Der Schreiseeadler (Haliaeetus vocifer)

 

 

Der Schreiseeadler gehört zu den Seeadlern der Gattung Haliaeetus und ist ein Brutvogel Afrikas. In Afrika gehört er immer noch zu den häufigstsen Greifvögeln. Seine Häufigkeit hat dann wohl auch zu einer Vielzahl von Namensgebungen geführt. So heißt er in der englischen Sprache Afrikan River Eagle oder African Fisch Eagle. Beide Namen bezeichnen dann auch sehr konkret, wovon sich der Schreiseeadler überwiegend ernährt, und vor allem wo er sich in Afrika gerne aufhält. Die Nähe zu Flüssen und Gewässern ist für die Reviergründung essentiell.

 

Die arabische Bezeichnung des Schreiseeadlers als "Abu Toy"  und als "el foqie" oder der Priester, spielen wohl auf seine Färbung an. Jedenfalls ließe der weiße Brustlatz sehr wohl Assoziatonen zu den weißen Bäffchen und den schwarzen Talaren der Pastoren rechtfertigen.

 

Laut Leslie H. Brown (1980) wurde der Schreiseeadler seinerzeit auf 100.000-200.000 Brutpaare geschätzt. Nach 40 Jahren scheint sich an der Bestandssituation nichts zum Nachteil verändert zu haben, denn die Bestände werden immer noch in gleicher Höhe angegeben.

 

In Europa werden Schreiseeadler in Wildtierparks, Weltvogelparks, Geifvogelstationen und Adlerwarten gehalten und können dort gesehen werden.

 

 

schreiseeadler vogel portait
Kopfporträt eines Schreiseeadlers
schreiseeadler vogel portrait greifvogelstation hellenthal
Schreiseeadler (C) - Kopfportät - Greifvogelstation Hellenthal

 

Steckbrief: Schreiseeadler

 

Brutzeit – Gelege – Größe – Gewicht – Nahrung – Biotop – Alter

 

Systematische Einordnung:

Ordnung: Greifvögel (Accipitriformes)

Familie: Habichtverwandte (Accipitridae)

Gattung: Seeadler (Haliaeetus)

Art: Schreiseeadler

 

Beschreibung:

Wissenschaftlicher Name: Haliaeetus vocifer

Artname in Englisch: African Fish Eagle

Artname in Französisch: Pygargue vocifer

Artname in Niederländisch: Afrikaanse Zeearend

Artname in Italienisch: L’aquila urlatrice

Artname in Finnisch: Kiljumerikotka

Artname in Schwedisch: Skrikhavsörn

Artname in Polnisch: Bielik afrykański

Artname in Russisch: Орлан-крикун

 

Vorkommen / Verbreitung: Der Schreiseeadler ist ein Brutvogel Afrikas. Sein Verbreitungsgebiet beginnt an der Südgrenze der Sahara; die nördliche Verbreitungsgrenze beginnt im westafrikanischen Mauretanien und verläuft dann ostwärts entlang der Linie Senegal, Gambia über Nigeria und Kamerun in den Süden des Sudan und weiter bis nach Äthiopien. Von dieser Linie aus reicht das Verbreitungsgebiet dann südwärts bis in die südafrikanische Kapregion.

 

Wanderungen: Jungvögel begeben sich auf Zerstreuungswanderungen.

 

Lebensraum – Biotop: Flüsse, Flussdeltas, Seen, Küsten, Baum- und Buschregionen des tropischen Afrikas, Buschwälder in Gewässernähe. Gebirge bis in Höhen von 4.000 m. Grundsätzlich ist die Nähe zu Gewässern der wesentliche Faktor für eine Reviergründung. In Westafrika ist der Schreiseeadler besonders an den großen Strömen zu finden.

 

Verhalten: Der Schreiseeadler ist tagaktiv. Die Aktivität beginnt mit den frühen Morgenstunden und endet meistens mit den letzten Abendstunden. Während der heißen Stunden wird eine Mittagspause eingelegt und die die Aktivität eingestellt. Die Hauptaktivitäten liegen zwischen 11-13 Uhr und 15-16Uhr am Nachmittag. Nach 17 Uhr wird die Jagd eingestellt.

 

Kennzeichen: Prächtig gefärbter Seeadler. Beim adulten Schreiseeadler sind Kopf, Kehle, Hals, Brust, Nacken sowie der größte Teil des Rückens weiß. Der Stoß ist weiß. Ober- und Unterflügel sind schwarz mit einem leichten grünlichen Schimmer. Unterflügeldecken und Unterschwanzdecken sind kastanienbraun. Die Schwingen haben im zusammengelegten Zustand einen Überstand von 2-3 cm über dem Stoß. Das ♀ ist größer als das ♂.

 

Schnabel: schwarz.

Wachshaut: gelb

 

Läufe: gelb.

 

Iris: dunkelbraun.

 

Größe: 63-75 cm

Schwanzlänge: 19-24 cm

Gewicht:

♂: 1.986-2.497 g

♀: 3.170-3.630 g

Spannweite: 470-605 cm

Flügellängen:

♂: 470-540 mm

♀: 540-605 mm

 

Stimme - Rufe: Schrille Rufe, die laut und klar sind. Laut Fischer ist der Schreiseeadler, als der bekannteste Adler des Kontinents, die Stimme Afrikas.

Geschlechtsreife: Wahrscheinlich im fünften Lebensjahr, was dann mit Umfärben in das vollständige Alterskleid korreliert.

Paarungszeit - Balz: Aufwendige Balzflüge werden vor der Brutperiode absolviert. Zu dieser Zeit kann es schon zu mehrfachen Begattungen (bis zu 7 pro Tag) kommen, ohne dass mit dem Brüten begonnen wird. Balzflüge und Begattungen bedeuten auch nicht notwendiger Weise, daß Schreiseeadler überhaupt zur Brut schreiten. Während der Hochbalz kommt es dann sogar zu bis 12 Kopulationen pro Tag. Laut Fischer sind Schreiseeadler offensichtlich bereit, sich zu jeder x-beliebigen Tageszeit zu begatten.

 

Revierbesetzung: Neue Reviere, bzw. bei notwendigen Revierwechseln, werden schon lange vor Beginn der Brutsaison besetzt. Da das Adlerpaar auch außerhalb der Brutzeit zusammenbleibt, wird das Revier auch gemeinsam gesucht und besetzt. Im Brutrevier werden immer mehrere Horste angelegt, auf die später, bei Bedarf, gewechselt werden kann.

 

schreiseeadler vogel portrait greifvogelstation hellenthal
Schreiseeadler (C) - Greifvogelstation Hellenthal
schreiseeadler vogel portrait
Schreiseeadler (C) - Greifvogelstation Hellenthal
schreiseeadler vogel portrait
Schreiseeadler (C) - Greifvogelstation Hellenthal

 

Bruten: 1 Jahresbrut

 

Voraussetzungen für den Lege- und Brutbeginn: Auch wenn Schreiseeadler ganzjährig sehr fleißig mit Kopulationen sind, heißt das noch lange nicht, daß tatsächlich auch Eier gelegt, geschweige denn überhaupt mit dem Brutgeschäft begonnen wird. Einerseits wurde eine Korrelation zwischen der Trockenzeit und dem Brutbeginn festgestellt. Während der Trockenzeit sinken nicht nur die Wasserspiegel der Gewässer, sondern die Beutefische sind auch leichter zu erreichen und es fällt auch mehr Aas in Form von angespülten toten Fischen an, die dann leichter einzusammeln sind. Allerdings ist das nur ein Teil der Gleichung. Schreiseeadler haben ein gutes Gespür für die Verfügbarkeit von Nahrung. Wenn nämlich die erreichbare Nahrung in einem Jahr so knapp wird, dass es gerade zum Überleben des Adlerpaares reicht, wird das Brutgeschäft ausgesetzt, und das gilt dann für die gesamte Brutkolonie.

 

Eiablage und Brutzeit: In Anbetracht des sehr großen Verbreitungsgebietes des Schreiseeadlers, wird praktisch das ganze Jahr über zur Brut geschritten.

Westafrika: ab Oktober bis November

Sudan: ab Oktober

Äthiopien: ab Juli/August bis Oktober

Nördliches Kongobecken und Kamerun: ab Oktober bis November

Äquatorgürtel (Uganda, Kenia und Nord-Tansania): fast das ganze Jahr über, überwiegend zwischen März und Mai

Viktoriasee: während der Trockenzeit zwischen Mai und bis Juni/Juli

Sambia, Malawi, mittlerer Kongo: ab März bis Juli und auch noch bis Oktober, Hauptzeit ist zwischen Juli und September

Simbabwe und Transvaal (Südafrika): ab März bis Mai

KwaZulu-Natal (Südafrika) : ab Mai bis Oktober

Restliches Gebiete in der Republik Südafrika: ab Juni bis September

 

Nest: Sehr umfangreiche Horstplattform aus Reisig. Die Basis des Horstes besteht aus starken Ästen. Auf dieser Basis wird mit grünen Zweigen weitergebaut, auch Papyrusstengel und deren Blütenstände werden verbaut. Die Horstmulde wird mit jeglicher Art von weichem Material ausgepolstert, welches aus der Umgebung aufgesammelt wird; darunter fallen Schilfhalme, Gras, Blätter und sogar die Nester von Webervögeln, wenn solche Kolonien in der Nähe sind. Der Schreiseeadler reißt diese Nester in den Kolonien der Webervögel aus der Verankerung und verbaut sie in seinem Horst. Neubauten nehmen für die Errichtung 2-3 Monate Bauzeit in Anspruch. Bei Felsenhorsten oder Bodenhorsten fallen die Horste meistens weniger massiv aus, da dann die feste Unterlage wegfällt.

 

Horstmaße:

Durchmesser: 120-150 cm

Höhe: bis zu 35 cm

bei mehrjähriger Nutzung: bis zu 180x120 cm (LxH)

 

Neststandort: Koloniebrüter in Kleinkolonien, aber auch Einzelbrüter. Horste werden fast nur auf Bäumen angelegt. An der Küste werden Horste auf vorgelagerten Felseninseln angelegt. In Schilfwäldern, wo Bäume fehlen, errichten die Schreiseeadler ihre Horste auf am Boden liegenden Pflanzenmaterial; auf Sumpfinseln, in niedrigen Büschen oder sogar direkt auf der Erde. Horste werden immer in Wassernähe angelegt, wobei Horstbäume teilweise direkt an der Wasserlinie stehen, teilweise auch im Wasser. Bei hohem Fischreichtum stehen Horste teilweise nur in Abständen von ca. 50-60 Metern. Je nach Brutareal kann ein Paarbezirk 2,0-2,5 km² umfassen, auf 55 km Flußstrecke können 38 Paare brüten (Steyn in Fischer zu Untersuchungen am Chobe-River); im Okavango-Becken (Botswana) wurden am Boro-Fluss sogar Abstände von 400 bis 500 m zwischen den Horsten festgestellt (vgl. Fischer).

 

schreiseeadler vogel portrait greifvogelstation hellenthal
Schreiseeadler (C) - Greifvogelstation Hellenthal
schreiseeadler vogel portrait greifvogelstation hellenthal
Schreiseeadler (C) Greifvogelstation Hellenthal
ei des schreiseeadler didier descouens museum de toulouse common license
Ei des Schreiseeadlers: Attribution: Von Didier Descouens - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16431944 - siehe Bildnachweise

 

Gelege: 1-3 Eier

Eier: Elliptisches Ei mit weißer Grundfarbe, am stumpfen Ende teilweise mit brauner Fleckung, es existieren wohl überwiegend weiße Eier.

 

Eimasse und Eigewichte

Länge: 70,4-76,1 mm

Breite: 51,0-57,1 mm

Schalengewicht: 13,28 g

 

Nachgelege: ???.

 

Legeabstand - Legeinterval: 2-3 Tage

Brutbeginn: wahrscheinlich ab dem ersten Ei.

 

Brutdauer: ≃ 42-43 Tage, es brütet überwiegend das ♀ und wird vom ♂ mit Nahrung versorgt.

 

Tägliche Brutdauer und Brutpausen: Offenbar brütet das ♀ nur 65% der verfügbaren Tageszeit und verlässt zwischenzeitlich den Horst um eine Brutpause einzulegen. Durch Brutpausen wird verhindert, daß die Eier zu warm werden. Nach Beobachtungen dauerten diese Brutpausen bis zu 81 Minuten, an warmen Tagen sogar bis zu 4 Stunden. Während der Abwesenheit des Weibchens wacht ein Altvogel in der Nähe .

 

Schlüpfen: Die Jungen scheinen im Abstand des Legeintervals zu schlüpfen. Gleichzeitiges Schlüpfen am gleichen Tag wurde nicht beobachtet (vgl. Fischer).

 

Nestlingsdauer - Führungszeit: bedunter Nesthocker, die vom ♀ bis zum 12. Tag gehudert werden. Bei 2er und 3er-Gelegen kann es durchaus zum Ausfliegen aller Jungvögel kommen. Fälle von Kainismus wurden nur selten registriert. Beim Kainismus hackt das ältere Junge auf den Nachzügler ein, bis dieser Jungvogel tot ist. Bis zum Alter von 40 Tagen ist das ♂ allein für die Versorgung von Jungen und ♀ zuständig. Nach dem 40. Tag werden die Jungen nur noch einmal pro Tag mit Futter versorgt, wobei das Futter dann immer noch überwiegend aus Fischen besteht (Menge: 400-500 g pro Tag). Ab dem 24. Tag zeigen sich bei den Jungen die ersten Federn im Schulterbereich; nach 50 Tagen sind sie fast vollständig befiedert und ab dem 60. Tag beginnen sie mit Flatterübungen auf dem Horst.

 

Flügge: Bei den Schreiseeadlern setzt die Flugfähigkeit bei ♂ ab dem 64 Tag und bei ♀ am dem 72. Tag ein.

 

schreiseeadler vogel portrait greifvogelstation hellenthal
Schreiseeadler (C) Greifvogelstation Hellenthal
schreiseeadler vogel portrait greifvogelstation hellenthal
Schreiseeadler (C) - Greifvogelstation Hellenthal

 

Nahrung: Wie schon der englische Name andeutet, besteht die Hauptnahrung aus Fischen, welche als frischer Fang oder auch als Aas verzehrt werden. Aus dem Suchflug heraus, kann der Schreiseeadler Beute bis in Tiefen von 1 m greifen. Allerdings ist der Schreiseeadler bei der Auswahl seiner Beute nicht auf Fische festgelegt. Beobachtungen zufolge schlagen sie durchaus auch Wasservögel, darunter Kormorane, Blässrallen, Perlhühner, Schwarzhalstaucher, Scharben, Schlangenhalsvögel, Reiher, Löffler, Ibisse, Flamingos und deren Jungvögel und Eier. Berichten zufolge soll es sogar vorkommen, daß sich Schreiseeadler darauf spezialisieren, ganze Kolonien von Wasservögeln „leerzuräumen“, d.h. Altvögel und Junge schlagen und Eier entwenden. Riesenreiher werden so lange angegriffen, bis diese ihre Beute erbrechen, die dann vom Adler „übernommen“ wird.

 

Lebensdauer: unbekannt.

 

Mortalität - Sterblichkeit: unbekannt.

 

Feinde und Gefährdungen: Der Schreiseeadler gilt aktuell nicht als gefährdet.

 

 

schreiseeadler vogel portrait greifvogelstation hellenthal
Schreiseeadler (C) Greifvogelstation Hellenthal

 

Quellennachweise

 

Brown, Leslie, Die Greifvögel, Ihre Biologie und Ökologie, Paul Parey Verlag Hamburg und Berlin, 1979

Ferguson-Lees, James, Christie, David, Raptors of the World, A Field Guide, Christopher Helm London, 2005, reprinted 2019

Fischer, Wolfgang, Die Geier, Die Neue Brehm-Bücherei, A. Ziemsen Verlag Lutherstadt Wittenberg, 1963

Glutz von Blotzheim, Urs et. al (HG), Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 4, Falconiformes, AULA-Verlag Wiesbaden, 2. durchgesehene Auflage 1989

Grzimek, Bernhard et al (HG), Grzimeks Tierleben, Band VII, Vögel 1, Kindler Verlag AG Zürich, 1968

Mebs, Theodor, Die Greifvögel Europas Nordafrikas und Vorderasiens, Franchk-Kosmos Verlags GmbH & Co. KG, 2. Auflage 2014

Weick, Friedhelm, Die Greifvögel der Welt, Verlag Paul Parey Hamburg und Berlin, 1980

 

Bildnachweise

Ei des Schreiseeadlers: Attribution: Von Didier Descouens - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16431944; File URL: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/26/Aigle_P%C3%AAcheur_d%27Afrique_MHNT.jpg; Page URL: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Aigle_P%C3%AAcheur_d%27Afrique_MHNT.jpg

 

 

 


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