Der Raufußbussard (Buteo lagopus)

 

In Europa ist der Rauhfußbussard ist ein Brutvogel der Tundren und Waldtundrengebiete in Skandinavien und Nordrussland. Insgesamt erstreckt sich sein Vorkommen nördlich des 60. Breitengrades der Nordhalbkugel von Skandinavien über Sibirien und Alaska bis in das kanadische Labrador / Neufundland.

 

Dagegen ist der Rauhfußbussard in Mitteleuropa nur Durchzügler und seltener Wintergast. Seine Bestimmung ist recht anspruchsvoll und Verwechslungen mit dem Mäusebussard können leicht vorkommen. Dieser Artikel zeigt die Besonderheiten der Bestimmung und die Unterschiede zum Mäusebussard auf.

 

Der europäische Gesamtbestand des Raufußbussards wird auf 38.000-79.000 Brutpaare geschätzt, wovon allein in Russland 30T-60T Brutpaare leben, in Norwegen 2-5T Brutpaare und nur kleine Vorkommen in Schweden und Finnland (gesamt nur 500-4T Brutpaare).

 

In Mitteleuropa kommt es zu Übersommerungen von Nichtbrütern des Raufußbussards, jedoch hat es bisher keine Brutversuche gegeben.

 

 

 

 

Bestimmung und Kennzeichen des Raufußbussards

 

Generell ist der Raufußbussard dem Mäusebussard in Größe und Gestalt sehr ähnlich, wirkt jedoch etwas größer und hat längere Flügel. Auch wenn die Farbvariationen beim Raufußbussard weit geringer ausfallen als beim Mäusebussard, kann die individuelle Färbung zu Fehlansprachen bei der Bestimmung führen.

 

Allgemein: Heller Kopf und die Oberseite hell gemustert und kontrastreicher als beim Mäusebussard. Wichtig ist die Schwanzfärbung. Die basale (=zum Bürzel hin) Hälfte des Schwanzes ist weiß (wichtig!) und der Schwanz hat ein breite schwarze Endbinde (=Subterminalband) die sich sehr deutlich gegen den weißen Schwanz abhebt. Die Oberschwanzdecken sind dunkelbraun gefleckt. Ausgedehntes dunkles Bauchfeld, jedoch kann bei einzelnen Individuen das Bauchfeld auf die Bauchseiten beschränkt oder sogar ganz fehlen.

 

Die Handschwingen zeigen auf der Oberseite ein ausgedehntes helles Feld. Auf der Flügelunterseite sind die schwarzen Schwingenspitzen deutlich gegen den hellen Unterflügel abgesetzt. Meistens ist ein auffälliger dunkler Bugfleck vorhanden. Adulter Vogel mit heller Kinnpartie, Kropf kann dunkel gezeichnet sein; die Vorderbrust kann heller, Hinterbrust und Flanken können schwarzbraun gezeichnet sein.

 

Juvenil: Jungvögel zeigen eine helle Kehle und Vorderbrust gegen welche die Hinterbrust ± dunkel abgesetzt ist. Der Schwanz ist bereits hell, jedoch ohne die dunkle Endbinde.

 

Schnabel: in allen Kleidern dunkel mit gelber Wachshaut.

 

Lauf und Zehen: in allen Kleidern ist der Lauf vorn und seitlich bis zu den Füßen befiedert. Füße und Zehen sind gelb.

 

Iris: braun

 

 

Bestimmung und Unterschiede: Raufußbussard vs Mäusebussard

 

Durch die enorme Bandbreite in der Gefiederfärbung, vor allem beim Mäusebussard, und in geringerem Umfang auch beim Raufußbussard ist die Bestimmung des Raufußbussards bzw. die Unterscheidung zum Mäusebussard sehr schwierig und kann zu Fehlansprachen führen.

 

Gut zu beobachten ist die Flugweise beim Raufußbussard: Der Flug wirkt insgesamt ruhiger und die Flügelschläge elastischer, es fehlen die schnellen und fast schon steifen Ruderschläge im Flug wie beim Mäusebussard. Im Segelflug sind die Flügel leicht V-förmig angehoben und erinnern dabei eher an Weihen. Im Gleitflug werden die Armflügel leicht angehoben, während die Handschwingen in waagerechter Position gehalten werden, wodurch ein deutlicher Knick im Flügelbug entsteht.

 

Dagegen hält der Mäusebussard im Gleitflug die Flügel waagerecht oder auch die Handschwingen leicht abgesenkt.

 

Ein deutliches Unterscheidungsmerkmal zum Mäusebussard ist der, auch schon beim juvenilen, Raufußbussard fast weiße Schwanz, der beim adulten Vogel noch eine breite schwarze Endbinde zeigt. Selbst ganz helle Mäusebussarde zeigen keinen überwiegend weißen Schwanz, sondern bei den hellen Individuen ist das weiß des Schwanzes bestenfalls auf die Basis der mittleren Steuerfedern beschränkt, dafür sind die Oberschwanzdecken hell bis weißlich.

 

Der Schwanz beim Raufußbussard ist von der Basis bis zur schwarzen Endebinde weißlich bis weiß und die schwarteEndbinde ist sehr deutlich gegen den weißen Federteil abgesetzt. Anders als beim Mäusebussard sind die Oberschwanzdecken dunkelbraun.

 

 

 

Steckbrief: Raufußbussard

 

Brutzeit – Gelege – Größe – Gewicht – Nahrung – Biotop – Alter

 

Systematische Einordnung:

Ordnung: Greifvögel (Accipitriformes)

Familie: Habichtverwandte (Accipitridae)

Gattung: Bussarde (Buteo)

Art: Raufußbussard

 

Beschreibung:

Wissenschaftlicher Name: Buteo lagopus

Artname in Englisch: Rough-legged Buzzard

Artname in Französisch: Buse pattue

Artname in Niederländisch: Ruigpootbuizerd

Artname in Schwedisch: Fjällvråk

Artname in Finnisch: Piekana

Artname in Dänisch: Fjeldvåge

Artname in Polnisch: Myszołów włochaty

 

Vorkommen / Verbreitung: Der Raufußbussard ist ein Brutvogel in den Tundren und Waldtundrengebieten von Skandinavien, Sibirien, Alaska und Nordkanada bis nach Labrador (Ost-Kanada).

 

Die südliche Verbreitungsgrenze endet in Südnorwegen am 59. Breitengrad Nord, in Mittelschweden und Fennoskandinavien bis zum 60. Breitengrad Nord, im mittleren Finnland bis zum 63. Breitengrad Nord, in Russland kommt der Raufußbussard fast nur nördlich des 65. Breitengrad Nord vor.

 

Wanderungen: Der Raufußbussard ist Kurz- und Mittelstreckenzieher. Aus Schweden und Fennoskandinavien ziehen Brutvögel an die britische Ostküste, Niederlande, Belgien und Deutschland sowie nach Norditalien, Österreich, auf den Balkan, Bulgarien und die Nordküste des Schwarzen Meeres. Mit dem Wegzug beginnen Raufußbussarde ab August/September, wobei der Höhepunkt des Durchzuges im Ostseeraum in der zweiten Oktoberhälfte erreicht wird. Der Heimzug beginnt ab Februar und bis April haben fast alle Raufußbussarde Mitteleuropa verlassen. Hohe Treue zum Winterquartier

 

Überwinterung: Die Wintergebiete des Raufußbussards liegen an der Ostküste von Großbritannien, Deutschland, Belgien und Niederlande, Österreich, Italien, auf dem Balkan, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Nordküste des Schwarzen Meeres, Kaukasus, Türkei.

 

Lebensraum – Biotop: Der Raufußbussard ist sehr stark auf offene, weite Landschaft Land fokussiert. Im Winter werden vornehmlich die offene Kulturlandschaft, Niederungswiesen, Moore, Brachflächen und Heiden genutzt. .

 

Verhalten: Teilweise auch dämmerungsaktiv, sonst tagaktiv. Fliegt oft niedrig über dem Boden, sitzt auch gerne auf Erdhügeln, rüttelt erheblich öfter als der Mäusebussard. Während der Brutzeit ausgesprochen territorial. Auf dem Zug Einzelgänger, im Winterquartier dann gesellig und Zusammenschluß zu größeren Trupps möglich. Teilweise auch zu zweit unterwegs.

 

Kennzeichen: Allgemein hat der Raufußbussard einen hellen Kopf und eine hell gemusterte Oberseite die auch kontrastreicher als beim Mäusebussard ist. Wichtig ist die Schwanzfärbung. Die basale (=zum Bürzel hin) Hälfte des Schwanzes ist weiß (wichtig!) und der Schwanz hat ein breite schwarze Endbinde (=Subterminalband) die sich sehr deutlich gegen den weißen Schwanz abhebt. Die Oberschwanzdecken sind dunkelbraun gefleckt. Ausgedehntes dunkles Bauchfeld, jedoch kann bei einzelnen Individuen das Bauchfeld auf die Bauchseiten beschränkt oder sogar ganz fehlen.

 

Die Handschwingen zeigen auf der Oberseite ein ausgedehntes helles Feld. Auf der Flügelunterseite sind die schwarzen Schwingenspitzen deutlich gegen den hellen Unterflügel abgesetzt. Meistens ist ein auffälliger dunkler Bugfleck vorhanden. Adulter Vogel mit heller Kinnpartie, Kropf kann dunkel gezeichnet sein; die Vorderbrust kann heller, Hinterbrust und Flanken können schwarzbraun gezeichnet sein.

 

 

Größe: 50-61 cm

Gewicht:

♂ 600-1377 g Ø 850 g

♀ 783-1660 g Ø 1000 g

Spannweite: 120-150 cm

 

Stimme - Ruf: Im Winter eher stumm. Am Brutplatz und im Winter Rufe ähnlich „piäää“.

 

Geschlechtsreife: Die Geschlechtsreife / Brutreife wird mit 2-3 Jahren erreicht.

Paarungszeit: monogame Saisonverbindung. Balz und Paarbindung findet überwiegend im Winterquartier statt. Die Brutvögel kommen meistens bereits verpaart im Brutrevier an (ab Ende März).

 

Bruten1 Jahresbrut

Eiablage: ab Mitte/Ende Mai bis Juni.

Brutzeit: ab Mitte Mai bis Anfang Juli

 

Nest: Das Nest besteht aus starken Zweigen mit einer tiefen Mulde, welche mit Moos und Gras ausgepolstert wird. Beide Altvögel tragen Material bei und bauen zusammen am Nest.

Neststandort - Brutrevier: Bodennest in der offenen Tundra, auf Felsbändern, in Taiga und Waldtundra auf Bäumen.

Gelege: (mindestens 2) regelmäßig 3-5 (selten -7) Eier. Die Gelegegröße ist vom Nahrungsangebot abhängig. In Lemmingjahren sind Gelege mit bis zu 7 Eiern möglich; in Latenzjahren, nach dem Zusammenbruch der Lemming- und / oder Wühlmauspopulation werden dagegen nur kleine Gelege mit nur 2-3 Eiern gezeitigt.

Eier: Form kurzspindelförmig bis elliptisch, glanzlose weiße Schale; variable Fleckung kastanienrot bis braun.

Nachgelege: keine Ersatzgelege bei Brutverlust.

 

Legeabstand: 48 Stunden bei den ersten 4 Eiern, bei größeren Gelegen dauert vor allem das Legen des letzten Eies länger.

Brutbeginn: mit Ablage des ersten Eies.

Brutdauer: 28-31 Tage, ♀ brütet.

Schlüpfen: Die Jungen schlüpfen entsprechend des Legeintervals.

 

Nestlingsdauer - Führungszeit: bedunte Nesthocker, die vom ♀ anfangs gehudert und gefüttert werden; später bleibt das ♀ in Horstnähe. Erst wenn die Jungen befiedert sind, beginnt das ♀ auch zu jagen. Bei den Jungen entwickeln sich ♂ schneller als ♀ und ♂ verlassen das Nest bereits mit 34-36 Tagen, während ♀ das Nest erst mit 41-43 Tagen verlassen.

Flügge: Voll flugfähig sind ♂ mit 36-39 Tagen und ♀ mit 43-43 Tagen. Danach bleibt der Familienverband noch weitere 20-35 Tage zusammen.

 

Nahrung: Ähnlich dem Mäusebussard stehen vor allem Kleinsäuger auf dem Speiseplan, im Brutgebiet vor allem Lemminge und Wühlmäuse. Im Winterquartier ändert sich das Beutetierspektrum auf Feldmäuse.

 

Lebensdauer: Der älteste bekannte Ringvogel eines Raufußbussards erreichte ein Alter von 17 Jahren und 7 Monaten.

 

Mortalität - Sterblichkeit: bei Jungvögeln liegt die Sterblichkeit bis zum Ausfliegen bei 33%.

 

Feinde und Gefährdungen: Prädatoren im Brutgebiet, illegale Jagd im Winterquartier, Verluste durch Windkraftanlagen.

 

Jagdbares Wild: Ja

Jagdzeit: Ganzjährige Schonzeit

 

 

Quellennachweise

 

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 1+2, Sonderausgabe 2012, Aula Verlag, Wiebelsheim

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 3, Literatur und Anhang, Aula Verlag Wiebelsheim, 2. vollständig überarbeitete Auflage 1993

Bezzel, Einhard, Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Non-Passeriformes, Band 4, Falconiformes Aula Verlag Wiesbaden, 2. durchgesehene Auflage 1989

Bruun/Singer/König/Der Kosmos Vogelführer, Franck'sche Verlagshandlung Stuttgart, 5. Auflage 1982

Glutz von Blotzheim, Urs et. al (HG), Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 4, Falconiformes, Akademische Verlagsgesellschaft, Wiesbaden, 1975

Svenson, Lars et. al, Der Kosmos Vogelführer, Franck-Kosmos Verlag GmbH & Co. KG, Stuttgart, 2. Auflage 2011

 

Bundesamt für Naturschutz: Nationaler Vogelschutzbericht 2019 gemäß Artikel 12 Vogelschutzrichtlinie, Berichtsdaten aus dem Abschnitt O...Roh Überwinterer (pdf download)

 

 


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