Die Schleiereule (Tyto alba)

 

 

 

Die in der Westpaläarktis verbreitete Schleiereule gehört als Eule zur Familie der Schleiereulen und ist in der nördlichen Hemisphähre mit 35 Unterarten vertreten. Da sie extreme Kälte nicht verträgt ist die Schleiereule in Nordeuropa und in der subarktischen Region nicht vertreten. Als echter Kulturfolger des Menschen siedelt sie in direkter Nachbarschaft zum Menschen in Bauernhöfen, Ställen und Scheunen, Kirchtürmen und auch in Lagerhallen.

 

Der Biotop der Schleiereule ist die eher waldarme offene Kulturlandschaft, die von Straßen und Wegen durchzogen ist; mit Verbindung zu Baum-, Hecken- und Strauchreihen, Rainen, Gräben und Kleingewässern.

 

 

 

schleiereule im flug
Schleiereule im Flug

 

Steckbrief: Schleiereule

 

Brutzeit – Gelege – Größe – Gewicht – Nahrung – Biotop – Alter

 

Systematische Einordnung:

Ordnung: Eulen (Strigiformes)

Familie: Schleiereulen (Tytonidae)

Gattung: Schleiereule (Tyto)

Art: Schleiereule

 

Beschreibung:

Wissenschaftlicher Name: Tyto alba

Artname in Englisch: Barn Owl

Artname in Französisch: Effraie des clochers

Artname in Niederländisch: Kerkuil

Artname in Finnisch: Tornipöllö

Artname in Dänisch: Slørugle

Artname in Schwedisch: Tornuggla

Artname in Polnisch: Płomykówka

 

Vorkommen / Verbreitung: In 35 Unterarten ist die Schleiereule holarktisch verbreitet. Die Verbreitung reicht von den borealen Zonen im Norden bis zu den Tropen und Wüstengebieten im Süden.

 

In Mitteleuropa ist die Schleiereule ein Bewohner der eher waldarmen und offenen Kulturlandschaften. Im Grunde ist die Schleiereule ein echter Kulturfolger des Menschen. Der englische Name „“Barn Owl“ zeigt auch ganz deutlich, daß die Schleiereule in und an Bauernhöfen recht häufig anzutreffen ist. Das Verbreitungsgebiet umfasst zwischen Dänemark und dem Alpenraum das gesamte Gebiet in Mitteleuropa, wobei die Schleiereule in den Mittelgebirgen bis auf 600 Höhenmeter vorkommt, im voralpinen Raum auch bis auf 1000 m Höhe.

 

Wanderungen: Im Verbreitungsgebiet sind die Schleiereulen Standvogel können aber auch Teilzieher sein. Auf dem Zug werden jedoch nur Kurzstrecken zurückgelegt (Kurzstreckenzieher).

 

Überwinterung: Brutpopulationen der Schleiereule in der Türkei tendieren zu Winterzügen nach Zypern und auch in den Libanon.

 

Lebensraum – Biotop: In Mitteleuropa siedelt die Schleiereule in offenen Landschaftstypen. Optimal ist eine Kombination von geeigneten Brutplätzen in Gebäuden mit einem nahrungsreichen Jagdgebiet. Brutplätze werden in Gebäuden (z.B. Gehöfte, Ställe, Lagerhäuser), die auch in, Dörfern an Stadträndern und kleineren urbanen Strukturen angelegt werden. Beim Jagdgebiet spielen von Straßen, Fahrstraßen und Feldwegen durchzogene Gelände in Verbindung mit Hecken, Rainen, Gräben und Wassergräben eine große Rolle. Im Sommer sucht die Schleiereule ihre Tageseinstände auch in deckungsreichen Baumgruppen oder Baumreihen (auch in Baumhöhlen). Im Winter benötigt die Schleiereule nicht nur Schutz gegen Kälte sondern auch vor Schnee; dann zieht sich die Schleiereule in Gebäude zurück, z.B. in Scheunen, Speicher und Ställe.

 

Siedlungsdichte: In Mitteleuropa gibt es meistens nur ein Brutpaar pro Dorf, kann aber auch auf bis zu 30 Brutpaare pro 100 km² ansteigen (z.B. in Niedersachsen).

 

Verhalten Die Schleiereule ist nachtaktiv. Lautloser Flug. Der Nahrungserwerb findet statt aus dem Suchflug und auch vom Ansitz aus. Beim Suchflug fliegt die Schleiereule niedrig und legt dabei auch Gleitstrecken ein. Die Schleiereule ist in der Lage, die Beute akustisch zu orten, kann aber auch mit den Augen direkt die Beute orten (Sichtjagd). Gefangene Beute wird nach dem Durchknabbern der darüberliegenden Gewebestruktur, mit dem Schnabel durch Genickbiss getötet. Wenn das bei größeren Beutetieren nicht funktioniert, werden Beutetiere auch so lange geschüttelt, bis das Beutetier tot ist. Bis zur Mausgröße werden Beutetiere sofort verschlungen. Größere Beutetiere werden entweder mit dem Schnabel weggebracht oder an Ort und Stelle gerupft. Während der Brutzeit tendieren Schleiereulen dazu, Nahrungsüberschüsse in Nestnähe zu deponieren.

 

Kennzeichen Heller schlanker Vogel mit auffallend langen Beinen. Keine Federohren, herzförmiger Gesichtsschleier und kleine dunkle Augen. Unterseite variiert von weiß und ungefleckt bis gelbbraun und Tropfenflecken. Niemals Längs- und Querbänderung. Rumpf- und Flügelunterseite hell und ohne Zeichnung.

 

Schnabel: weißrosa, gelblich bis grauweiß

 

Füße: gelbbraun bis braun

Iris: dunkel - schwarzbraun

 

Größe: 33-35 cm

Gewicht:

♂: 187-340 g, Ø 315 g

♀: 310-370 g, Ø 340 g

Spannweite: 85-93 cm

Flügellänge:

♂: 26,0-30,9 cm, Ø 29,5 cm

♀: 26,3-30,7 cm, Ø 29,5 cm

juv ♂.: 29,6 cm

juv ♀.: 26,0 cm

 

Stimme - Ruf: bis zu 2 Sekunden lange Kreischlaute ähnlich „chrüüü“; wird auch im Flug als Revierruf gebracht. Warnruf ein „haich-haich“. Zur Abwehr wird auch Fauchen und Schnabelklappen gebracht.

 

Geschlechtsreife: Bei der Schleiereule tritt die Geschlechtsreife schon zum Ende des ersten Lebensjahres ein.

Paarungszeit: monogame Dauerverbindung kommen häufig vor, insbesondere wegen der hohen Brutorttreue. Der Brutplatz ist über den Winter meistens nicht besetzt, und wird erst wieder Ende Februar/Anfang März aufgesucht.

 

Bruten1-2 Jahresbruten

Eiablage: regelmäßig ab Ende April; in Gradationsjahren der Feldmaus erfolgt der früheste Legebeginn bereits ab Ende März.

Brutzeit: Ende Februar/Ende März bis September

 

Nest: Die Schleiereule baut kein Nest, sondern nutzt dunkle und geräumige Nischen, die störungsfrei sein und einen ungehinderten An- und Abflug gewährleisten müssen.

Neststandort - Brutrevier: Als Niststandorte werden Kirchtürme, Scheunen, Taubenschläge, Dachböden, Ruinen und auch Felsnischen und Steinbrüche genutzt. Die optimale Grundfläche für Nistplätze sind ca. 2 m².

 

ei der schleiereule museum wiesbaden common license
Ei der Schleiereule - Attribution: Von Klaus Rassinger und Gerhard Cammerer, Museum Wiesbaden - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37867145 - siehe Bildnachweise

 

Gelege: (selten 1-) 4-7 (max. bis 15) Eier

Eier: länglich-ovale Eier mit matter, weißer Schale.

Eimaße und Eigewichte:

Länge: 36,1-44,0 mm

Breite: 28,2-36,0 mm

Gewicht: 19,1-22,8 g; Ø 21,0 g

Nachgelege: Ersatzgelege bei Brutverlust möglich.

 

Legeabstand - Legeinterval: 2 Tage, teilweise auch 3 Tage. Bei großen Gelegen kann die Produktion des Vollgeleges bis zu drei Wochen dauern. Das ♀ sitzt meist schon vor Ablage des ersten Ei in Brutstellung auf der Nestmulde.

Brutbeginn: Nach Ablage des ersten Ei.

Brutdauer: 30-34 Tage, es brütet das ♀ welches vom ♂ versorgt wird.

 

Schlüpfen: Nach 30 Tagen der Bebrütung melden sich die Jungen mit Kontaktlauten aus dem Inneren des Ei, zwei Tage vor dem Schlüpfen. Wenn die Eischale erstmals durchbrochen wurde, beginnt das ♀ damit kleine Schalenstücke aus der Schale auszubeißen und befreit so die Jungen aus der Schale.

 

Nestlingsdauer - Führungszeit: bedunte Nesthocker, die anfangs blind sind; werden in den ersten 10-20 Tagen ständig gehudert werden. Die Augen der Jungen öffnen sich erst nach 11-14 Tagen. Bis zu diesem Zeitpunkt erfolgen Wahrnehmung und Kontakt ausschließlich akustisch oder taktil. Wenn das zuerst geschlüpfte Junge 15 Tage alt ist, erscheint das ♀ nur noch gelegentlich am Nest. Nach drei Wochen fangen die Jungen schon an angeschnittene Beute selbständig zu verschlingen; nach 5-6 Wochen laufen die Jungen bereits am Nistplatz umher und laufen auch den Altvögeln entgegen und nehmen die Beute selbständig ab. Die Geschwister füttern sich auch untereinander. Die Jungen verlassen den Nestplatz fast vollständig nach 50-60 Tagen.

 

Flügge: Nach dem Flüggewerden bleibt der Familienverband noch weitere 3-5 Wochen zusammen, bis die Jungen vollständig selbständig sind. Nach 3 Monaten verlassen die Jungen das Brutrevier der Altvögel.

 

 

schleiereule im flug
Schleiereule im Flug

 

Nahrung: Hauptsächlich Säugetiere, Vögel werden nur selten geschlagen. Die Hauptbeutetiere sind: Feldmaus, Spitzmäuse, Erdmaus, Schermaus, Waldmaus, Zwergmaus und Ratten. Das optimale Beutegewicht liegt bei 5-30 g. Tragfähig ist Beute bis zu 200 g. Der tägliche Nahrungsbedarf liegt bei 70-104 g. Unverdauliche Teile der Beute werden als Gewölle wieder ausgewürgt. Im Durchschnitt gibt es 1,4 Gewölle pro Tag oder 5 Gewölle in 7 Tagen.

 

Lebensdauer: Schleiereulen können Lebensalter von 12 bis 17 Jahren erreichen. Der älteste bekannte Ringvogel einer Schleiereule erreichte ein Alter von 21 Jahren und 4 Monaten.

 

Mortalität - Sterblichkeit: im ersten Jahr kann die Sterblichkeit bis zu 72,7% erreichen,  in schlechten Jahren auch bis zu 100%. Ab dem 2. Jahr sinkt die Sterblichkeit bereits auf 50% und ab dem 3. Jahr auf 42,9%. Im Winter führen langanhaltende Phasen mit Schneedecken >7 cm zu erheblichen Verlusten durch Verhungern, da die Schleiereulen ihre Beutetiere nicht mehr erreichen können.

 

Feinde und Gefährdungen: Verlust von Brutplätzen durch Abbruch oder Modernisierung alter Gebäude. Rückgang von Kleinsäugerbeständen als Folge der Intensivierung der Landwirtschaft. Lagerung von Mais und Getreide in Silos und nicht mehr in Scheunen. Vernichtung kleinräumlicher Strukturen durch Beseitigung von Gräben, Hecken, Ackerrainen und natürlichen Bachläufen. Verwendung von Pflanzengiften und inzwischen tiefere Ackerfurchen. Als Prädatoren treten Marder und Katzen auf.

 

Jagdbares Wild: Nein

Jagdzeit: Nein, Naturschutz

 

schleiereule im flug
Schleiereule im Flug
schleiereule im flug
Schleiereule im Flug

 

Quellennachweise

 

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 1+2, Sonderausgabe 2012, Aula Verlag, Wiebelsheim

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 3, Literatur und Anhang, Aula Verlag Wiebelsheim, 2. vollständig überarbeitete Auflage 1993

Bezzel, Einhard, Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Non-Passeriformes, Band 1, AULA-Verlag Wiesbaden, 1985

Bruun/Singer/König/Der Kosmos Vogelführer, Franck'sche Verlagshandlung Stuttgart, 5. Auflage 1982

Glutz von Blotzheim, Urs et. al (HG), Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 9, Columbiformes - Piciformes, Akademische Verlagsgesellschaft, Wiesbaden, 1980

Mebs, Theodor et. al, Die Eulen Europas, Franck-Kosmos Verlags GmbH, 3. komplett überarbeitete Auflage 2020

Svenson, Lars et. al, Der Kosmos Vogelführer, Franck-Kosmos Verlag GmbH & Co. KG, Stuttgart, 2. Auflage 2011

 

 

Bildnachweise

 

Ei der Schleiereule, Attribution: Von Klaus Rassinger und Gerhard Cammerer, Museum Wiesbaden - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37867145; File URL: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/40/Tyto_alba_MWNH_0624.JPG; Page URL: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tyto_alba_MWNH_0624.JPG

 

 


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