Der Ohrengeier (Torgos tracheliotos)

 

 

Der Ohrengeier ist eine stark gefährdete Geierart. Sein westpaläarktisches Vorkommen ist nur noch auf drei Stellen beschränkt:

  • Nordwest-Afrika (Marokko und Maretaunien)
  • Südost-Ägypten
  • Südliches Israel

Außerhalb der Westpaläarktis, im Westen und Süden der Arabischen Halbinsel sowie in weiten Teilen Afrikas soll der Ohrengeier dagegen noch häufiger vorkommen.

 

 

Die Unterarten des Ohrengeiers

 

In seinen Verbreitungsgebieten kommt der Ohrengeier in drei anerkannten Unterarten vor:

  • Torgos tracheliotos tracheliotos - Nominatform großen Teilen Afrikas
  • Torgos t. negevensis - im Süden Israels
  • Torgos t. nubicus - Ägypten, Sudan, Äthiopien und Arabische Halbinsel

 

 

Steckbrief: Ohrengeier

 

Brutzeit – Gelege – Größe – Gewicht – Nahrung – Biotop – Alter

 

Systematische Einordnung:

Ordnung: Greifvögel (Accipitriformes)

Familie: Habichtverwandte (Accipitridae)

Gattung: Schmutzgeier (Neophron)

Art: Ohrengeier

 

Beschreibung:

Wissenschaftlicher Name: Torgos tracheliotos

Artname in Englisch: Lapped-faced Vulture

Artname in Französisch: Vautour oricou

Artname in Niederländisch: Oorgier

Artname in Schwedisch: Afrikansk örongam

Artname in Polnisch: Sep uszaty

Artname in Russisch: Afrikanski uschastnij grif

 

Vorkommen / Verbreitung: Brutvogel der Westpaläarktis. Die Vorkommen des Ohrengeiers sind nur noch vereinzelt und zwar in Nordwest-Afrika (Mauretanien), südliches Ägypten, südliches Israel, Westen und Süden der arabischen Halbinsel.

 

Wanderungen: Standvogel mit Zerstreuungswanderungen der Jungvögel.

 

Lebensraum – Biotop: Steppen- und Wüstengebiete, Gebirge. Für die Brut werden einzeln stehende Bäume benötigt.

 

Verhalten: Sehr dominant gegen andere Geier und Schakale an Kadavern. Nahrungsflüge werden in einem Radius von bis zu 150 km unternommen.

 

Kennzeichen: Sehr großer Geier, ähnlich dem Mönchsgeier. Oberseite dunkelbraun, Kopf weiß und kahl, Unterseite hell mit dunkleren Längstreifen im Brustbereich. Nackter Vorderhals. Mächtiger Schnabel. Im Flug werden die Flügel vollkommen waagerecht gehalten.

 

Schnabel: hornfarben.

 

Lauf und Fuß: grau.

 

Iris: dunkel.

 

Größe: ca. 108 cm, davon 34-38 cm Schwanzlänge

Gewicht: 6800 g

Spannweite: ca. 280 cm

 

Stimme - Ruf: Nicht ruffreudig, eher stumm. Bei Auseinandersetzungen an Kadavern werden zischende, fauchende und grunzende Laute geäußert.

 

Geschlechtsreife: Der Ohrengeier erreicht die Geschlechtsreife frühestens nach 4-5 Jahren.

Paarungszeit: Wahrscheinlich halten die Paare lebenslang zusammen.

 

Bruten1 Jahresbrut

Eiablage: In Nordafrika und Saudi-Arabien zwischen November und Februar, meistens ab Dezember

Brutzeit: ab November bis Mitte März.

 

Nest: Nest als Plattform von Ästen und Zweigen.

Neststandort - Brutrevier: Entweder in der flachen Krone von Bäumen oder an Felshängen.

 

ei des ohrengeiers lizenz roger culos common license
Ei des Ohrengeiers - Attribution: Von Roger Culos - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=84321075 - siehe Bildnachweise

 

Gelege: 1 Ei

Eimasse: 94x70 mm

Eigewicht: 240 g

 

Eier: länglich-oval mit stumpfen Polen, weiße Schale mit sehr dichter hellbrauner Fleckung.

 

Nachgelege: ???.

 

Brutdauer: 54-56 Tage

 

Nestlingsdauer - Führungszeit: bedunte Nesthocker, 122-136 Tage.

 

Flügge: Nach dem Ausfliegen wird der junge Ohrengeier noch weitere 4-5 Monate von den Altvögeln betreut.

 

 

Nahrung: Fleisch, Haut und Knochenteile von Kadavern, gelegentlich auch Termiten und Heuschrecken. Bei einer Mahlzeit kann der Ohrengeier bis zu 1450 g Nahrung aufnehmen.

 

Lebensdauer: Das Höchstalter des Ohrengeiers liegt bei ca. 40 Jahren.

 

Mortalität - Sterblichkeit: Die Sterblichkeit der Jungen beträgt in den ersten drei Monaten nach dem Flüggewerden ca. 17%, für ältere Individuen.

 

Feinde und Gefährdungen: Illegaler Abschuss und Fang. Offenbar ist die hohe Mortalitätsrate durch die niedrige Fortpflanzungsrate nicht mehr auszugleichen.

 

Jagdbares Wild: Nein

Jagdzeit: Nein, Naturschutz

 

 

Quellennachweise

 

Ferguson-Lees, James, Christie, David, Raptors of the World, A Field Guide, Christopher Helm London, 2005, reprinted 2019

Glutz von Blotzheim, Urs et. al (HG), Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 4, Falconiformes, AULA-Verlag Wiesbaden, 2. durchgesehene Auflage 1989

Mebs, Theodor et. al, Die Greifvögel Europas, Franck-Kosmos Verlags GmbH, 2. Auflage 2014

Svenson, Lars et. al, Der Kosmos Vogelführer, Franck-Kosmos Verlag GmbH & Co. KG, Stuttgart, 2. Auflage 2011

 

 

Bildnachweise

 

Ei des Ohrengeiers, Attribution: Von Roger Culos - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=84321075, Museum de Toulouse; File URL: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c7/Torgos_tracheliotus_MHNT.ZOO.2010.11.78.7.jpg; Page URL: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Torgos_tracheliotus_MHNT.ZOO.2010.11.78.7.jpg

 

 


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