Der Mittelspecht (Dendrocopos medius)

 

 

Der Mittelspecht gehört zu den bunten Spechten der Gattung Dendrocopos. Als solcher ist der Mittelspecht kleiner als der Buntspecht. Seine Brutgebiete finden wir in Lauwäldern, Mischwäldern, Parkanlagen und Obstanbaugebieten.

 

Der europäische Gesamtbestand wird auf ca. 150.000-3150.000 Brutpaare geschätzt, was in etwa 95% des gesamten Weltbestand ausmacht. In Deutschland ist der Mittelspecht mit 34.000-61.000 Brutpaaren vertreten, Tendenz zunehmend.

 

 

 

mittelspecht an bruthoehle
Mittelspecht sitzt vor der Bruthöhle

 

Steckbrief: Mittelspecht

 

Brutzeit – Alter – Gewicht – Fortpflanzung – Lebensraum – Nahrung

 

Systematische Einordnung:

Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Familie: Spechte (Picidae)

Gattung: Buntspechte (Dendrocopus)

Art: Mittelspecht

 

Wissenschaftlicher Name: Dendrocopus medius

 

Namen und Synonyme des Mittelspecht

 

Artname Englisch: Middle Spotted Woodpecker

Artname Französisch: Pic mar

Artname Niederländisch: Middelste Bonte Specht

Artname Spanisch: Pico mediano

Artname Finnisch: Tammitikka

Artname Dänisch: Mellemflagspætte

Artname Schwedisch: Mellanspett

Artname Polnisch: Dzięcioł średni

Artname Dänisch: Mellemflagspætte

 

 

mittelspecht an bruthoehle
Mittelspecht sitzt am Totholz neben dem Einflugloch der Bruthöhle

 

Beschreibung des Mittelspechtes

 

Vorkommen / Verbreitung: Der Mittelspecht ist ein Brutvogel der westpaläarktischen Laubwälder. Sein europäisches Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom spanischen Norden über West-, Mittel- und Südeuropa bis in das Baltikum und nach Russland. Weitere Vorkommen befinden sich an der türkischen Mittelmeer- und Schwarzmeerküste, Vorderasien und bis in den Westen des Iran.

 

Wanderungen: Mittelspechte sind Standvögel, die meistens ganzjährig im Brutrevier anwesend sind. Nomadisierende Wanderungen gehen meistens von Individuen aus den nordöstlichen Arealen aus.

 

Lebensraum - Biotop: Grobborkige Bäume und Totholz sind wichtig für eine Ansiedlung des Mittelspechtes. Siedelt in Laubwäldern mit Eichen, Buchen, Erlen. Im Anschluss an Hochwälder auch in Parks, Villenvierteln, Obstanbaugebieten.

 

Verhalten: Mittelspechte sind tagaktiv. Sehr lebhaft in den Bewegungen. Beim Nahrungserwerb häufig stochernd und klaubend an Baumstämmen zu beobachten. Auch Jagd auf Fluginsekten. Haselnüsse werden vom Boden aufgelesen und Früchte auch am Boden gepflückt. Nüsse werden in Spalten und Rissen eingeklemmt und dann bearbeitet.

 

Kennzeichen: Ähnelt dem Buntspecht, jedoch kleiner. In allen Kleidern roter Oberkopf; ♀ zeigt weniger Rot am Kopf. Unterseite weißlich mit schwärzlicher Längsstrichelung, die allmählich in das Rosa von Bauch und Unterschwanzdecken übergeht. Kleine weiße Schulterflecken, schwarzer Rücken. Nacken schwarz, weiße Wangen.

 

Schnabel: bleigrau mit gelblicher Basis.

Beine und Füße: bleigrau mit gelben Sohlen.

Iris: ad. = rotbraun bis rot; juv. = bräunlich

 

Größe: 20-22 cm

Gewicht :

♂: 53-85 g, Ø 59,2 g

♀: 50-80 g, Ø 58,8 g

Spannweite: 33-34 cm

Flügellänge:

♂: 12,4-13,8 mm; Ø 12,9 mm

♀: 12,1-13,7 mm; Ø 12,6 mm

 

mittelspecht an bruthoehle
Mittelspecht im Eingang der Bruthoehle
mittelspecht an bruthoehle
Mittelspecht sitzt vor der Bruthöhle

 

Stimme und Ruf: heisere Balzrufe klingen ähnlich „gäih .. gäih“, ansonsten gickernde Rufreihen. Echtes Trommeln so gut wie nie zu hören, jedoch leises Klopfen auf der Rinde der Bäume.

 

Geschlechtsreife: Beim Mittelspecht setzt die Geschlechtsreife schon im ersten Lebensjahr ein.

 

Paarung und Paarungszeit: Monogame Saisonverbindung. Mittelspechte halten sich meistens durchgängig im Brutrevier auf. Balz- und Revierrufe sind im Frühjahr bis zur Eiablage zu hören; Höhepunkte zwischen März und Ende April.

 

Bruten: 1 Jahresbrut.

Legebeginn: ab Mitte April bis Mai.

Brutzeit: ab Mitte April bis Juni, bei Nachgelegen im Juni bis spätestens August

 

Nest: Nest in Höhlen, Schlupflochdurchmesser 32-45 mm.

 

Neststandort: Stamm- oder Asthöhlen in starken Seitenästen, die sich meistens in bereits geschädigten Bäumen befinden. Auch Höhlen in Tothölzern. Höhe der Höhe meistens zwischen 5 und 10 m, max bis zu 20 m.

 

mittelspecht eier museum wiesbaden common license
Eier des Mittelspechtes - Source: Von Klaus Rassinger und Gerhard Cammerer, Museum Wiesbaden - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38591953

 

Gelege: (mindestens 4-) 5-6 (max. bis zu 8) Eier

Eier: kurzovale Eier mit glänzender, reinweißer Schale, keine Fleckung.

Eimasse und Eigewichte:

Länge: 20,0-28,0 mm

Breite: 16,0-20,9 mm

Ø-Eimass: 22,6x17,9 mm

Schalengewicht: 0,23-0,35 g; Ø: 0,28 g (n=150)

Frischvollgewicht: ca. 4,0 g

 

Nachgelege: Nachgelege werden meistens im Juni gezeitigt; Ersatzgelege bei frühem Brutverlust möglich.

Legeabstand: 1 Tag

 

Brutbeginn: vor oder mit Ablage des letzten Eies.

Brutdauer: 12 Tage (auch 10-14 Tage), es brüten beide Altvögel.

 

Nestlingsdauer: bedunte Nesthocker, die in den ersten 9 Tagen von beiden Altvögeln gehudert werden. Ab 15.-16. Tag wird direkt am Einflugloch gefüttert.

 

Flügge: Nach ca. 22-25 Tagen (mind. 20, max. 29 Tage) fliegen die Jungen aus und werden danach noch weitere 8-14 Tagen von den Altvögeln betreut und gefüttert.

 

mittelspecht in bruthoehle
Mittelspecht in der Bruthöhle

 

Nahrung: Die Nahrung des Mittelspechts besteht fast ausschließlich aus tierischen Bestandteilen. Ab Herbst und durch den Winter hindurch kann vegetarische Nahrung dominieren, jeweils abhängig von der Verfügbarkeit in den einzelnen Jahren.

 

Lebensdauer: Der älteste bekannte Ringvogel eines Mittelspechts erreichte ein Alter von mindestens 8 Jahren.

 

Mortalität - Sterblichkeit: bisher keine Angaben.

 

Feinde und Gefährdungen: Die Hauptgefährdungen des Mittelspechts begründen sich in Eingriffen in die Lebensräume. Dazu zählen z.B. frühere Umtriebszeiten bei Laubbäumen. So beträgt die Umtriebszeit von Buchen (Umtriebsalter = Hiebreife) heutzutage 120-160 Jahre. Mittelspechte besiedeln aber Buchen erst ab einem Alter von >250 Jahren.

 

Weitere Probleme entstehen durch die Entnahme von Totholz aus den Beständen, die Entnahme von Überhältern (Überhälter sind Einzelbäume, die beim Abtrieb von Schlägen stehengelassen werden); Trockenfallen von Hartholzauen (= ehemals feuchte Auwälder trocken aus entweder durch Grundwasserabsenkung oder direkte Entwässerung), fehlende Nachpflanzungen von Eichenbeständen. Auch die Beseitigung von Streuobstwiesen und der Einsatz von Bioziden im Obstanbau vernichtet die Nahrungsgrundlagen des Mittelspechts.

 

 

mittelspecht in bruthoehle
Mittelspecht im Eingang der Bruthöhle

 

Quellennachweise

 

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 1+2, Sonderausgabe 2012, Aula Verlag, Wiebelsheim

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 3, Literatur und Anhang, Aula Verlag Wiebelsheim, 2. vollständig überarbeitete Auflage 1993

Bezzel, Einhard, Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Non-Passeriformes, Band 1, AULA-Verlag Wiesbaden, 1985

Bruun/Singer/König/Der Kosmos Vogelführer, Franck'sche Verlagshandlung Stuttgart, 5. Auflage 1982

Glutz von Blotzheim, Urs et. al (HG), Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 11/I, Passeriformes (2. Teil) Turnidae, AULA Verlag GmbH Wiesbaden, 1988

Svenson, Lars et. al, Der Kosmos Vogelführer, Franck-Kosmos Verlag GmbH & Co. KG, Stuttgart, 2. Auflage 2011

 

Bundesamt für Naturschutz: Nationaler Vogelschutzbericht 2019 gemäß Artikel 12 Vogelschutzrichtlinie, Berichtsdaten aus dem Abschnitt Kr...N Brutvögel, Überwinterer + Verbreitungskarten (pdf download)

 

 

Bildnachweise

 

Eier des Mittelspechts - Source: Von Klaus Rassinger und Gerhard Cammerer, Museum Wiesbaden - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38591953

 

Mittelspechte an der Bruthöhle: alle Bilder ©Raymond Loyal