Die Weidenmeise (Parus [atricapillus] montanus)

 

 

 

 

Steckbrief: Weidenmeise

 

Brutzeit – Alter – Gewicht – Fortpflanzung – Lebensraum – Nahrung

 

Systematische Einordnung:

Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Familie: Meisen (Paridae)

Gattung: Meisen (Parus)

Art: Weidenmeise

 

Beschreibung:

Wissenschaftlicher Name: Parus [atricapillus] montanus

Artname Englisch: Willow Tit

Artname Französisch: Mésange boréale

Artname Niederländisch: Matkop

Artname Finnisch: Hömötiainen

Artname Dänisch: Fyrremejse

Artname Schwedisch: Talltita

Artname Polnisch: Czarnogłowka

 

Vorkommen / Verbreitung: Die Weidenmeise brütet in den borealen und gemäßigten Zonen, sowie in den Gebirgsregionen der Paläarktis; wobei sich das Verbreitungsgebiet, beginnend auf den Britischen Inseln und Ost-Frankreich über den Ural bis an die Ostsibirische Pazifikküste, einschließlich Japan, erstreckt. Die Nordgrenze des Verbreitungsgebietes läuft in Skandinavien entlang des 70. nördlichen Breitengrades, um dann in Sibirien auf den 65. nördlichen Breitengrad zurückzugehen, während in China die nördliche Grenze entlang des 47.-48. nördlichen Breitengrades verläuft.

 

Das Vorkommen ist keinesfalls überall als flächendeckend anzusehen. Die Weidenmeise fehlt in baumarmen und trockenen Gebieten, sowie in den Ballungsräumen der Städte. Auch fehlt die Weidenmeise in der Großen Ungarischen Tiefebene (Teil des eurasischen Steppengürtels).

 

Wanderungen: Die Weidenmeise ist ein Standvogel und überwintert im Brutareal. Aus West- und Mitteleuropa sind keine Ortsbewegungen größeren Ausmaßes bekannt.

 

Migrationen: Junge Weidenmeisen gehen nach dem Flüggewerden auf Zerstreuungswanderungen, die in Deutschland in einem Radius von max. 22 km unternommen werden. Teilweise erfolgen auch Massenwanderungen, als Antwort auf sich rapide verschlechternde Bedingungen im Winterhalbjahr. Aus Nord- und Osteuropa sind invasionsartige Wanderungen aus Süd-Fennoskandinavien und dem Baltikum bekannt, die bis nach Nord-Polen führen.

 

Lebensraum: Für die Brut benötigt die Weidenmeise Wälder, Gehölze und Baumreihen mit entsprechendem Angebot an morschen oder auch abgestorbenen Bäumen. Die Weidenmeise brütet in der subarktischen Birkenzone, im borealen Nadelwald (Nadelwaldzone zwischen 50. und 70. nördl. Breitengrad, in Laub- und Mischwäldern, feuchten Auwäldern, in Birken- und Weidenbeständen, im Gebirge bis in die Krummholzzone. In trockenen Wäldern fehlt die Weidenmeise auch bei vorhandenen morschen und toten Bäumen. Dagegen besiedelt die Weidenmeise feuchte Gebiete in Parks und Gärten, wenn ein entsprechendes Angebot an toten und morschen Bäumen vorhanden ist.

 

Verhalten: Die Weidenmeise ist tagaktiv. Neigt zur Anlage von Verstecken für Vorräte von Samen; diese Vorratsläger können teilweise bis zu 15 kg Samen enthalten (in Russland). Die Weidenmeise ist über das ganze Jahr hinweg territorial, streift aber zur Nahrungssuche umher. Im Winterhalbjahr neigt die Weidenmeise dazu artenreine und Trupps mit anderen Meisenarten zu bilden.

 

Kennzeichen: Die Weidenmeise ist kleiner als die Kohlmeise; Hals und Kopf größer und dicker als bei der Sumpfmeise. Gefiederfärbung wie bei der Sumpfmeise. Oberseite graubraun, Unrterseite grauweißlich. Schwarze Kopfplatte. Großer Kinnfleck, eckiger als bei der Sumpfmeise. Ohrdecken ähnlich graubraun wie Rücken und Schultern.

 

Helles Flügelfeld durch weiße Säume der Armschwingen.

 

Schnabel: schwarz

Lauf: blaugrau

Iris: dunkelbraun

 

Größe: 11,5 cm

Gewicht:

♂: 10,1-12,15 g, Ø 11,2 g

♀: 9,6-12,1 g , Ø 10,7 g

Spannweite: 17-20,5 cm

Flügellänge:

♂: 58,2-70,0 mm; Ø 66,1 mm

♀: 60,5-65,7 mm; Ø 64,0 mm

 

Stimme und Ruf: Wie auch andere Meisenarten ist die Weidenmeise recht ruffreudig. Vor allem sind die Stimmfühlungslaute „zi-däh“ – auch als Reihenruf – oft zu hören, sowie ein gereihtes „däh däh däh“; bei Erregung ein „zwet-zwet-zwet-däh“; „zi-däh“ als Reihenruf wird auch als Gesang gebracht.

 

Geschlechtsreife: die Geschlechtsreife tritt bereits im ersten Lebensjahr ein.

 

Wintergesellschaften: Weidenmeisen bilden im Winterhalb artreine Trupps und Gesellschaften aus unterschiedlichen Meisenarten.

 

Paarung: Weidenmeisen schließen monogame Saisonverbindungen, allerdings sind auch Partnertreue bis zu drei Jahren nachgewiesen. Jungvögel paaren sich bereits im Sommer bis in den Herbst.

 

Reviergründung: Reviergründungen durch Jungvögel erfolgen teilweise schon 6-10 Wochen nach dem Ausfliegen, spätestens im folgenden Winter. Bei Bestandsrevieren ist wohl von einer langen Reviertreue auszugehen (bis zu 6 Jahre nachgewiesen). Neue Bruthöhlen werden erst im Frühjahr gesucht und bezogen. Nur in morschem oder Totholz hacken Weidenmeisen mit dem Schnabel in der Höhle, um den Raum zu vergrößern und anzupassen, nicht in jedoch in gesundem Holz. Mit dem Schnabel werden Höhlen auch von Grund auf neu angelegt.

 

Revierverhalten: Das Revierverhalten der Kohlmeisen beginnt bereits in den Wintermonaten. Die Kohlmeisen ♂ singen dann schon im Spätwinter, um das Revier abzugrenzen. Bei günstigen Bedingungen bleibt das Revierpaar auch im Winter im Standrevier.

 

Paarungszeit: Die Balz beginnt bei den Jungvögeln schon im Sommer und kann bis in den Herbst anhalten.

Bruten: 1 Jahresbrut

Legebeginn: In Mitteleuropa ist der früheste Legebeginn ab der ersten Aprildekade; meistens ab Ende April-Anfang Mai.

Brutzeit: März-Ende Juli, teilweise noch bis Anfang August

 

Nest: Höhlenbrüter. Das Nest besteht meistens nur aus einer Unterlage aus Pflanzenfasern und Samenhaaren, die in der Umgebung aufgesammelt wurden.

 

Das Nest ist immer in einer Höhle angelegt, meistens in morschen oder toten Bäumen. Höhlen werden aber auch in morschen Zaupfählen und sogar in morschen Holzmasten angelegt. Nach dem Höhleneingang führt die Höhle zuerst abwärts und ist am Ende zu einer Nestkammer erweitert.

 

Gelege: Vollgelege mit 5-10 (selten 11) Eiern, überwiegend jedoch nur 7-9 Eier

Eier: spindelförmige Eier mit glatter, glänzender Schale. Fleckung aus rötlichbraunen, hellroten oder purpuroten Sprenkeln, Punkten und Klecksen.

Nachgelege: Nachgelege sind eher die Ausnahme denn die Regel.

Legeabstand: 24 Stunden

Brutbeginn: vor Ablage des letzten Ei. Eiablagen erfolgen immer in den frühen Morgenstunden, vor Verlassen der Bruthöhle13-15.

Brutdauer: 13-15 Tage

 

Nestlingsdauer: bedunte Nesthocker werden anfangs noch vom ♀ gehudert. Nach 15-19 (max. 21 Tage)Tagen verlassen die Jungen die Bruthöhle. Das Neshäkchen hat nur eine Nestlingsdauer von 16-17 Tagen, wird also mit den anderen Jungen gleichzeitig das Nest verlassen.

 

Füttern: Es füttert nur das ♀

 

Flügge: Nach dem Verlassen der Bruthöhle sind die Jungen flugfähig, werden aber noch für weitere zwei Wochen von den Altvögeln betreut.

 

Nahrung: Zwischen Frühjahr und Sommer besteht die Nahrung hauptsächlich aus Insekten und deren Larven, was noch durch Spinnen in allen Entwicklungsstadien ergänzt wird. Ab dem Hochsommer wird vermehrt auch Samen aufgenommen (siehe Vorratsbildung).

 

Lebensdauer: der älteste bekannte Ringvogel der Weidenmeise erreichte ein Alter von 12 Jahren und 11 Monaten.

 

Sterblichkeit - Mortalität: nach finnischen Untersuchungen schwankt die Sterblichkeit zwischen 35% bei den ♂ und 40% bei den ♀.

 

Feinde: Sperber, Elster, Eichelhäher, Dohle, Krähen

 

 

 

Quellennachweise

 

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 1+2, Sonderausgabe 2012, Aula Verlag, Wiebelsheim

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 3, Literatur und Anhang, Aula Verlag Wiebelsheim, 2. vollständig überarbeitete Auflage 1993

Bezzel, Einhard, Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Non-Passeriformes, Band 4, Falconiformes Aula Verlag Wiesbaden, 2. durchgesehene Auflage 1989

Bruun/Singer/König/Der Kosmos Vogelführer, Franck'sche Verlagshandlung Stuttgart, 5. Auflage 1982

Glutz von Blotzheim, Urs et. al (HG), Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 13/I, Passeriformes (4. Teil), AULA Verlag GmbH Wiesbaden, 1993

Svenson, Lars et. al, Der Kosmos Vogelführer, Franck-Kosmos Verlag GmbH & Co. KG, Stuttgart, 2. Auflage 2011

 

Bundesamt für Naturschutz: Nationaler Vogelschutzbericht 2019 gemäß Artikel 12 Vogelschutzrichtlinie, Berichtsdaten aus dem Abschnitt Wa...We Brutvögel + Verbreitungskarten (pdf download)

 

 


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