Der Ohrentaucher (Podiceps auritus)

 

 

In Deutschland ist der Ohrentaucher ein eher seltener Brutvogel, der eher im Küstenbereich anzutreffen ist. Als Durchzügler und Wintergast ist der Ohrentaucher ebenfalls selten, jedoch gelingt es zwischen September/Oktober und bis in den März schon eher, den Ohrentaucher an der deutschen Nordseeküste zu beobachten.

 

In Europa brüten ca. 6.400 bis 9.200 Brutpaare, wobei der Hauptschwerpunkt der Verbreitung in Fennoskandinavien und Russland liegt, sowie in Mittel-Norwegen. Geringere Brutvorkommen existieren auf Island, in Schottland, sowie im Baltikum.

 

 

 

 

Steckbrief: Ohrentaucher

 

Brutzeit – Gelege – Größe – Gewicht – Nahrung – Biotop – Alter

 

Systematische Einordnung:

Ordnung: Lappentaucher (Podicipedifornes)

Familie: Lappentaucher (Podicipedidae)

Gattung: Lappentaucher (Podiceps)

Art: Ohrentaucher

 

Beschreibung:

Wissenschaftlicher Name: Podiceps auritus

Artname in Englisch: Slavonian Grebe

Artname in Französisch: Grèbe esclavon

Artname in Niederländisch: Kuifduiker

Artname in Finnisch: Mustakurkku-uikku

Artname in Dänisch: Nordisk Lappedykker

Artname in Schwedisch: Svarthakedopping

Artname in Polnisch: Perkoz rogaty

 

Vorkommen / Verbreitung: Der Ohrentaucher ist überwiegend im nördlichen Teil der Nordhalbkugel verbreitet. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Island über Schottland nach Osten bis nach Sibirien und zur Halbinsel Kamtschatka; sowie von Alaska bis nach Neufundland in Kanada.

 

Im Norden Mitteleuropas ist der Ohrentaucher ein seltener Brutvogel. Dennoch gibt es Brutvorkommen in Polen und in Schleswig-Holstein. Weitere Brutvorkommen befinden sich in Fennoskandinavien. In Mitteleuropa kommt der Ohrentaucher vor allem im Küstenbereich vor.

 

Wanderungen: Der Ohrentauchen ist überwiegend Kurzstreckenzieher und teilweise auch Teilzieher. In Mitteleuropa beginnen die Zugbewegungen an der Küste frühestens ab Ende August. Aus dem Binnenland ziehen Ohrentaucher nicht vor September/Oktober ab, wobei der Höhepunkt aller Zugbewegungen im November erreicht wird. Mit dem Heimzug in die Brutreviere wird ab März begonnen und der Heimzug ist bis Ende Mai abgeschlossen. Die Ankunft an den Brutplätzen erfolgt im Mittel in Großbritannien im März, in Süd-Skandinavien im April und in Nord-Skandinavien bis in den Mai.

 

Überwinterung Die Winterquartiere des Ohrentauchers befinden sich an der Atlantikküste Norwegens, im westlichen Teil der Ostsee und reichen von dort bis zu den Küstengewässern von Großbritannien und Irland. Weitere Winterquartiere liegen an der französischen Nordseeküste (Nordwest-Frankreich), im nördlichen Mittelmeer, im Schwarzmeergebiet und im Kaspigebiet.

 

Lebensraum – Biotop Nahrungshaltige Seen und Teiche. Seen in Hochmooren. Zur Zugzeit an Küsten und Binnenseen.

 

Verhalten Ohrentaucher sind tag- und nachtaktiv und schlafen auf dem Wasser. Getaucht wird meist in Flachgewässern allerdings sind auch Tauchtiefen von bis zu 25 m bekannt. Insekten werden meistens von der Wasseroberfläche aufgeschnappt oder im Vorbeifliegen aus der Luft aufgeschnappt. Während der Brutzeit sind Ohrentaucher bis zum Schlüpfen der Jungen territorial. Außerhalb der Brutzeit und im Winterquartier gesellig, neigt zur Bildung von kleinen Trupps.

 

Kennzeichen Der Ohrentaucher ist größer als der Zwergtaucher und kleiner als der Rothalstaucher.

 

Brutkleid: Schwarzer Kopf mit gelbroten Ohrbüscheln (auffällig!!!); braunschwarzer Rücken; Hals und Seiten rotbraun; Unterseite weiß.

 

Schlichtkleid/Ruhekleid: Ähnelt dem Schwarzhalstaucher; aber besonders bei der Kopfzeichnung ist auf schwarz-weiße Gefiederfärbung zu achten: Oberkopf bis auf Augenhöhe schwarz bzw. dunkel, darunter beginnt eine fast reinweiße von Wangen und Kinn. Der Ohrentaucher ist gedrungener als der Rothalstaucher, erkennbar am kürzeren und dickeren Hals. Zwischen Schnabelwurzel und Auge gibt es im dunklen Bereich ein weißes Feld (beachten!!!). Hinterkopf, Nacken und Hals dunkel; Oberseite dunkelbraun; Brust, Flanken und Unterseite sind hell. Im Flug ist der weiße Flügelspiegel gut zu erkennen.

Schnabel: Schnabel blaugrau mit weißlicher Spitze.

 

Füße: blau bis blaugrün, schwarzbrauner Außenseite der Läufe

 

Iris: im Ruhekleid rosa im Brutkleid = rot.

 

Größe: 31-38 cm

Gewicht:

300-470 g Ø 364-449 g

Spannweite: 59-65 cm

Flügellänge:

♂ 13,2-15,9 cm

♀ 13,1-15,3 cm

 

Stimme - Ruf: Der Ohrentaucher ist außerhalb der Brutzeit schweigsam. Als Alarmruf wird ein „kuuhie“ geäußert, auch ein lautes Trillern wird geäußert.

Geschlechtsreife: Die Geschlechtsreife wird beim Ohrentaucher überwiegend im 2. Lebensjahr erreicht, obwohl auch Einjährige schon brüten können (jedoch selten).

Paarungszeit: monogame Saisonverbindung. Die Paarbildung erfolgt meist schon im Winterquartier bzw. im Herbst bis Winter, so daß die Ohrentaucher bereits verpaart im Brutrevier eintreffen.

 

Bruten1 Jahresbrut

Eiablage: Früheste Eiablagen schon ab Ende März, in der Regel ab Mitte April bis Ende Mai/Anfang Juni. Sehr selten können auch noch im September Gelege gezeitigt werden.

Brutzeit: Ende März bis Ende Mitte Juli.

 

Nest: Das Nest besteht aus einem niedrigen Haufen moderiger Wasserpflanzenteile mit einer flachen Mulde. Beide Altvögel bauen am Nest.

Neststandort - Brutrevier: Das Nest wird im seichten Wasser teils offen, aber auch verdeckt durch Halme in der Vegetation angelegt.

Gelege: (selten 1-2-) 3-5 (maximal -7) Eier. Bei größeren Gelegen sind meistens mehrere Weibchen beteiligt. Als Durchschnitt sind 6-9 Eier anzunehmen. Die Eiablage erfolgt bei der Stockente überwiegend innerhalb der ersten vier Stunden nach Sonnenaufgang. Nach jedem Legen sitzt die Ente für Kurze Zeit auf dem Gelege, welches sie dann tagsüber wieder verlässt. Erst ab dem Vollgelege sitzt die Ente fest auf dem Gelege.

Eier: länglich mit weißer Schale. Während der Bebrütung nehmen die Eier langfristig die dunkle Farbe des Nistmaterials an.

Nachgelege: Nachgelege sind möglich.

 

Legeabstand: 1 Tag.

Brutbeginn: Nach Ablage des letzten Ei. Beide Altvögel brüten.

Brutdauer: 22-25 Tage.

Schlüpfen: Die Jungen schlüpfen fast gleichzeitig, aber innerhalb eines Tages.

 

Nestlingsdauer - Führungszeit: bedunte Nestflüchter, die von beiden Altvögeln betreut werden. Anfangs werden die Jungen Ohrentaucher auf dem Rücken der Altvögel transportiert (vgl. z.B. Haubentaucher). Der Nachwuchs der Ohrentaucher wird in sogenannten Kindergärten versammelt und dort von allen Altvögeln gefüttert. Bei Zweitgelegen beteiligen sich die Jungvögel später an der Aufzucht der Jungen.

Flügge: Nach ca. 35-45 Tagen unabhängig, nach ca. 55-60 sind die Jungen flügge.

 

Nahrung: Insekten und deren Larven, Crustaceen und kleine Fische.

 

Tauchzeit: zwischen 30 und 60 Sekunden

Tauchtiefe: Ohrentaucher tauchen überwiegend in Flachgewässern können aber auch bis in Tiefen von 25 m tauchen.

Lebensdauer: nicht bekannt.

 

Mortalität - Sterblichkeit: nicht bekannt.

 

Feinde und Gefährdungen: Rückgang der Biotopqualität, Gewässereutrophierung, intensive Fischwirtschaft, Verbauung von Ufern, Wiederaufforstungen.

 

Jagdbares Wild: Nein

Jagdzeit: Nein, Naturschutz

 

 

 

Quellenangaben

 

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 1, Sonderausgabe 2012, Aula Verlag, Wiebelsheim

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 3, Literatur und Anhang, Aula Verlag Wiebelsheim, 2. vollständig überarbeitete Auflage 1993

Bezzel, Einhard, Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Non-Passeriformes, Band 1, Aula Verlag Wiesbaden, 1985

Bruun/Singer/König, Der Kosmos Vogelführer, Franck'sche Verlagshandlung Stuttgart, 5. Auflage 1982

Glutz von Blotzheim, Urs et. al (HG), Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 1, Gaviiformes - Phoenicopteriformes, Akademische Verlagsgesellschaft, Wiesbaden, 1966

Svenson, Lars et. al, Der Kosmos Vogelführer, Franck-Kosmos Verlag GmbH & Co. KG, Stuttgart, 2. Auflage 2011

 

 

Bundesamt für Naturschutz: Nationaler Vogelschutzbericht 2019 gemäß Artikel 12 Vogelschutzrichtlinie, Berichtsdaten aus dem Abschnitt O...Roh Durchzügler + Wintergäste (pdf download)

 

 


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