Die Sumpfmeise (Parus palustris)

 

 

 

 

Steckbrief: Sumpfmeise

 

Brutzeit – Alter – Gewicht – Fortpflanzung – Lebensraum – Nahrung

 

Systematische Einordnung:

Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Familie: Meisen (Paridae)

Gattung: Meisen (Parus)

Art: Sumpfmeise

 

Beschreibung:

Wissenschaftlicher Name: Parus palustris

Artname Englisch: Marsh Tit

Artname Französisch: Mésange nonnette

Artname Niederländisch: Glanskop

Artname Finnisch: Viitatiainen

Artname Dänisch: Sumpmejse

Artname Schwedisch: Entita

Artname Polnisch: Sikora uboga

 

Vorkommen / Verbreitung: Lückenhafte Verbreitung in den borealen und gemäßigten Zonen sowie den Gebirgsregionen der Paläarktis. Große Lücken in der Verbreitung in Sibirien. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich insgesamt von den Pyrenäen über Südengland, Südnorwegen, West- und Mitteleuropa, durch Süd-Fennoskandinavien bis an den Südural und den Kaukasus, inklusive der nördlichen Türkei. Im Osten der Paläarktis reicht das Verbreitungsgebiet nach Ostsibirien an den Pazifik, einschließlich Japan und Nord-Sachalin bis nach Südchina.

 

In Mitteleuropa ist die Sumpfmeise ein Bewohner des Tieflandes und kommt in Gebirgsregionen noch bis 1500-1600 m vor.

 

Wanderungen: Die Sumpfmeise ist ein Standvogel, der im Brutrevier überwintert. Jungvögel begeben sich teilweise auf Zerstreuungswanderungen.

 

Migrationen: Jungvögel zeigen insgesamt eine hohe Brutortreue und bewegen sich in Norddeutschland, teilweise nicht weiter weg als bis zum nächsten freien Nistkasten oder der nächsten, nicht besetzten Bruthöhle, wobei die weiteste Zugentfernung nur bei 200 m liegt. Jedoch kann es auch zu tatsächlichen Zugbewegungen kommen, wo das Brutrevier verlassen und Strecken von bis zu 9 km zurückgelegt werden. Frühgeborene Jungvögel eines Jahrganges migrieren demnach nur in der nächsten Umgebung der Bruthöhle, was die Spätgeborenen des Jahrgangs zu weiterer Migration veranlasst.

 

Lebensraum: Brütet in vielseitig strukturierten Laub- und Mischwäldern. Ein hoher Anteil an Totholz und morschen Bäumen ist für eine Ansiedlung notwendig, feuchte Standorte werden eindeutig bevorzugt, trockene Standorte werden gemieden. Nur sehr selten ist die Sumpfmeise auch in reinen Nadelwäldern anzutreffen. Die Sumpfmeise siedelt auch bei Vorhandensein von Baum- und Strauchreihen (Kopfbaumreihen), in großen Obstgärten, in Parks und auf Friedhöfen, auch in buschreichen Alleen; alter Baumbestand ist notwendig.

 

Verhalten: Weidenmeisen sind tagaktiv. Nahrung wird auf Bäumen vom unteren Stammabschnitt bis in die Kronenschicht gesucht, wobei zuerst in Stammnähe und dann auf den äußeren Zweigen gesucht wird. Zwischen Herbst und Winter wird auch am Boden nach Nahrung gesucht. Über das ganze Jahr werden Vorräte mit Sämereien angelegt; Verstecke teilweise in Rindenspalten. Maximaler Radius der Nahrungsflüge

 

Kennzeichen: Die Sumpfmeise ist kleiner als die Kohlmeise; Hals und Kopf kleiner und schlanker als bei der Weidenmeise. Gefiederfärbung wie bei der Weidenmeise. Oberseite graubraun, Unrterseite grauweißlich. Schwarze Kopfplatte. Kleiner Kinnfleck, scharf abgesetzt (vergleiche Weidenmeise, dort ist der Kinnfleck größer. Ohrdecken ähnlich graubraun wie Rücken und Schultern.

 

Flügel ohne helles Feld (Unterschied zur Weidenmeise!). Helle Stellen an Kopf und Halsseite kleiner als bei Weidenmeise.

 

Schnabel: schwarz

Lauf: blaugrau

Iris: dunkelbraun

 

Größe: 11,5 cm

Gewicht:

♂: 11,2-12,7 g, Ø 11,8 g

♀: 9,9-12,2 g, Ø 11,0 g

Spannweite: 18-19,5 cm

Flügellänge:

♂: 65,5-68,5 mm; Ø 67,0 mm

♀: 64,5-68,0 mm; Ø 66,2 mm

 

Stimme und Ruf: Vielfältige Rufe. Standortruf „zi-de“; „pistjü“; bei Erregung „zieh-dädadäck“.

 

Geschlechtsreife: Geschlechtsreife schon im ersten Jahr

 

Paarung: In der Regel schließen sich Sumpfmeisen zu mehrjährigen Dauerverbindungen zusammen. Sogenannte „Herbstpaare“ und „Winterpaare“ sind nur kurzfristig und bestehen meistens aus Jungvögeln.

 

Reviergründung: Die Ansiedlung im neuen Brutrevier erfolgt bei den Jungvögeln schon 1-10 Wochen nach dem Ausfliegen; offenbar gibt es eine lebenslange Reviertreue. Bei älteren Vögeln kann es später auch zu Revierwechseln kommen.

 

Paarungszeit: Die Balz beginnt bei den Jungvögeln praktisch direkt nach dem Flüggewerden.

Bruten: 1 Jahresbrut, nur sehr selten 2 Jahresbruten

Legebeginn: der früheste Legebeginn ist in Mitteleuropa ab Ende März/Anfang April; in der Regel nicht vor Mitte April/Anfang Mai

Brutzeit: März-Anfang Juni teilweise auch noch im Juli

 

Nest: Das napfförmige Nest der Sumpfmeise besteht aus Moos und Tierhaaren, Pflanzenwolle und selten aus Federn, die in der Umgebung gesammelt werden.

 

Die Nester werden in Baumhöhlen angelegt, wobei letztlich das ♀ die Höhle auswählt, die vorher vom ♂ gezeigt wurde. Es werden auch Nisthöhlen angenommen Nester werden auch in alten Höhlen von Weidenmeisen und Spechten angelegt. Höhlen werden auch selbst durch Hacken mit dem Schnabel selbst angelegt, ansonsten erweitert.

 

Gelege: Vollgelege mit 4-12 Eiern, häufig 7-9 Eier

Eier: kurz-ovale Eier mit glanzloser Schale und trübweißer Grundfarbe; Fleckung fein rostrot bis rotbraun.

Nachgelege: Ersatzgelege werden nur bei Verlust des Erstgeleges angelegt.

Legeabstand: 24 Stunden

Brutbeginn: Brutbeginn erst kurz vor Vollendung des Vollgeleges, vorher wird das Gelege mit Nistmaterial abgedeckt.

Brutdauer: 12-13 Tage, es brütet nur das ♀

 

Nestlingsdauer: bedunte Nesthocker; nach 16-21 Tagen verlassen die Jungen die Bruthöhle. Die zuletzt geschlüpfte Jungen haben eine verkürzte Nestlingszeit und verlassen daher mit den älteren Geschwistern zusammen das Nest.

 

Füttern: Beide Altvögel füttern.

Schlüpfen: Die Jungen eines Geleges schlüpfen innerhalb von 2 Tagen.

 

Flügge: Nach dem Verlassen der Bruthöhle (16-21 Tage) sind die jungen Sumpfmeisen flugfähig, werden dann aber noch ca. 2 Wochen von den Altvögeln betreut. Die ersten Jungvögel verlassen den Familienverband jedoch schon nach 8-10 Tagen.

 

Nahrung: Zwischen Frühjahr und Sommer werden vorwiegend Insekten und Spinnen verzehrt, erst ab dem Spätsommer wird teilweise auf Sämereien umgestellt.

 

Lebensdauer: Der älteste bekannte Ringvogel einer Sumpfmeise erreichte ein Alter von 11 Jahren, überwiegend > 9 Jahre.

 

Sterblichkeit - Mortalität: die Überlebensrate adulter Brutvögel kann in einzelnen Brutjahren bis zu75,8% erreichen; bei Nistkastenpopulationen beträgt das Durchschnittsalter ca. 2,5 Jahre.

 

Feinde: Prädatoren: Sperber, Elster, Dohle, Eichelhäher

 

 

 

Quellennachweise

 

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 1+2, Sonderausgabe 2012, Aula Verlag, Wiebelsheim

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 3, Literatur und Anhang, Aula Verlag Wiebelsheim, 2. vollständig überarbeitete Auflage 1993

Bezzel, Einhard, Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Non-Passeriformes, Band 4, Falconiformes Aula Verlag Wiesbaden, 2. durchgesehene Auflage 1989

Bruun/Singer/König/Der Kosmos Vogelführer, Franck'sche Verlagshandlung Stuttgart, 5. Auflage 1982

Glutz von Blotzheim, Urs et. al (HG), Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 13/I, Passeriformes (4. Teil), AULA Verlag GmbH Wiesbaden, 1993

Svenson, Lars et. al, Der Kosmos Vogelführer, Franck-Kosmos Verlag GmbH & Co. KG, Stuttgart, 2. Auflage 2011

 

Bundesamt für Naturschutz: Nationaler Vogelschutzbericht 2019 gemäß Artikel 12 Vogelschutzrichtlinie, Berichtsdaten aus dem Abschnitt Stu...U Brutvögel + Verbreitungskarten (pdf download)

 

 


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