Der Mönchsgeier (Aegypius monachus)

 

 

Der Mönchsgeier gehört in Europa zu den größten Greifvögel und ist auch die größte und schwerste Geierart. Sein Vorkommen beschränkt sich in Europa auf die Ostalpen, Trockengebiete in Spanien, Südeuropa und Nordafrika. Durch Auswilderungsprojekte ist es nicht nur gelungen, diese Art vor dem Aussterben zu bewahren, sondern auch den Bestand zu stabilisieren.

 

 

 

Steckbrief: Mönchsgeier

 

Brutzeit – Gelege – Größe – Gewicht – Nahrung – Biotop – Alter

 

Systematische Einordnung:

Ordnung: Greifvögel (Accipitriformes)

Familie: Habichtverwandte (Accipitridae)

Gattung: Mönchsgeier (Aegypius)

Art: Mönchsgeier

 

Beschreibung:

Wissenschaftlicher Name: Aegypius monachus

Artname in Englisch: Black Vulture

Artname in Französisch: Vautour moine

Artname in Niederländisch: Monniksgier

Artname in Finnisch: Munkkikorppikotka

Artname in Dänisch: Munkegrib

Artname in Schwedisch: Grågam

Artname in Polnisch: Sęp kasztanowaty

Artname in Russisch: Tschorny Grif

 

Vorkommen / Verbreitung: Als Brutvogel kommt der Mönchsgeier in niederen bis mittelhohen bewaldeten Berglandschaften vor. Die Art ist in der Paläarktis verbreitet. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich, beginnend in Zentral-Spanien über den Balkan, mit Vorkommen auf der Krim, über die Türkei nach Vorderasien und den Kaukasus bis nach Zentral- und Ostasien. In Zentralasien reichen die Vorkommen von Nord-Indien über Tibet bis in die Mongolei und nach Mittel-China.

 

Wanderungen: In seinem Brutareal ist der Mönchsgeier Standvogel. Von den Jungvögeln sind Zerstreuungswanderungen bekannt. Jungvögel verstreichen dabei bis weit außerhalb des ehemaligen Brutgebietes. Ad. Brutvögel verbleiben zwar meistens in der unmittelbaren Nähe der Brutplätze können aber auch bis zu 200 km vom Brutplatz entfernt verstreichen. Zerstreuungswanderungen zwischen April und September führen meistens bis nach Dänemark, Estland und bis an den Ural.

 

Lebensraum – Biotop: Mönchsgeier bevorzugen niedrige bis mittelhohe Gebirge mit Waldbeständen. Horstbäume werden bevorzug in Hanglagen genommen. Für eine dauerhafte Ansiedlung ist ein ausreichendes Angebot an Großtieren notwendig.

 

Verhalten Der Nahrungserwerb wird meistens aus dem Suchflug heraus durchgeführt. Dazu sind Mönchsgeier in ihrem Nahrungsrevier stundenlang im Suchflug unterwegs. An gefundenen Kadavern sammeln sich auch die Geier benachbarter Reviere. Der Mönchsgeier wühlt am Kadaver nicht in den Innereien herum, sondern reißt Fleischstücke aus dem Korpus heraus. Der Mönchsgeier ist nur an Kadavern als Kleingruppe anzutreffen, sonst eher solitär. Meistens ist der Mönchsgeier ein Einzelbrüter, kann sich aber auch mit anderen Paaren zu einer Brutkolonie zusammenschließen, wobei die Nestabstände um die 100 m betragen.

 

Der Mönchsgeier gehört zu den Kadaververwertern. Diese sind stärker von der Thermik abhängig. Zwar beginnt der Mönchsgeier seine Tätigkeit schon sehr früh, ab 7 Uhr, im engeren Horstumfeld; der richtige tägliche Suchflug beginnt allerdings auch erst ab 9 Uhr. Die Nahrungsflüge der Mönchsgeier können täglich 7-11 Stunden dauern.

 

Kennzeichen Etwas größer als der Gänsegeier. Im Flugbild leicht keilförmiger Schwanz. Im Flug werden die Flügel waagerecht gehalten, wobei die Handschwingen leicht nach oben gebogen werden. Unterseite einfarbig dunkel. Dunkle Halskrause. Bei ad. Mönchsgeiern ist der Kopf hell mit leicht bläulichem Schein; bei den immat. ist der Kopf schwarzbraun. Immatures Gefieder dunkler als bei den ad.

 

Schnabel: schwarzbraun.

Wachshaut: blaßviolett auf der Oberseite violett-rosa

 

Füße: ad. = hellgrau.

 

Iris: schwärzlich.

 

Größe: 98-107 cm Ø 34-50 cm

Gewicht: 7000-12500 g

♂ 7,0-11,5 kg g

♀ 7,5-12,5 kg Ø

Spannweite: 250-295 cm

Flügellänge:

♂: 73,5-82,0 cm

♀: 75,0-84,5 cm

 

Stimme - Ruf: Nicht ruffreudig, am Kadaver werden grunzende Laute geäußert.

 

Geschlechtsreife: Die Geschlechtsreife tritt erst zwischen dem 5.-6. Lebensjahr ein.

Paarungszeit: Mönchsgeier schließen sich zu einer monogamen Dauerverbindung zusammen. Die Paarbildung beginnt dagegen schon recht früh ab dem 2. Lebensjahr. Die Balz beginnt im Februar.

 

Bruten1 Jahresbrut

Eiablage: Ab Ende Februar; meistens von März bis Anfang April

Brutzeit: März bis maximal Ende Juni / Anfang Juli

 

Nest: Nest als große Struktur von kräftigen Zweigen. Die Nestmulde wird aus weichem Material aus der Umgebung ausgekleidet, z.B. Wolle und Zweige. Nestdurchmesser 140 – 200 cm, bei einer Höhe von 70-100 cm.

Neststandort - Brutrevier: Das Nest wird auf Bäumen oder auf Felsvorsprüngen gebaut (Felsennester eher selten). Auf Bäumen wird das Nest im Wipfelbereich gebaut.

 

ei des moenchsgeier museum de toulouse common license
Ei des Gänsegeier - Attribution: Muséum de Toulouse, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons - siehe Bildnachweise

 

Gelege: (selten 2) 1 Ei

Eier: Eier sind rundlich oval bis elliptisch, bei weißer Schale, mit rostbrauner Fleckung

Nachgelege: ???.

 

Legeabstand: ???.

Brutbeginn: Nach Ablage des ersten Ei.

Brutdauer: 54 Tage, es brüten beide Altvögel

Schlüpfen: Bei mehreren Eiern schlüpfen die Jungvögel entsprechend des Legeabstands.

 

Nestlingsdauer - Führungszeit: bedunte Nesthocker, die anfangs noch intensiv gehudert werden. Teilweise wird der Horst schon nach 80-90 Tagen verlassen, spätestens nach 110-120 Tagen. Das Junge wird von beiden Altvögeln betreut und gefüttert

 

Flügge: nach 110 bis 120 Tagen ist das Junge flügge. Nach dem Ausfliegen sind die jungen Mönchsgeier noch nicht vollkommen selbständig. Das Junge unternimmt dann erste Flüge in die Umgebung wird aber noch mehrere Wochen von den Altvögeln versorgt und gefüttert.

 

 

Nahrung: Der Mönchsgeier ernährt sich fast vollkommen von Kadavern, die ausreichend vorhanden sein sollten. Wenn dennoch Säugetiere geschlagen werden, handelt es sich immer um kranke und sehr geschwächte Tiere. Schon wegen seiner großen Flügel ist der Mönchsgeier, im krassen Gegensatz zu den Adlern, nicht in der Lage kurzfristige Schwenks im Flug zu vollführen bzw. abrupt in den Sturzflug zu gehen.

 

Lebensdauer: Bei in Gefangenschaft gehaltenen Mönchsgeiern kann ein Alter von bis zu 39 Jahren erreicht werden, soweit die Literatur. Dem Verfasser ist allerdings aus der Greifvogelstation Hellenthal in der Eifel (NRW) ein ein Fall bekannt, wo sich ein Inzwischen 75 Jahre alter Mönchsgeier, als Rentner, bester Gesundheit erfreut (in 2021). Also Hochstapler in Gefangenschaft = 75 Jahre.

 

Mortalität - Sterblichkeit: ???.

 

Feinde und Gefährdungen: Wie bei allen Geierarten stammen die Hauptgefährdungen vom Fehlen ausreichend vorhandener Kadaver und aus der direkten Verfolgung durch den Menschen. Dazu kommen Lebensraumzerstörungen im gesamten Verbreitungsgebiet.

 

Jagdbares Wild: Nein

Jagdzeit: Nein, Naturschutz

 

 

Quellennachweise

 

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 1+2, Sonderausgabe 2012, Aula Verlag, Wiebelsheim

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 3, Literatur und Anhang, Aula Verlag Wiebelsheim, 2. vollständig überarbeitete Auflage 1993

Baumgart, Wolfgang, Europas Geier, Flugriesen im Aufwind, AULA-Verlag Wiebelsheim, 2001

Bezzel, Einhard, Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Non-Passeriformes, Band 1, AULA-Verlag Wiesbaden, 1985

Bruun/Singer/König/Der Kosmos Vogelführer, Franck'sche Verlagshandlung Stuttgart, 5. Auflage 1982

Glutz von Blotzheim, Urs et. al (HG), Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 4, Falconiformes, AULA-Verlag Wiesbaden, 2. durchgesehene Auflage 1989

Mebs, Theodor et. al, Die Greifvögel Europas, Franck-Kosmos Verlags GmbH, 2. Auflage 2014

Svenson, Lars et. al, Der Kosmos Vogelführer, Franck-Kosmos Verlag GmbH & Co. KG, Stuttgart, 2. Auflage 2011

 

 

Bildnachweise

 

Ei des Mönchsgeier; Attribution: Muséum de Toulouse, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons; File URL: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/61/Vautour_moine_MHNT.jpg; Page URL: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Vautour_moine_MHNT.jpg

 


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