Der Steinadler (Aquila chrysaetos)

 

 

Der Steinadler ist ein sehr großer und langflügeliger Adler und einem für Adler typisch langem Schwanz. Als Brutvogel kommt der Steinadler in Mittel- und Hochgebirgslagen vor. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Nordwest-Europa über Russland nach Ostasien und dort bis nach Korea und Japan. Auf dem Nordamerikanischen Kontinent kommt der Steinadler in den Mittel- und Hochgebirgslagen vor und ebenso in Mexiko.

 

In Deutschland gibt es 43 Brutpaare. Die wichtigsten europäischen Vorkommen des Steinadlers existieren in Schottland und auf den Westlichen Hebriden (Inselgruppe westlich des schottischen Festlandes), Norwegen, Russland, sowie im gesamten Alpenraum, Spanien und der Türkei. Die Vorkommen in Spanien, Türkei, Skandinavien und Russland, machen zusammen 2/3 des gesamten Weltbestandes.

 

Der europäische Bestand wird mit 8.400-11.000 Brutpaaren angegeben und gilt als stabil.

 

 

 

Kennzeichen - Bestimmung des Steinadlers

 

Adultes Federkleid: Das adulte Federkleid des Steinadlers ist fast überwiegend dunkelbraun; jedoch Kopf und Nacken mit goldgelber Färbung. Oberflügeldecken aufgehellt, im Sitzen und im Flug eindeutig zu erkennen. Unterseite dunkelbraun. Schwanz hell gebändert mit schwarzer Endbinde. Im Flug sind die Unterflügeldecken dunkelbraun gegen die helleren Hand- und Armschwingen abgesetzt.

 

Juveniles Kleid: Sehr auffallend ist der zweifarbige fast weiße Schwanz mit der breiten schwarzen Endbinde. Das Federkleid wirkt fast schwarz. Auffallend sind im Flug die fast weißen Wurzeln der Handschwingen.

 

Immatures Kleid: Auch im zweiten Winter ist der Schwanz noch fast weiß mit breiter schwarzer Endbinde. Zwischen dem dritten und vierten Jahr wird die die Grundfarbe des Schwanzes immer dunkler mit gleichbleibender breiter schwarzer Endbinde. Die starke Fleckung der Oberflügeldecken nimmt ab und ähnelt immer mehr dem adulten Kleid.

 

Schnabel: schwarz mit grauer Basis; bei den adulten Steinadlern ist die Wachshaut gelb.

Füße: in allen Kleidern gelb

 

Iris: dunkel- bis hellbraun

 

Der Steinadler ist ein sehr guter Segel- und Gleitflieger der gerne in der Thermik seine Kreise zieht. Der Ruf des Steinadlers ähnelt sehr stark dem Ruf des Mäusebussards und klingt ähnlich "hiäh". Im Alpenraum, Schottland und in Norwegen ist es sehr wahrscheinlich Steinadler im Flug zu beobachten.

 

 

Steckbrief: Steinadler

 

Brutzeit – Gelege – Größe – Gewicht – Nahrung – Biotop – Alter

 

Systematische Einordnung:

Ordnung: Greifvögel (Accipitriformes)

Familie: Habichtverwandte (Accipitridae)

Gattung: Echte Adler (Aquila)

Art: Steinadler

 

Beschreibung:

Wissenschaftlicher Name: Aquila chrysaetos

Artname in Englisch: Golden Eagle

Artname in Französisch: Aigle royal

Artname in Niederländisch: Steenarend

Artname in Schwedisch: Hökörn/p>

Artname in Finnisch: Maakotka

Artname in Dänisch: Kongeørn

Artname in Polnisch: Orzeł przedni

 

Vorkommen / Verbreitung: Der Steinadler ist heutzutage ein Brutvogel der Hochlagen und abgelegenen Gebiete, nur ausnahmsweise sind auch Sichtungen in Tieflagen möglich. Als Brutvogel gilt der Steinadler in Tieflagen als ausgerottet. Das Verbreitungsgebiet des Steinadlers beginnt in Europa und erstreckt sich von dort über Sibirien nach Ostasien und dort bis nach Korea und Japan. In Nordamerika ist der Steinadler in Nordamerika und auch in Mexiko verbreitet. Die nord- und mittelamerikanischen Vorkommen beschränken sich allerdings auch auf die Gebirgslagen, da der Steinadler dort in den Tieflagen ausgerottet wurde. In Nordafrika reicht die Verbreitungsgrenze bis zur Sahara.

 

In Europa sind Hauptschwerpunkte der Verbreitung das schottische Hochland und die Westlichen Hebriden, die Gebirgsregionen von Norwegen und Schweden sowie der finnische Norden, Nordrussland und Teile des Baltikums. Im Süden Europas treffen wir den Steinadler in Spanien, dem gesamten Alpenraum, Korsika und Sardinien, den italienischen Mittelgebirgslagen, Slowakei und Rumänien auf dem Balkan, Mazedonien, Griechenland und in Vorderasien vor allem in der Türkei.

 

Wanderungen: Generell ist der Steinadler Standvogel, die Jungvögel sind Kurzstreckenzieher bis Langstreckenzieher. Jungvögel aus dem Alpengebiet ziehen in das Alpenvorland, aus Skandinavien ziehen Jungvögel vorübergehend in die deutsche Tiefebene und als Langstreckenzug sogar bis in die Alpenregion (Ausnahme). Nord-Schwedische Jungvögel ziehen in den Süden Schwedens und an die norwegische Küste, die karelischen Brutvögel ziehen nach Spanien. Die finnischen Brutvögel ziehen im Winter

 

Überwinterung: Eine Überwinterung im klassischen Sinne findet beim Steinadler nur in wenigen Fällen statt. Überwinterungsgebiete sind die Schwarzmeerregion, Spanien und die südlichen Gegenden des nordamerikanischen Kontinents. Die finnischen Brutvögel überwintern in der Schwarzmeer-Region und auch die Brutvögel aus Alaska und Nordost-Kanada ziehen südwärts. Jedoch findet die sogenannte Zerstreuungswanderung der Jungvögel statt.

 

Lebensraum – Biotop: Hochgebirge, wo vorzugsweise oberhalb der Baumgrenze gejagt wird, dagegen im Winter in tieferen Lagen. Nord- und nordwesteuropäische Vorkommen siedeln in hügeligen und Mittelgebirgslandschaften mit offenen Flächen und auch mit Waldbeständen.

 

Verhalten: Der Steinadler ist tagaktiv. Sehr guter Flieger und Segelflieger, der meistens auch im Gleit- und Segelflug beobachtet werden kann, während der Ruderflug eher selten zu beobachten ist. Bei Gleiten sind die Handschwingen nach oben gebogen. Gejagt wird vom Ansitz aus oder im niedrigen Suchflug. Beute wird aus dem Sturzflug heraus am oder knapp über dem Boden gefangen. Lange Verfolgungsjagden der Beute sind nur selten erfolgreich. Am erfolgreichsten sind die Situationen, wo der Steinadler den Überraschungsmoment ausnutzen kann Eindringlinge in Bestandsreviere werden angegriffen. Unverpaarte Einzelindividuen halten sich überwiegend an den Randzonen der belegten Reviere auf.

 

Kennzeichen: Großer Adler mit langen, jedoch relativ schmalen Flügel. Der Flügelhinterrand ist relativ geschwungen, mit leichter Verengung zwischen Armschwinge und Handschwinge. Mittellanger Schwanz, im Flug gespreizt und daher mit leichter Rundung am Ende, im Sitzen dagegen Schwanzende gerade.

 

 

Größe: 77-90 cm

Gewicht:

♂ 2840-4450 g Ø 3700 g

♀ 3630-6665 g Ø 5000 g

Spannweite:

♂ 190-210 cm

♀ 215-230 cm

 

Stimme - Ruf: Selten zu hören. Die Stimme erinnert an den Bussard und klingt ähnlich „hiäh“, was gerne im Flug geäußert wird. Außerdem gibt es mehrsilbige Rufreihen, die ähnlich kjeckjeckjeck“ klingen.

 

Geschlechtsreife: Beim Steinadler tritt die Geschlechtsreife im 4-5. Lebensjahr ein. Aus Schottland sind Bruten im immaturen Kleid bekannt. Es wird vermutet, daß die Paarbildung bereits ab dem zweiten Lebensjahr erfolgt.

Paarungszeit: monogame Dauerverbindung, und extreme Standorttreue.

Bruten1 Jahresbrut

 

Eiablage: ab Ende Februar, meistens jedoch im März, ausnahmsweise auch erst Anfang Mai.

Brutzeit: Ende Februar bis maximal Mitte Juli

 

Nest: Der Unterbau des Steinadler-Horstes besteht aus dürren Ästen, die teilweise bis zu 8 cm Dicke und Längen von bis zu 2 m aufweisen können. Auf der Unterlage wird mit Zweigen regelmäßig weitergebaut. Die Mulde wird mit weichem Zweigmaterial aus der Umgebung ausgelegt und teilweise auch mit Grasbüscheln, Flechten und Moosen ausgepolstert. In Ermangelung von Bäumen kann der Horst auch nur aus Heidekraut und Farnen erbaut werden. Felsenhorste können 2-3 Meter Höhe erreichen (Schweiz), wobei Felsenhorste, wegen der beschränkten Auflagemöglichkeit, nie die Größe von Baumhorsten erreichen. Mit Nestneubauten wird teilweise schon nach dem Ausfliegen der Brut, ab Oktober/November, begonnen und der neue Horst wird dann bis Dezember vollendet.

Neststandort - Brutrevier: in der Alpenregion überwiegend auf Felsbändern und Felsvorsprüngen von Felswänden, aus der Schweiz sind auch Baumbruten bekannt; in den waldreichen Gebieten Polens und Slowakiens auch Baumbruten. Alte Horste werden jahrelang genutzt und nehmen wegen der fortgesetzten Baumaßnahmen auch erheblich an Höhe und Umfang zu.

 

 

ei vom steinadler
Ei vom Steinadler - Attribution: Muséum de Toulouse, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons siehe: Bildnachweise

 

Gelege: (mindestens 1) regelmäßig 2 (selten -3) Eier.

Eier: rundovale Eier mit glanzloser Schale; Farbe schmutziges weiß, meistens mit braunen, braunvioletten oder hellgrauen Punkten versehen.

Nachgelege: sehr selten, bei Gelegeverlust meist Aufgabe des Brütens in diesem Jahr.

 

Legeabstand: 3 Tage; bei schottischen Gelegen auch 96-120 Stunden bekannt.

Brutbeginn: mit Ablage des ersten Eies.

Brutdauer: 43-45 Tage pro Ei, ♀ brüten überwiegend, ♂ versorgt das ♀ mit Futter.

Schlüpfen: Die Jungen schlüpfen entsprechend dem Legeinterval.

 

Nestlingsdauer - Führungszeit: bedunte Nesthocker; Nestlingsdauer 74-80 Tage; vom ♀ bis zum 30. Tag intensiv gehudert. Bis zum 40. Tag werden die Jungen vom ♀ gefüttert. Ab dem Zeitpunkt, an dem die Jungen selbständig Futter rupfen und zerteilen können, jagen beide Altvögel. Ab dem 50. Tag stehen die Jungen auf dem Horstrand und beginnen mit Flügelschlagen ihre Flugmuskulatur zu üben.

Flügge: Bei jungen Steinadlern tritt die Flugfähigkeit nach 63-70 Tagen ein. Nach weiteren 3 Wochen sind die Jungadler voll flugfähig. Je nach Legebeginn sind die Jungen zwischen Ende Juni und Ende August ausgeflogen.

 

 

 

Nahrung: Säugetiere und Vögel. Unter den Säugetieren im Gebirge vor allem Murmeltier, Ziesel, Rauhfußhühner, Hasen. Bei Paarhufern werden die Jungtiere von Gams, Reh, Hirsch und Schaf geschlagen. Bei ausgewachsenen und gesunden Tieren ist es wohl fast unmöglich, daß ein Steinadler tatsächlich zum Jagderfolg gelangt. In der Regel ist von der Erlegung von kleineren Beutetieren auszugehen, vor allem da der Steinadler nicht in der Lage ist, Beute zu transportiere, die mindestens seinem Eigengewicht entspricht.

 

Lebensdauer: Der älteste bekannte Ringvogel eines Steinadler erreichte ein Alter von 32 Jahren. In Gefangenschaft (Beizvögel) erreichen Steinadler ein Alter von bis zu 40 Jahren.

 

Mortalität - Sterblichkeit: durch die Kämpfe der Nestlinge untereinander geht meistens das jüngste und somit schwächste Junge zugrunde. Bis zum Eintritt der Geschlechtsreife liegt die Sterblichkeit bei 65-70%, kann bis zu 75% erreichen. Bei adulten Steinadlern liegt die Mortalität im Durchschnitt bei 7,5% (Schätzung).

 

Feinde und Gefährdungen: Als direkte Verfolgung ist weiterhin die illegale Jagd, Aushorstungen von Jungvögeln, Abschuss, Vergiftung durch Auslegen von vergifteten Ködern, Auslegen von Schlageisen zu nennen. Zu diesen Faktoren gesellen sich Störungen am Horst, im Gebirge auch militärische Übungen und Hubschrauberflüge im Brutrevier, die intensive Waldbewirtschaftung und alle von Menschen getätigten Eingriffe im Brutrevier. Die Lebensräume werden durch den Abtrieb ganzer Waldbestände gefährdet.

 

Jagdbares Wild: Ja

Jagdzeit: Ganzjährige Schonzeit

 

 

Quellennachweise

 

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 1+2, Sonderausgabe 2012, Aula Verlag, Wiebelsheim

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 3, Literatur und Anhang, Aula Verlag Wiebelsheim, 2. vollständig überarbeitete Auflage 1993

Bezzel, Einhard, Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Non-Passeriformes, Band 1, AULA-Verlag Wiesbaden, 1985

Bruun/Singer/König/Der Kosmos Vogelführer, Franck'sche Verlagshandlung Stuttgart, 5. Auflage 1982

Fischer, Wolfgang, Steinadler, Kaffern- und Keilschwanzadler, Die Neue Brehm-Bücherei, A. Ziemsen Verlag Wittenberg,1976

Glutz von Blotzheim, Urs et. al (HG), Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 4, Falconiformes, AULA-Verlag Wiesbaden, 2. durchgesehene Auflage 1989

Mebs, Theodor (†), Schmidt, Daniel, Die Greifvögel Europas, Nordafrikas und Vorderasiens, Franck-Kosmos Verlag Stuttgart, 2. Auflage 2014

Svenson, Lars et. al, Der Kosmos Vogelführer, Franck-Kosmos Verlag GmbH & Co. KG, Stuttgart, 2. Auflage 2011

 

Bundesamt für Naturschutz: Nationaler Vogelschutzbericht 2019 gemäß Artikel 12 Vogelschutzrichtlinie, Berichtsdaten aus dem Abschnitt Se...Str Brutvögel + Verbreitungskarten (pdf download)

 

 

Bildnachweise

 

Ei des Steinadler: Attribution: Muséum de Toulouse, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons; File-URL: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/83/Aquila_chrysaetos_chrysaetos_MHNT.ZOO.2010.11.92.2.jpg; Page-URL: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Aquila_chrysaetos_chrysaetos_MHNT.ZOO.2010.11.92.2.jpg

 

 


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