Der Kappengeier (Necrosyrtes monachus)

 

 

Der Kappengeier ist ein Altweltgeier aus der Gattung Necrosyrtes. Dieser eher kleine Geier gehört in Afrika zu den häufigeren Arten. In zwei Unterarten ist er auf dem afrikanischen Kontinent vertreten.

 

Unterarten und Vorkommen des Kappengeiers

  • Necrosyrtes monachus monachus - Nominatform - Verbreitungsgebiet beginnt südlich der Sahara; im Westen ab Mauretanien, Senegal und Gambis ostwärts bis zum westlichen Sudan. Südliche Grenze ist der Beginn des Urwalds.
  • Necrosyrtes monachus pileatus - Das Verbreitungsgebiet beginnt im Ost-Sudan und erstreckt sich von dort über Äthiopien und Eritrea durch Ostafrika südwärts bis zur Provinz Natal in Südafrika. Nach Westen erstreckt sich das Verbreitungsgebiet von der Provinz Natal in einem schmalen Streifen bis in die Steppen des südlichen Angola.

 

 

kappengeier
Kappengeier - Source: Patrick_Gijsbers/Agentur iStock

 

Steckbrief: Kappengeier

 

Brutzeit – Gelege – Größe – Gewicht – Nahrung – Biotop – Alter

 

Systematische Einordnung - Taxonomie:

Ordnung: Greifvögel (Accipitriformes)

Familie: Habichtverwandte (Accipitridae)

Gattung: Kappengeier (Necrosyrtes)

Art: Kappengeier

 

Beschreibung:

Wissenschaftlicher Name: Necrosyrtes monachus

Artname in Englisch: Hooded Vulture

Artname in Französisch: Néophrone moine

Artname in Niederländisch: Kapgier

Artname in Italienisch: Capovaccaio pileato

Artname in Finnisch: Huppokorppikotka

Artname in Schwedisch: Munkgam

Artname in Polnisch: Sęp brunatny

Artname in Russisch: Бурый стервятник

 

Vorkommen / Verbreitung: Der Kappengeier ist ein Brutvogel Afrikas. Sein Verbreitungsgebiet beginnt an der südlichen Grenze der Sahara. Zwischen dem westafrikanischen Mauretanien, Senegal und Gambia erstreckt sich ostwärts bis in den Westen des Sudan das Verbreitungsgebiet der nördlichen Unterart und wird im Süden durch den Beginn des Urwalds begrenzt. Das Verbreitungsgebiet der östlich-südlichen Unterart beginnt im Ost-Sudan und erstreckt sich über Äthiopien, und Eritrea durch Ostafrika und südlich bis in die Provinz Natal am Oranjefluss (Südafrika). Von Südafrika aus reicht das Verbreitungsgebiet noch westlich bis in die Steppengebiete von Südangola.

 

Wanderungen: Wahrscheinlich nur Zerstreuungswanderungen der Jungvögel.

 

Lebensraum – Biotop: Waldlichtungen, Marschland an der Küste, Lagunen, Savannen, Küstenstädte, Siedlungen in Wäldern. Der Kappengeier kommt in Mittelgebirgen in Höhen von bis zu 1.800 m vor. Bei seinen Suchflügen steigt er in Höhen von 3.000-4.000 m auf.

 

Verhalten: Tritt an Kadavern teilweise in Gruppen von bis zu 50 Individuen auf. Mit seinem Schnabel kann der Kappengeier Fleisch von Knochen lösen, aber auch Haut abziehen. Größeren Geierarten wird generell der Vortritt gelassen. Der Kappengier kann sehr gut rennen und gehen, ist aber nicht in der Lage, lebende Beute zu greifen. Bei Nahrungsmangel wird auch auf Insekten zurückgegriffen. In Städten bedienen sie sich auch an organischem Abfall. Offensichtlich haben Kappengeier keine Scheu und nähern sich Menschen bis auf nächste Nähe. Auf Agrarflächen wurden sie dabei beobachtet, wie sie dem Pflug hinterherliefen, um Larven und Insekten aus dem Boden aufzugreifen.

 

Im Flug hält der Kappengeier seine Flügel waagerecht; anders als die großen Geier ist der viel kleinere Kappengeier sehr fluggewandt. Teilweise sind Kappengeier als erste am Kadaver.

 

Kennzeichen: Kleiner, dunkler Geier. Auffällig ist der mit wollig-flaumartig Federn bedunte Hinterkopf, Nacken und Halsrückseite, was dem Vogel den Namen Kappengeier eintrug. Weißbraune Halskrause an der Halswurzel (ad.). Scheitel, Wangen und Vorderhals sind nackt, mit bläulich-rot bis rötlicher Färbung. Hand- und Armschwingen sind dunkel, mit helleren Flügelober- und Flügelunterdecken. Ober- und Unterseite stark dunkelbraun. Farbe der Innenschenkel ist weiß.

 

Schnabel: hornblau.

Wachshaut: violett

 

Läufe: helles blaugrau.

 

Iris: braun.

 

Größe: 54-66 cm

Schwanzlänge: 21-24 cm

Gewicht: 1.500-2.600 g

Spannweite: 150-180cm

Flügellängen:

nördlicher Kappengeier: 467-500 mm

östlich-südlicher Kappengeier: ♂ 480 mm - ♀510 mm

 

Stimme: meistens still, bei Erregung quietschende oder zwitschernde Laute.

Geschlechtsreife: wahrscheinlich nicht vor dem 3.-4. Jahr, lebenslange monogame Verbindung.

Paarungszeit: Balz fällt mit dem Horstbau und Horstbezug zusammen, der vor der Eiablage stattfindet, je nach geographischer Region unterschiedlich.

 

Bruten1 Jahresbrut

Eiablage: ab Mitte Dezember

Brutzeit: Senegal – Gambia: Dezember bis Februar / März; Uganda bis Kenia: zwischen September bis Juli; Südafrika: zwischen April und Juni.

 

ei des kappengeier didier descouens museum de toulouse common license
Ei des Kappengeiers - Attribution: Von Didier Descouens - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16432210 - siehe Bildnachweise

 

Nest: Kleinere Horstplattform aus Reisig mit enger Mulde, größere Horste werden im Niltal auf Palmen und Akazien gebaut.

Neststandort: Koloniebrüter, der überwiegend seine Horste in Felswänden anlegt. Wo solche fehlen, werden Horste auch auf Bäumen angelegt.

 

Gelege: 1 Ei

Eier: Elliptisches Ei mit rahmfarbener Grundfarbe und rötlich-brauner Fleckung teilweise auch konzentriert an einem Pol des Eies.

 

Eimasse und Eigewichte

Länge x Breite: 74,0x53,0 mm – Ostafrika; 71,9x54,9 mm – Südafrika (100)

Gewicht: ≈ ??? g

 

Nachgelege: Der Kappengeier zeitigt keine Nachgelege, auch nicht bei frühem Verlust des Eies (Balsac, zitiert in W. Fischer).

 

Brutdauer: ≃ 48-54 Tage, es brüten beide Altvögel abwechselnd, wobei das ♂ meistens in den Mittagsstunden brüten soll.

 

Nestlingsdauer - Führungszeit: bedunte Nesthocker, die von beiden Altvögeln gefüttert werden. Nestlingszeit ???. Junge Kappengeier verlassen den Horst schon bevor die Federn vollständig ausgewachsen sind und bevor sie überhaupt fliegen können und wandern dann in Horstnähe herum. Während dieser Zeit nehmen sie bereits alles fressbare auf. An den Küsten suchen sie den Strand nach angespülten Fischen und Krabben ab.

 

Flügge: Der junge Kappengeier wird nach dem Ausfliegen noch weitere 7 Monate von den Altvögeln betreut.

 

 

Nahrung: Reiner Aasverwerter; Aas, Insekten und Knochen.

 

Lebensdauer: unbekannt.

 

Mortalität - Sterblichkeit: unbekannt.

 

Feinde und Gefährdungen: Die Einwohner schützen die Kappengeier, da die Vögel offenbar als notwendig angesehen werden.

 

 

 

Quellennachweise

 

Brown, Leslie, Die Greifvögel, Ihre Biologie und Ökologie, Paul Parey Verlag Hamburg und Berlin, 1979

Cramp, Stanley (HG) et al, Handbook of the birds of Europe the Middle East and North Africa, Volume II Hawks to Bustards, Oxford University Press Oxfort London New York, 1980

Ferguson-Lees, James, Christie, David, Raptors of the World, A Field Guide, Christopher Helm London, 2005, reprinted 2019

Fischer, Wolfgang, Die Geier, Die Neue Brehm-Bücherei, A. Ziemsen Verlag Lutherstadt Wittenberg, 1963

Glutz von Blotzheim, Urs et. al (HG), Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 4, Falconiformes, AULA-Verlag Wiesbaden, 2. durchgesehene Auflage 1989

Grzimek, Bernhard et al (HG), Grzimeks Tierleben, Band VII, Vögel 1, Kindler Verlag AG Zürich, 1968

Mebs, Theodor, Die Greifvögel Europas Nordafrikas und Vorderasiens, Franchk-Kosmos Verlags GmbH & Co. KG, 2. Auflage 2014

Weick, Friedhelm, Die Greifvögel der Welt, Verlag Paul Parey Hamburg und Berlin, 1980

 

Links

 

Hooded Vulture, "Hooded Vulture". www. oiseaux-birds.com retrieved 2021_04_19

 

Bildnachweise

 

Ei des Kappengeiers: Attribution: Von Didier Descouens - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16432210

 

Kappengeier - Source: Patrick_Gijsbers/Agentur iStock