Der Schmutzgeier (Neophron percnopterus)

 

 

Der Schmutzgeier ist ein seltener Brutvogel. Sein Verbreitungsgebiet liegt zwischen Nordafrika und Ostafrika, Südeuropa, zwischen Vorderasien und Turkmenistan, im Süden der Arabischen Halbinsel und auf den Kanarischen Inseln.

 

Das größte europäische Brutgebiet des Schmutzgeiers liegt in Spanien mit einem weiteren isolierten Brutvorkommen in Südfrankreich. In Spanien siedeln ungefähr 1.500 Brutpaare und stellen damit ca. 50% des gesamten europäischen Brutbestandes.

 

 

 

Steckbrief: Schmutzgeier

 

Brutzeit – Gelege – Größe – Gewicht – Nahrung – Biotop – Alter

 

Systematische Einordnung:

Ordnung: Greifvögel (Accipitriformes)

Familie: Habichtverwandte (Accipitridae)

Gattung: Schmutzgeier (Neophron)

Art: Schmutzgeier

 

Beschreibung:

Wissenschaftlicher Name: Neophron percnopterus

Artname in Englisch: Egyptian Vulture

Artname in Französisch: Vautour percnoptère

Artname in Niederländisch: Aasgier

Artname in Finnisch: Pikkukorppikotka

Artname in Dänisch: Ådselgrib

Artname in Schwedisch: Smutsgam

Artname in Polnisch: Ścierwnik

Artname in Russisch: Sterwjatnik

 

Vorkommen / Verbreitung: Die globale Verbreitung des Schmutzgeiers erstreckt sich lückenhaft über Nordafrika, Sahara und bis in die Sahelzone, Ostafrika. Südeuropa; Vorderasien und von dort bis nach Turkmenistan, Zentralasien und Indien; im Süden der Arabischen Halbinsel. Wichtigster europäischer Brutbestand in Spanien.

 

Wanderungen: Die südeuropäischen Brutbestände sind Zugvögel, Brutvögel aus Vorderasien sind meistens Teilzieher, während die Brutvögel Afrikas und der atlantischen Inseln Standvögel sind. Im Herbst erfolgt der Wegzug über die Kontenpunkte Gibraltar, Bosporus und Südost-Türkei. Der Heimzug im Frühjahr erfolgt über die Knotenpunkte Cap Bon und Eilat. Im Herbst beginnt der Wegzug ab Ende August und erreicht seinen Höhepunkt bis Anfang September wobei Nachzügler noch bis in den Oktober ziehen. Der Heimzug aus Afrika beginnt ab Februar. In Spanien erreichen die ersten Zugvögel ihre Brutreviere ab Mitte Februar, in Südfrankreich bis Anfang März.

 

Überwinterung Die Winterquartiere des Schmutzgeiers reichen von Nordafrika südwärts bis zum Südrand der Sahara und liegen auch auf der Arabischen Halbinsel und teilweise sogar in Indien.

 

Lebensraum – Biotop: Offene Landschaften, kahle Berghänge mit Felswänden, Flusstäler mit felsigen Ufern; auch in der Nähe von Siedlungen und an Mülldeponien; wüstenartige Landschaften.

 

Verhalten: Der Schmutzgeier ist tagaktiv. Guter Segelflieger mit rasantem Horizontalflug. Die Suchflüge werden am frühen Vormittag begonnen, die Suchflüge können bis zu 5 Stunden dauern. Der Schmutzgeier ist für seine Suchflüge auf eine hohe Lichtintensität angewiesen, was bei trüben oder schlechtem Wetter zur Inaktivität führt. Einzelbrüter und während der Brutzeit sehr territorial. Der Schmutzgeier besucht gelbliche Suhlen, um das Gefieder einzufärben.

 

Der Schmutzgeier gehört zu den Abfallsammlern und ist in seiner Flugaktivität nicht so stark von der Thermik abhängig wie die größeren Mönchsgeier und Gänsegeier mit ihren beachtlichen Flügelgrößen. Die Aktivitätsphase des Schmutzgeiers ist mit 5 Stunden recht kurz. Dabei sind nicht die Thermikverhältnisse für seine Flüge von Bedeutung, sondern das Vorhandensein einer hohen Lichtintensität. Bei trüben Wetter sind Schmztzgeier daher eher inaktiv.

 

Kennzeichen: Die Altvögel sind überwiegend weiß; Arm- und Handschwingen schwarz; Ober- und Unterflügeldecken sind weiß. Der Kopf ist nackt und orange-gelblich gefärbt. Juv. und imm. Individuen dunkelbraun, nackte Hautteile am Kopf sind schmutzig-fleischfarben. Schwanz ist keilförmig; das Flugbild erinnert an den Bartgeier. Legt erst im 6. Lebensjahr das adulte Alterskleid an.

 

Schnabel: dunkelbraun mit schwarzer Spitze.

Wachshaut und Gesicht: ad. = gelb bis orange; juv. = grau

 

Füße: ad. = fleischfarben oder gelb; juv. = grau.

 

Iris: ad. = rotbraun; juv. = braun.

 

Größe: 58-70 cm

Gewicht: 1600-2400 g, Ø: 2100 g

Spannweite: 155-180 cm

Flügellänge:

♂: 48,6-51,6 cm

♀: 48,0-51,4 cm

 

Stimme - Ruf: Nicht sehr ruffreudig. Erregungsrufe sind miauende, zischende oder grunzende Laute. Trillerndes „gigi …2 oder „gegege“.

 

Geschlechtsreife: Beim Schmutzgeier tritt die Geschlechtsreife erst im 4.-5. Lebensjahr ein.

Paarungszeit: meistens lebenslange Dauerverbindung. Die Kopulationen beginnen 25 Tage vor der Eiablage bei 9 Kopulationen pro Tag.

 

Bruten1 Jahresbrut

Eiablage: In Südeuropa ab Ende April bis Anfang Mai

Brutzeit: Ende April bis Ende Juni

 

Nest: Das Nest ist eine Anhäufung von Zweigen und Materialien aus der Umgebung, so werden selbst Wolle, Tierhäute und Nahrungsreste aller Art in die Nestplattform integriert.

Neststandort - Brutrevier: Neststandort meistens in Fels- oder Erdwänden, auch in Halbhöhlen. Freier Ausblick auf die Umgebung ist wesentlich. Selten Baumnester.

 

schmutzgeier ei museum wiesbaden common license
Ei des Schmutzgeiers, Attribution: Von Klaus Rassinger und Gerhard Cammerer, Museum Wiesbaden - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38047945 - siehe Bildnachweise

 

Gelege: in der Regel 2 Eier

 

Eier: breitoval bis elliptische Eier mit glanzloser Schale. Grundfarbe hell mit braunen bis dunklen Flecken.

 

Eimasse und Eigewichte:

Länge: 58,2-76,4 mm

Breite: 43,0-56,1 mm; Ø 66,2x50,0 mm

Schalengewicht: 6,7-12,2 g; Ø 8,9 g

Frischvollgewicht: 81,5—97,0 g; Ø 94,0 g

 

Nachgelege: Ersatzgelege bei Brutverlust möglich.

 

Legeabstand: 2-4 Tage.

 

Brutbeginn: Nach Ablage des ersten Ei.

Brutdauer: 42 Tage pro Ei, es brüten beide Altvögel

Schlüpfen: ???.

 

Nestlingsdauer - Führungszeit: bedunte Nesthocker, die Jungen werden lange gehudert; beide Altvögel füttern. Nestlingszeit 70-90 Tage. In den meisten Fällen wird nur 1 Junges flügge.

 

Flügge: Nach dem Ausfliegen zwischen Ende Juli und Ende August bleibt der Familienverband von über mehrere Wochen zusammen. Bettelflugperiode dauert 9-34 Tage.

 

 

Nahrung: Der Schmutzgeier ernährt sich von Abfällen aller Art, selbst Kot wird aufgenommen. Daneben werden Kleintiere, faules Obst, Großinsekten sowie Reptilien und Amphibien aufgenommen. Beim Aas werden Fallwild, kleine Wirbeltiere und die Reste von Großtierkadavern verzehrt.

 

Lebensdauer: Der älteste bekannte Schmutzgeier erreicht ein Alter von > 37 Jahren (Zoo Tel Aviv).

 

Mortalität - Sterblichkeit: Die Überlebensrate von subadulten Schmutzgeiern, bis zum 4. Lebensjahr, liegt bei 18,6%.

 

Feinde und Gefährdungen: Direkte Verfolgung im Verbreitungsgebiet (Abschuss und Vergiftung), tödliche Kollisionen mit Freileitungen, Verluste auf dem Zug und im Winterquartier.

 

Jagdbares Wild: Nein

Jagdzeit: Nein, Naturschutz

 

 

Quellennachweise

 

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 1+2, Sonderausgabe 2012, Aula Verlag, Wiebelsheim

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 3, Literatur und Anhang, Aula Verlag Wiebelsheim, 2. vollständig überarbeitete Auflage 1993

Baumgart, Wolfgang, Europas Geier, Flugriesen im Aufwind, AULA-Verlag Wiebelsheim, 2001

Bezzel, Einhard, Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Non-Passeriformes, Band 1, AULA-Verlag Wiesbaden, 1985

Bruun/Singer/König/Der Kosmos Vogelführer, Franck'sche Verlagshandlung Stuttgart, 5. Auflage 1982

Glutz von Blotzheim, Urs et. al (HG), Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 4, Falconiformes, AULA-Verlag Wiesbaden, 2. durchgesehene Auflage 1989

Mebs, Theodor et. al, Die Greifvögel Europas, Franck-Kosmos Verlags GmbH, 2. Auflage 2014

Svenson, Lars et. al, Der Kosmos Vogelführer, Franck-Kosmos Verlag GmbH & Co. KG, Stuttgart, 2. Auflage 2011

 

 

Bildnachweise

 

Ei des Schmutzgeiers, Attribution: Von Klaus Rassinger und Gerhard Cammerer, Museum Wiesbaden - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38047945; File URL: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b8/Neophron_percnopterus_MWNH_0726.JPG; Page URL: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b8/Neophron_percnopterus_MWNH_0726.JPG

 

 

 


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