: "Hooded Vulture". www. oiseaux-birds.com retrieved 2021_04_19

 

Bildnachweise

 

Ei des Kapgeiers: Attribution: Von Didier Descouens - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16999451

Kapgeier im Flug - Source: Hedrus Agentur iStock