Der Sperbergeier (Gyps rueppelli)

 

 

 

Der Sperbergeier gehört zu den Altweltgeiern aus der Gattung Gyps. In zwei Unterarten ist er über den nörlichen Teil Afrikas zwischen dem Atlantik und bis zum Horn von Afrika am Indischen Ozean verbreitet. Als große Geierart gehört der Sperbergeier zu den Kadaververwertern und ernährt sich ausschließlich von mittelgroßen bis großen Kadavern. In Afrika gilt der Sperbergeier als extrem gefährdet.

 

Als sehr guter Gleitflieger nutzt der Sperbergeier die Thermik und lässt sich damit in extreme Höhen tragen. Seine größte bisher gemessene Flughöhe wurde durch den Zusammenstoß mit einem Flugzeug in 11.274 m Höhe ermittelt (Ereignis am 11. November 1973).

 

Es existieren zwei Unterarten. Davon ist Gyps rueppelli rueppelli die Nominatform, während Gyps rueppelli erlangeri als herausgebildete Gebirgsform nur in der Gebirgsregion von Äthiopien, Eritrea und Somalia vorkommt.

 

 

 

sperbergeier vogel portrait
Sperbergeier
sperbergeier kopf portrait
Sperbergeier - Kopfporträt
sperbergeier vogel portrait
Sperbergeier - Kopfporträt
sperbergeier
Sperbergeier

 

Artenschutz für den Sperbergeier oder die Immigration einer Geierart

 

Der Sperbergeier war eine der häufigsten Geierarten in Afrika. Leider ist auch beim Sperbergeier in den letzten Jahren die afrikanische Population stark rückläufig. Untersuchungen zufolge hat die Art bis heute ca. 97% ihrer Population eingebüßt. Die Ursachen waren nicht nur ein Rückgang der Nahrungsgrundlage, sondern auch gezielte Vergiftungen sowie Verfolgung und Handel mit Geiern. In Afrika werden Teile von Geiern schlicht als Medizin gehandelt und in der Folge mussten auch die Sperbergeier darunter leiden.

 

In Europa wurde der Sperbergeier als Irrgast gelegentlich beobachet. Immerhin wurden dann bis in die 1980er Jahre regelmäßig Sichtungen registriert. Die früher nur gelegentlich auf der Iberischen Halbinsel erscheinenden Sperbergeier vergesellschafteten sich dort mit Gänsegeiern. Nun ist es beim gelegentlichen Erscheinen nicht geblieben und seit 2010 kommt diese Geierart regelmäßig nach Spanien, wo sie inzwischen in Andalusien offieziell als heimische Vogelart anerkannt wurde. Offensichtlich haben die Sperbergeier Spanien und Südfrankreich bessere Lebensbedingungen als in Afrika. Andererseits scheinen die überwiegend jungen und immaturen Sperberger auch den Gänsegeiern zu folgen, die nach dem Winter wieder in ihre angestammten Gebiete in Spanien zurückkehren.

 

sperbergeier
Sperbergeier

 

Wie sieht der Sperbergeier aus?

 

Der Sperbergeier wird als die schönste Art der Gattung Gyps bezeichnet. Das liegt besonders am graubraunen, weißlich gesperberten Gefieder.

 

Beim adulten Sperbergeier sind Schwingen und Schwanzfedern schwärzlich. Alle anderen Federn sind dunkel-graubraun und zeigen am Federende einen halbmondförmigen, schmutzigweißen Saum. Die Innenseite der Schenkel sind mit weißen Dunen bewachsen. Die Haut des Halses ist graublau und ist spärlich mit weißen Dunen bewachsen. Am Halsansatz sitzt eine weiße Halskrause aus kurzen Federn, die mit zunehmendem Alter wollig wird. Diese Halskrause ist mit schwarzen Federn durchsetzt. Bei der Unterart erlangeri ist die Färbung insgesamt heller als bei der Nominatform.

 

Bei den juvenilen und immaturen Sperbergeiern ist die Oberseite insgesamt hellbraun mit Federsäumen, die Unterseite ist heller als die Oberseite und streifig. Die Halskrause ist bereits vorhanden, jedoch noch dunkler. Die Flügeldecken sind hellbraun, bei dunklen Handschwingen und Armschwingen.

 

Die mittleren Armschwingen sind länger, was zu einer Auswölbung des Flügelhinterrandes führt.

 

sperbergeier
Sperbergeier
sperbergeier
Sperbergeier

 

Steckbrief: Sperbergeier

 

Brutzeit – Gelege – Größe – Gewicht – Nahrung – Biotop – Alter

 

Systematische Einordnung:

Ordnung: Greifvögel (Accipitriformes)

Familie: Habichtverwandte (Accipitridae)

Gattung: Gänsegeier (Gyps)

Art: Sperbergeier

 

Wissenschaftlicher Name: Gyps rüppelli

 

Namen und Synonyme des Sperbergeiers

 

Artname in Englisch: Rüppell’s Griffon Vulture

Artname in Französisch: Vautour de Rüppell

Artname in Niederländisch: Rüppells Gier

Artname in Italienisch: Grifone di Rüppell

Artname in Spanisch: Buitre Moteado

Artname in Finnisch: Suomukorppikotka

Artname in Dänisch: Rüppells Grib, Svannengrib

Artname in Schwedisch: Rüppellgam

Artname in Polnisch: Sęp plamisty

Artname in Russisch: Африканский сип

 

 

sperbergeier am aas
Sperbergeier am Aas

 

Beschreibung des Sperbergeiers

 

Vorkommen / Verbreitung: Der Sperbergeier ist in Afrika und dort nördlich des Äquators verbreitet. Das Verbreitungsgebiet beginnt in Westafrika im Senegal und ostwärts über Niger und Nordkamerun zum Sudan / Nubien (Bajuda-Steppe), nach Äthiopien und Somalia und im Süden bis nach Uganda und Kenia. Das Verbreitungsgebiet deckt sich somit zu einem großen Teil mit der Sahelzone.

 

Wanderungen: Zerstreuungswanderungen der Jungvögel. Der Sperbergeier ist kein Zugvogel. In Folge von Nahrungsmangel kann es zu Ausweichbewegungen innerhalb des afrikanischen Verbreitungsgebietes kommen.

 

Lebensraum – Biotop: Die Aktionsräume des Sperbergeiers sind die Savannen, Halbwüsten und Gebirge Nordafrikas, nicht so sehr jedoch die mediterranen Zonen. In reinen Wüsten und im äquatorialen Urwald ist der Sperbergeier nicht zu finden.

 

Verhalten: Sperbergeier gelten als sehr gesellig und trifft auch an Kadavern, sowie an Schlafplätzen in mittelgroßen Trupps ein. Die Nähe menschlicher Siedlungen in der Steppe werden gemieden. In Kenia scheint der Sperbergeier auch Aas am Rande menschlicher Siedlungen anzunehmen. So partizipieren Sperbergeier auch an den Resten der Beute von Löwe und Leoparden, auch die Überreste menschlicher Jagdbeute werden angenommen. Neigt zur Koloniebildung während der Brutzeit. Sperbergeier sind in der Lage in Höhen von bis zu 11.000 m zu kreisen.

 

Kennzeichen: Großer Geier mit langem Hals. Der Hals ist spärlich mit weißen Dunen bewachsen. Federkrause am Halsansatz. Graubraunes, weißlich gesperbertes Gefieder. Schwanz, Arm- und Handschwingen schwarz. Ober- und Unterflügeldecken, Beine, Flanken und Bürzel mit gesäumten Gefieder. Wirkt scheckig. Schenkelinnenseite ist weiß.

 

Schnabel: horngelb mit bleifarbener Spitze.

Wachshaut: schwarz

 

Füße: ad. = dunkel bleibrau.

 

Iris: silbergrau.

 

Größe: 85-97 cm

Schwanzlänge: 26-30 cm

Gewicht: 8.000-9.000 g, gut genährt bis zu 11 kg

Spannweite: 228-250 cm

Flügellänge: 645-700 mm

Somalia-Sperbergeier:

♂: ≈ 665 mm

♀: ≈ 680 mm

 

Geschlechtsreife: Die Geschlechtsreife tritt erst zwischen dem 5.-7. Lebensjahr ein.

Paarungszeit: Sperbergeier schließen sich zu einer monogamen Dauerverbindung zusammen. Die Balz beginnt vor dem Nestbau; in Ostafrika bereits ab November, im äthiopischen Hochland wohl erst im Juni; auch Balz und Nestbau im September sind möglich.

 

Bruten1 Jahresbrut

Eiablage: unterschiedlich, variiert je nach geographischem Gebiet, zwischen November bis September.

Brutzeit: von November bis Oktober

 

Nest: Nestbau aus Reisig.

Neststandort - Brutrevier: die Horste werden in Felsnischen in Steilwänden oder auf Bäumen angelegt.

 

sperbergeier am aas
Sperbergeier am Aas
ei des sperbergeier didier descouens museum de toulouse common license
Ei des Sperbergeier - Attribution: Von Didier Descouens - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16928406 - siehe Bildnachweise

 

Gelege: (selten 2) 1 Ei

Eier: Eier sind elliptisch bei weißer Schale, mit schwacher hellbrauner Fleckung

 

Eimasse:: 86,5x63,4 mm

Eigewicht: 204,7 g

Nachgelege: ???.

 

Legeabstand: wahrscheinlich 4 Tage.

Brutbeginn: wahrscheinlich nach Ablage des ersten Ei.

Brutdauer: 55 Tage

Schlüpfen: wahrscheinlich innerhalb des Legeintervals.

 

Nestlingsdauer - Führungszeit: bedunte Nesthocker, die von beiden Altvögeln gefüttert werden. Nach 90 Tagen fliegen die Jungen aus.

 

Flügge und Fütterung: Nach dem Ausfliegen werden die jungen Sperbergeier noch bis zum Alter von 150 Tagen (= 5 Monate) von den Altvögeln gefüttert.

 

sperbergeier
Sperbergeier auf dem Block
sperbergeier auf dem block
Sperbergeier auf dem Block
sperbergeier
Sperbergeier

 

Nahrung: Als Kadaververwerter ist der Sperbergeier auf größere bis große Kadaver angewiesen. Aus dem Kadaver werden vor allem Muskelfleisch und Eingeweide genommen. Offenbar kann der Sperbergeier bei Mahlzeiten bis zu ca. 1,4 kg Masse verspeisen.

 

Lebensdauer: Die Lebenserwartung liegt bei Sperbergeiern bei 30-40 Jahren.

 

Mortalität - Sterblichkeit: Junggeier der Gattung Gyps sind in den ersten 2 Monaten noch sehr gefährdet. In dieser Zeit kommen die meisten der ausgeflogenen Individuen um. Wenn der Junggeier die ersten 2 Monate überlebt hat, steigen seine Chancen, die Brutreife zu erreichen. Nur 50% der Junggeier erreichen überhaupt das Ende des ersten Lebensjahres. Nur 8% erreichen noch die Brutreife.

 

Feinde und Gefährdungen: Menschliche Verfolgung, Handel mit Geiern für medizinsiche Zwecke, Verringerung der Lebensräume, Tod an Freileitungen. Reduziertes Nahrungsangebot. Der Sperbergeier hat in Afrika ca. 97% seiner Population verloren. Die Nutzung des Schmerzmittels Diclofenac scheint nun auch in Afrika und Europa zum Massensterben der Geierpopulationen beizutragen.

 

 

Sperbergeier
Sperbergeier am Aas
sperbergeier am aas
Sperbergeier am Aas

 

Quellennachweise

 

Baumgart, Wolfgang, Europas Geier, Flugriesen im Aufwind, AULA-Verlag Wiebelsheim, 2001

Ferguson-Lees, James, Christie, David, Raptors of the World, A Field Guide, Christopher Helm London, 2005, reprinted 2019

Fischer, Wolfgang, Die Geier, Die Neue Brehm-Bücherei, Verlag A. Ziemsen Lutherstadt Wittenberg, 1963

Forsman, Dick, Flight Identification of Raptors of Europe, North Africa and the Middle East, Bloomsbury Christopher Helm London, 2016

Glutz von Blotzheim, Urs et. al (HG), Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 4, Falconiformes, AULA-Verlag Wiesbaden, 2. durchgesehene Auflage 1989

Svenson, Lars et. al, Der Kosmos Vogelführer, Franck-Kosmos Verlag GmbH & Co. KG, Stuttgart, 2. Auflage 2011

 

 

Weiterführende Links

 

Vultures Conservation Foundation - European Vulture Protection and Conservation

 

Bildnachweise

 

Ei des Sperbergeiers, Attribution: Von Didier Descouens - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16928406

 

 

sperbergeier am aas
Sperbergeier am Aas