Der Schnee-Eule (Bubo scandiacus)

 

 

 

Die Schnee-Eule ist ein Bewohner der schneefreien arktischen Tundren und gehört zur Gattung Bubo. Mit einer Flügelspannweite von bis zu 157 cm gehört sie zu den größten Eulen in Europa. Als Brutvogel finden wir sie nur im äußersten Norden von Norwegen, Schweden und Finnland sowie im äußersten Norden von Russland. Durch ihre zirkumpolare Verbreitung besiedelt sie auch Gebiete in Sibirien, Alaska und im Osten von Grönland.

 

Die Bestandszahlen in Nord-Skandinavien sind extrem niedrig. Es ist davon auszugehen, daß in Norwegen und Schweden jeweils nur 23 Brutpaare gebrütet haben. Für den Norden Russlands wird eine Dichte von 22-25 Brutpaaren pro 100 km² angegeben. Insgesamt wird die Tendenz als rückläufig angegeben. Die Schnee-Eulen wurden noch Anfang des 20. Jahrhunderts stark verfolgt, wovon sie sich offensichtlich nie wieder erholt haben. Durch die weiterhin rückläufigen Bestände beim Hauptbeutetier, dem Lemming, während der Brutzeit und im Winter Rückgänge in den Beständen der Schneehühner ist die Schnee-Eule extrem in ihrem Überleben gefährdet.

 

 

Steckbrief: Schnee-Eule

 

Brutzeit – Gelege – Größe – Gewicht – Nahrung – Biotop – Alter

 

Systematische Einordnung:

Ordnung: Eulen (Strigiformes)

Familie: Eulen (Strigidae)

Gattung: Uhus (Bubo)

Art: Schnee-Eule

 

Wissenschaftlicher Name: Bubo scandiacus

 

Namen und Synonyme der Schnee-Eule

 

Artname in Englisch: Snowy Owl

Artname in Französisch: Harfang des neiges

Artname in Niederländisch: Sneeuwuil

Artname in Spanisch: Búho Nival

Artname in Norwegisch: Snøugle

Artname in Nordsamisch: Jievjaskuolfi

Artname in Finnisch: Tunturipöllö

Artname in Dänisch: Sneugle

Artname in Schwedisch: Fjälluggla/p>

Artname in Polnisch: Sowa Śnieżna

Artname in Russisch: Белая сова

Artname in Isländisch: Snæugla

Artname in Inuktitut: Aukpik, Oukpialouk, Uppik

Artname in Kasachisch: Ақ жапалақ, Көкек

Artname in Mongolisch: Цагаан уульж, Цэвдгийн ууль

Artname in Grönländisch: Uppik

 

 

Beschreibung der Schnee-Eule

 

Vorkommen / Verbreitung: Die Schnee-Eule ist zirkumpolar in der Arktis verbreitet. In der Brutzeit ist sie bis in die nördlichsten eisfreien Gebiete der Arktis zu finden. Brutvogel im Norden von Norwegen, Schwenden und Finnland, in Nordrussland, Sibirien, Alaska, im arktischen Kanada und an der Ostküste von Grönland, auch auf Island.

 

Wanderungen: Kurzstreckenzieher. Je nach Witterungslage bleiben die adulten Brüter auch während des Winters im Brutrevier.

 

Überwinterung: Die Wintergebiete reichen südlich bis nach Nord-Schottland und Süd-Skandinavien, den östlichen Ostseeraum, sowie nach Zentral-Russland, bis in den Kaspi-Raum und bis nach Südwest-Sibirien. Spätester Abzug aus dem Brutgebiet erfolgt im Oktober. Ab März wird wieder mit dem Heimzug begonnen, der allerdings auch stark von der Schneeschmelze abhängig ists.

 

Lebensraum – Biotop: offenes und übersichtliches Gelände in der arktischen Tundra und der skandinavischen Fjälls. Auch Küstenbereiche werden besiedelt. Meistens werden nur Gebiete bis zu 200-300 m Höhe besiedelt, nur in Ausnahmefällen auch bis auf 1300 m.

 

Verhalten: Tag- und Nachtaktiv. Schnee-Eulen sind am Boden recht agil und mit kleinen Schritten trippeln aber auch recht schnell gehen. Die Jagd wird im offenen Gelände ausgeübt, wobei meistens von einer festen Warte aus gejagt wird. Dabei wird die Beute erst ausgemacht und dann in schnellem Flug angegriffen und geschlagen. Pirsch- und Suchflüge gibt es dagegen nur selten. Am Nestrand werden Nahrungsdepots angelegt.

 

Kennzeichen: Eine der größten Eulen in Europa, fast so groß wie ein Uhu. Bei der adulten Schnee-Eule ist das Gefieder überwiegend weiß, mit mehr oder weniger stark ausgeprägter dunkler Fleckung. Die Fleckung ist beim ♀ stärker ausgebildet, während das ♂ fast vollkommen weiß ist.

 

Schnabel: schwarz fast vollkommen befiedert.

Fänge: dicht befiedert, Krallen dunkel

 

Iris: gelb

 

Größe: ♂ im Ø 58 cm (max. 64 cm); ♀ im Ø 63 cm (max. 65 cm)

Schwanzlänge: 22 (♂) – 23 (♀) cm

Spannweite: 145-157 cm

Flügellänge:

♂: 39-43 cm

♀: 43 cm

Gewicht:

♂ Ø 1600-1800 g

♀ Ø 2100-2280 g

 

Stimme - Ruf: Außerhalb der Brutzeit wenig ruffreudig. Es gibt Alarm- und Abwehrlaute, den Reviergesang des ♂, das Gackern beim Nestzeigen, Bettelrufe der Jungen und Bettelrufe des ♀.

 

Geschlechtsreife: Geschlechtsreife besteht bereits vor Vollendung des ersten Lebensjahres. Schnee-Eulen in der Gefangenschaft können dann schon erfolgreich mit der Erstbrut beginnen. In der freien Wildbahn wird die Brutreife wahrscheinlich erst im 3.-4. Lebensjahr erreicht. Dieser spätere Brutreife korreliert auch mit dem, erst zu diesem Zeitpunkt, voll ausgefärbten Gefieder und Wechsel in das Alterskleid.

 

Paarungszeit: monogame Saisonverbindung. Es ist bisher nicht klar, ob die Paarbildung erst nach Ankunft im Brutrevier erfolgt, oder bereits früher, im Winterquartier.

Reviergründung - Revierbesetzung: Unabhängig davon, wann die Paarbildung tatsächlich erfolgt, besetzt das ♂ das Revier und zeigt sich von geeigneten Erhöhungen. Von dort wird auch der Reviergesang gebracht. Durch sein schneeweißes Kleid ist das ♂ weithin sichtbar. Neben dem Reviergesang werden auch Demonstrationsflüge mit in V-Stellung gehaltenen Flügeln durchgeführt. Als Teil des Balzverhaltens zeigt das ♂ dem potenziellen ♀ das Nest („Nestzeigen“).

 

schnee-eule vogel portrtait
Ein Nestling der Schnee-Eule - Handaufzucht
ei der schnee-eule museum wiesbaden
Ei der Schnee-Eule - Attribution: Klaus Rassinger und Gerhard Cammerer, Museum Wiesbaden, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons - siehe Bildnachweise

 

Bruten1 Jahresbrut

 

Eiablage: Wie bei den arktischen Brutvögeln üblich, korreliert der Legebeginn mit dem Einsetzen der Schneeschmelze und erfolgt im Regelfall nicht vor der zweiten Maihälfte. Als wesentliche Voraussetzung, daß es überhaupt zum Brutbeginn kommt, ist ein ausreichendes Nahrungsangebot.

Brutzeit: Mitte Mai bis Mitte Juli

 

Nest: Das Weibchen scharrt bzw. gräbt eine flache Mulde mit einer Mindesttiefe von 5-9 cm. Als Extremwerte wurden auch Mulden mit Tiefen von 20-30 cm gefunden.

Neststandort - Brutrevier: In einer extremen Umwelt, wie der arktischen Tundra, ist die Wahl eines geeigneten Standortes von hoher Bedeutung. Zum Brutbeginn kann der Boden noch immer gefroren sein. Daher werden erhöhte Stellen gewählt, die schon früh schneefrei sind, trocken, windgeschützt und einen guten Rundumblick gewährleisten. Vor allem bieten solche Stellen im Allgemeinen auch einen besseren Schutz vor der Mückenplage.

 

Gelege: (mindestens 2) regelmäßig 5-9 (maximal bis zu 16 – nur in sehr guten Nahrungsjahren) Eier.

Eier: rundovale Eier mit glänzend weißer Schale. Im Laufe der Bebrütung verschmutzen die Eier und nehmen eine bräunliche Farbe an.

 

Eimaße und Eigewichte:

Länge: 51,0-65,6 mm

Breite: 42,0-48,4 mm

Ø-Eimass: 56,4x44,7 mm

Frischvollgewicht: 47,5-68,0 g; Ø = 60g

Schalengewicht: 5 g

Nachgelege: nicht bekannt und in Anbetracht der nur kurzen arktischen Sommer unwahrscheinlich.

 

Legeabstand: 2 Tage; teilweise auch 4-5 Tage (sehr selten). Für ein Gelege mit 9 Eiern benötigt das Weibchen im Durchschnitt ca. 20 Tage.

Brutdauer: 32-34 Tage, das ♀ brütet allein und wird vom ♂ mit Nahrung versorgt. Bei unerwartetem Verschlechterung der Nahrungssituation rollt das ♀ sogar überzählige Eier aus dem Nest und brütet dann auf den verbliebenen Eiern weiter.

 

Schlüpfen: Die Jungen schlüpfen entsprechend dem Legeinterval, dabei kann es bei größeren Gelegen tatsächlich zu Altersunterschieden von bis zu drei Wochen vom Erstgeschlüpften zum Letztgeschlüpften (Kleinchen) kommen. Die Jungen fangen bereits 1-3 Tage vor dem Schlüpfen an zu piepen. Das ♀ hilft nicht beim Schlüpfen. Teilweise werden die Eierschalen vom ♀ zerknabbert oder an den Nestrand gelegt. Taube Eier (=unbefruchtet) verbleiben meistens in der Nestmulde.

 

Nestlingsdauer - Führungszeit: bedunte Nesthocker, schon mit dem Schlüpfen tragen die Jungen ein dichtes Neoptrilkleid; Nestlingsdauer ungefähr 3 Wochen pro Junges. Wenn das erste Junge drei Wochen alt ist, beginnt es bereits in der Nestumgebung umherzuwandern und entfernt sich dabei bis zu 500-800 m vom Nest, die Geschwister folgen dann in entsprechendem Abstand.

 

Flügge: Erste Flugübungen werden ab dem 30. Tag begonnen. Erst nach 37-39 Tagen ist das Federkleid vollständig. Nach 6-7 Wochen können die jungen Schnee-Eulen nur kurze Strecken von wenigen Metern fliegend zurücklegen; die volle Flugfähigkeit ist erst nach 8-9 Wochen erreicht. Selbständig sind die Jungeulen frühestens ab August/September, Nachzügler können noch bis in den Oktober hin selbständig werden. Mit der Selbständigkeit beginnt die Abwanderung in die Winterquartiere.

 

schnee-eule nestling
Nestling einer Schnee-Eule - Handaufzucht
schnee-eule nestling
Nestling einer Schnee-Eule - Handaufzucht

 

Nahrung: In der Nahrungsbeschaffung erweist sich die Schnee-Eule als echter Opportunist und nutzt alle erreichbaren Beutetiere, was sich, je nach jahreszeitlicher Verfügbarkeit, ändern kann. Generell besteht die Hauptnahrung zu ca. 96% aus Lemmingen und Wühlmäusen. Vögel werden nur selten, dann aber bis zur Größe von ausgewachsenen Gänsen geschlagen. Neben Vögeln sollen auch die Eier von Ringelgänsen, Eiderenten und Limikolen gefressen werden.

 

Lebensdauer: In der freien Wildbahn können Schnee-Eulen durchaus ein Lebensalter von 20 Jahren erreichen; in der Gefangenschaft sind Lebensalter von bis zu 30 Jahren möglich.

 

Mortalität - Sterblichkeit: die größten Verluste entstehen unter den Jungeulen bis zur 5. Woche.

 

Feinde und Gefährdungen: In den arktischen Brutgebieten sind Schnee-Eulen den dortigen Prädatoren ausgesetzt: Adler, Skuas, Kolkraben, Gerfalke, Bären, Wölfe, Vielfraß, Polarfuchs. Davon sind Gelege, Jungvögel und Brutvögel gleichermaßen betroffen. Von den natürlichen Prädatoren abgesehen, werden Schnee-Eulen auch von Jägern vorsätzlich abgeschossen, da eine Gefährdung der Jagdstrecken bei den Schneehühnern befürchtet wird.

 

Jagdbares Wild: Nein

Jagdzeit: Nein, kein heimisches Wild

 

 

Quellennachweise

 

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 1+2, Sonderausgabe 2012, Aula Verlag, Wiebelsheim

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 3, Literatur und Anhang, Aula Verlag Wiebelsheim, 2. vollständig überarbeitete Auflage 1993

Bezzel, Einhard, Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Non-Passeriformes, Band 1, AULA-Verlag Wiesbaden, 1985

Bruun/Singer/König/Der Kosmos Vogelführer, Franck'sche Verlagshandlung Stuttgart, 5. Auflage 1982

Glutz von Blotzheim, Urs et. al (HG), Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 9, Columbiformes - Piciformes, Akademische Verlagsgesellschaft, Wiesbaden, 1980

Mebs, Theodor et. al, Die Eulen Europas, Franck-Kosmos Verlags GmbH, 3. komplett überarbeitete Auflage 2020

Svenson, Lars et. al, Der Kosmos Vogelführer, Franck-Kosmos Verlag GmbH & Co. KG, Stuttgart, 2. Auflage 2011

 

 

Bundesamt für Naturschutz: Nationaler Vogelschutzbericht 2019 gemäß Artikel 12 Vogelschutzrichtlinie, Berichtsdaten aus dem Abschnitt Stu...U Brutvögel + Verbreitungskarten (pdf download)

 

Bildnachweise

 

Ei der Schnee-Eule: Attribution: Klaus Rassinger und Gerhard Cammerer, Museum Wiesbaden, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons; File URL: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/ca/Nyctea_scandiaca_MWNH_0627.JPG; Page URL: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Nyctea_scandiaca_MWNH_0627.JPG

 


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